Hamburg

Brennpunkt Dammtor – warum sich Unfälle mit Bussen häufen

Am Donnerstagabend ist es vor dem Dammtorbahnhof erneut zu einem schweren Unfall mit einem Bus gekommen. 19 Menschen wurden verletzt.

Am Donnerstagabend ist es vor dem Dammtorbahnhof erneut zu einem schweren Unfall mit einem Bus gekommen. 19 Menschen wurden verletzt.

Foto: Michael Arning

Der Verkehrsknoten am Bahnhof macht seit Jahren Probleme. Die Strecke gilt als besonders unfallträchtig für Linienbusse.

Hamburg. Es ist bereits der dritte schwere Busunfall mit vielen Verletzten in diesem Jahr im Bereich Dammtorbahnhof. Am Donnerstagabend verletzten sich 19 Fahrgäste in einem Gelenkbus der Linie 5, dessen Fahrerin (51) eine Notbremsung durchführen musste. Verursacher war ein Mercedes-Fahrer, der trotzt Verbots auf dem Theodor-Heuss-Platz/Ecke Rothenbaumchaussee wendete. Der große Verkehrsknoten ist seit Jahren ein Brennpunkt für Verkehrsunfälle und ein Thema der Unfallkommission.

Gefährliche Wendemanöver, oft aus purer Bequemlichkeit um Umwege zu vermeiden, sind gerade für Fahrgäste von Linienbussen eine Gefahr. Sie sind die einzigen Verkehrsteilnehmer in Kraftfahrzeugen, die nur wenige Sicherheitsauflagen erfüllen müssen. Es gibt keine Anschnallgurte. Die Fahrgäste dürfen im Bus stehen. Es gibt im Gegensatz zu anderen Fahrzeugen oft Verletzte durch Stürze, ohne dass es zu einem Unfall mit einer Kollision kommt.

Ein Fahrgast fiel durch eine Trennscheibe

Als am Donnerstagabend gegen 20.35 Uhr die Busfahrerin eine Vollbremsung machen musste, stürzten viele der der rund 140 Fahrgäste in dem voll besetzten Linienbus. „Ein Fahrgast fiel durch eine Trennscheibe, sodass im Bus auch ein Sachschaden entstand“, so Polizeisprecher Florian Abbenseth.

Die Feuerwehr gab Großalarm. „Aufgrund der zunächst unbekannten Anzahl an Verletzen, alarmierte der Führungs- und Lagedienst sofort ein Löschfahrzeug, zwei Führungsdienste, einen Leitenden Notarzt, einen Organisatorischen Leiter Rettungsdienst, einen Großraumrettungswagen, zwei Notarzteinsatzfahrzeuge, sechs Rettungswagen, einen speziell für den Massenanfall von Verletzten ausgerüsteten Gerätewagen“, sagt Feuerwehrsprecher Torsten Wesselly. Laut Feuerwehr erlitten die Verletzten Prellungen, Kopfplatzwunden, Hautabschürfungen, aber auch Knochenbrüche. Fünf der Verletzten wurden mit Rettungswagen in umliegende Krankenhäuser transportiert.

Erst im Februar waren im Bereich Dammtorbahnhof auf der Edmund-Siemers-Allee bei einem Busunfall neun Fahrgäste verletzt worden. Der Busfahrer (51) war durch das Wendemanöver eines Autofahrers zu einer Vollbremsung gezwungen worden. Ende Juni wurden elf Menschen verletzt, als ein Taxifahrer Ecke Dammtorstraße mit einem Linienbus zusammenstieß und ein weiterer Bus zu einer Vollbremsung gezwungen wurde. In diesem Fall hatte ein Taxifahrer ein Wendemanöver durchgeführt.

Mehr als 1100 Unfälle mit Bussen

In diesem Jahr sind es bereits mehr als 1100 Unfälle mit Bussen, die in Hamburg geschehen sind. Meistens blieb es bei Blechschäden. 71 Verkehrsunfälle mit Bussen gingen auf Fehler beim Rückwärtsfahren, Wenden oder Abbiegen zurück – in den meisten Fällen hatten andere Verkehrsteilnehmer die Unfälle verursacht. Im vergangenen Jahr geschahen 1638 Busunfälle.

Dabei wurden allein in Linienbussen 34 Fahrer und 428 Fahrgäste verletzt. Die meisten Fahrgäste erlitten Prellungen oder Schürfwunden bei Stürzen. In elf Fällen waren Fahrgäste so schwer verletzt worden, dass sie im Krankenhaus stationär aufgenommen werden mussten.

Als besonders unfallträchtig gilt die Strecke der Metrobus-Linien 4 und 5 vom Lokstedter Steindamm bis zum Gänsemarkt. Alle drei schweren Busunfälle im Bereich Dammtorbahnhof passierten mit Fahrzeugen dieser Linien. Hier krachte es in einem Zeitraum von fünf Jahren rund 250-mal. In dieser Statistik sind allerdings auch die kleineren Blechschäden enthalten. In diesem Jahr wurden bislang 23 Unfälle mit Bussen auf diesen beiden Linien gezählt.

Mehrere Wendesperren im Bereich Dammtor

Dort, wo es geht, wurde versucht die Unfallgefahren zu minimieren. Vor allem sogenannte „Wendesperren“, Barrieren zwischen den Fahrtrichtungen, die von Autos nicht überfahren werden können, sind installiert worden. Das entschärfte frühere Unfallschwerpunkte wie die Grindelallee und den Grindelberg. Verkehrstechnisch ist das aber längst nicht an allen Stellen möglich. „Wir haben die Bereiche, an denen gewendet werden kann, natürlich unter ständiger Beobachtung“, sagt Abbenseth. Regelmäßig würden auch Schwerpunkteinsätze durchgeführt.

Trotzdem ist der Bereich am Dammtorbahnhof weiter ein Straßenabschnitt, auf dem es regelmäßig zu Verkehrsunfällen kommt. Dabei sind nicht bei allen Unfällen mit Verletzten auch Busse beteiligt. Im vergangenen Jahr waren es 15 Verkehrsunfälle mit Verletzten, die im unmittelbaren Bereich des Bahnhofs geschahen. 2017 waren es 27. Im Jahr davor 16.