Hiroshima/Nagasaki

Warum Hamburg mit Quarzsand an Atombombenabwürfe erinnert

Künstler Axel Richter streut feinen Quarzsand auf den neuen "Hiroshima-Nagasaki-Platz" an der Mönckebergstraße.

Künstler Axel Richter streut feinen Quarzsand auf den neuen "Hiroshima-Nagasaki-Platz" an der Mönckebergstraße.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Der "Hiroshima-Nagasaki-Platz" gedenkt der Opfer der Angriffe von 1945. Der Künstler wählte bewusst die Mönckebergstraße aus.

Hamburg. Betreten erwünscht: Mit zwei neuen Plätzen an der Hamburger Mönckebergstraße erinnert der Ammersbeker Künstler Axel Richter an den Atombombenabwurf in Hiroshima und Nagasaki vor 74 Jahren. Es sind zwei Kreise, jeweils mit einem Durchmesser von zwölf und sechs Metern, die bis zum 9. August temporär gestaltet sind und den Namen Hiroshima-Nagasaki-Platz tragen.

Die beiden kreisrunden Plätze haben eine hauchdünne Schicht aus Quarzsand. „Der hält Strahlung ab“, sagte der Künstler, der das Material in einem Bergstedter Baumarkt gekauft hat. Die Passanten seien ausdrücklich eingeladen, diesen Kreis zu betreten, ihren Namen oder eine Botschaft mit Straßenkreide darauf zu schreiben“, sagte Axel Richter am Rande der Aktionseröffnung, an der auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) und ein Vertreter des japanischen Generalkonsulats teilnahmen. „Nie wieder!“ steht bereits mit Kreide geschrieben auf dem Hiroshima-Platz.

Quarzsand soll danach zur UN nach New York

Hauptpastor Jens-Martin Kruse von St. Petri forderte in einer Ansprache, Atomwaffen abzuschaffen. Krieg sei immer eine Niederlage für die Menschheit, und Frieden sei nur durch Frieden durchzusetzen. Axel Richter wird bis zum 9. August, dem Tag des US-amerikanischen Atombombenabwurfs auf Nagasaki, mit einem Besen und weiteren Säcken Quarzsand vor Ort sein und für Fragen zur Verfügung stehen. Danach will er den Sand verpacken und als Hamburger Botschaft und mahnendes Friedenszeichen an den Sitz der Vereinten Nationen nach New York schicken.

Bei den beiden Atombombenabwürfen kamen im August 1945 und an den Folgeerkrankungen insgesamt rund 300.000 Menschen ums Leben. Der Geschichtsbezug liege nicht nur in dem Erinnern durch die Tat und ihre Uhrzeiten. Die „Mö“ mit einer täglichen Passantenzahl von rund 100.000 Personen ergebe auf die Aktionszeit von drei Tagen gerechnet ziemlich genau die Menschenmenge, die bei den Explosionen in Japan ums Leben gekommen waren. Jeder zufällig Flanierende stehe so mit den Toten in einem Verhältnis, heißt es in der Ankündigung der Aktion von Friedensgruppen.