Hamburg

St. Georg will seinen Polizeichef nicht ziehen lassen

Olaf Sobotta leitet das Polizeikommissariat 11 in St. Georg (Archivbild).

Olaf Sobotta leitet das Polizeikommissariat 11 in St. Georg (Archivbild).

Foto: lx / HA

Olaf Sobotta hat in dem Viertel viel bewegt, doch nun verlässt er den Stadtteil. Anwohner und Ladeninhaber schreiben einen Appell.

Hamburg. St. Georg ist mit seinen Bars, Bühnen und Restaurants ein lebendiger und diverser, aber eben auch ein gebeutelter Stadtteil: Gewalt, Drogenkriminalität und menschliches Leid ballen sich auf nur 1,8 Quadratkilometern zwischen Hauptbahnhof, Außenalster und Kurt-Schumacher-Allee. Hier leitet Polizeioberrat Olaf Sobotta das Kommissariat 11 und arbeitet eng mit den Initiativen und Ladeninhabern im Viertel zusammen. Nun soll er gehen – doch die Anwohner kämpfen um den Verbleib des beliebten Revierleiters.

Wie die Polizei mitteilte, werde Sobotta im August das PK 43 in Bergedorf übernehmen – ein Leitkommissariat mit großem Verantwortungsbereich. "Natürlich gönnen wir Herrn Sobotta seine Beförderung, gleichzeitig wollen wir ihn aber auch nicht aus St. Georg wegziehen lassen", heißt es in einem Appell an die Polizeiführung, der unter anderen von Bürgerverein, Quartiersmanager, Immobilien-Makler, der Freiwilligenbörse und Budnikowsky unterzeichnet wurde.

Sobotta habe "seine Aufgabe dreieinhalb Jahre außerordentlich gut wahrgenommen, war allen Akteuren im Stadtteil – und davon gibt es viele – sehr zugewandt, war immer sehr klar in seinen Aussagen und sehr verlässlich".

Sobotta habe "mit Herzblut" gearbeitet

Er sei sowohl für Anwohner, als auch für Ladeninhaber immer direkter Ansprechpartner gewesen, habe sich in Gremien wie dem Stadtteilbeirat oder dem Runden Tisch zum Hansaplatz vorgestellt und eingebracht. "Er hat sich immer klar geäußert und es geschafft, unterschiedliche Parteien an einen Tisch zu bekommen", betont Markus Schreiber, Vorsitzender des Bürgervereins zu St. Georg und SPD-Bürgerschaftsmitglied. "Das ist schon besonders."

In den vergangenen Jahren habe Sobotta die Einführung der Videoüberwachung und des Glasflaschenverbots auf dem Hansaplatz mit den Engagierten des Stadtteils vorangebracht. Der Revierleiter habe St. Georg gut getan und seine Aufgabe "intensiv, kenntnisreich und mit Herzblut wahrgenommen", lobt Schreiber.

Olaf Sobotta: "Das ehrt mich sehr"

Sobotta selbst ist gerührt von der Wertschätzung aus dem Stadtteil: "Das ehrt mich sehr. Trotzdem ist es nach dreieinhalb Jahren auch Zeit, sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Die Tätigkeit in Bergedorf ist für mich eine wichtige neue Herausforderung, auf die ich mich freue", sagt der Revierleiter.

Der neue Leiter des PK 11 sei der besonderen Bedeutung sowie der Bedarfe des Stadtteils angemessen "sehr sorgsam ausgewählt" worden, teilt die Polizei Hamburg mit. Und auch Sobotta möchte die Anwohner beruhigen: "Ich habe tiefes Vertrauen zu meinem Nachfolger, der die Arbeit im Stadtteil St. Georg im Sinne der Bürger nahtlos fortsetzen wird."

In einer E-Mail habe Sobotta sich nun von allen Akteuren direkt verabschiedet. Ihr Appell scheint seinen Wechsel in den Südosten Hamburgs nicht zu verhindern. Doch zumindest haben sie ihrem Revierleiter damit einen warmen Abschied beschert – verbunden mit der nicht ganz ernst gemeinten Befürchtung von Markus Schreiber, dass er sich "in Bergedorf ja vielleicht langweilen könnte."