St. Pauli

Was wird aus der Stammkneipe der Turbojugend?

Mitglieder der Turbojugend feiern vor dem Schlemmereck die Weltturbojugendtage (Archivbild).

Mitglieder der Turbojugend feiern vor dem Schlemmereck die Weltturbojugendtage (Archivbild).

Foto: Axel Heimken / picture alliance / dpa

Dem Schlemmereck auf dem Kiez droht einmal mehr die Schließung – der Pächter will die Kneipe modernisieren.

Hamburg.  Hamburger Berg, Ecke Seilerstraße. Eine unscheinbare Eckkneipe auf dem Kiez, die seltsam aus der Zeit gefallen wirkt: das Schlemmereck. Keine Kaschemme wie der Goldene Handschuh oder der Elbschlosskeller, in der man genauso schnell Ärger wie ein Bier bekommen kann. Sondern eben eine ganz unprätentiöse Kneipe. Gegen Modernisierungen hatte sich der Wirt Herbert Stender 30 Jahre lang bis zu seinem Tod im Herbst 2017 gestemmt – mit tatkräftiger Unterstützung der Turbojugend, einer auf Außenstehende ebenfalls etwas seltsam anmutenden, internationalen Fangemeinschaft der norwegischen Band Turbonegro.

Das Schlemmereck erkoren die Damen und Herren zu ihrem Hauptquartier, den Wirt zu ihrem Schutzpatron. Einmal im Jahr trafen sich die rund um die Welt bestehenden „Chapter“ dort (laut eigenen Angaben mehr als 2000, leicht zu erkennen an ihren Jeanskutten) zu den Weltturbojugendtagen. Auch in der Nachbarschaft und bei den Fans des FC St. Pauli war das Schlemmereck beliebt.

Turbojugend, Freunde und Nachbarn übernahmen das Schlemmereck

Nach Stenders Tod sah es so aus, als ob das Schlemmereck dicht machen müsste: Die Witwe des Wirts wollte die Kneipe nicht übernehmen, der neue Pächter Süphü Demirocak – Besitzer des Dönerladens nebenan – machte keine Anstalten, den status quo zu erhalten. Die Wende brachte der Auftritt der „Vier vom Eck“: Ein Team aus „Nachbarschaft, Freunden und Turbojugend“, wie Arne Schulz (33, Name geändert), einer der „Vier“, erklärt.

Sie einigten sich mit Demirocak darauf, dass sie das Schlemmereck betreiben dürfen und freie Hand dabei haben, sammelten weitere Gleichgesinnte um sich – und sorgten dafür, dass alles beim Alten blieb: keine Billigdrinks, keine Raucherkneipe, stattdessen das alte Mobiliar, deutsche Küche und Rock’n’Roll. „Wir haben definitiv schwarze Zahlen geschrieben“, sagt Schulz, „der Laden lief.“

Der Pächter sucht ein neues Konzept für das Schlemmereck

Jedoch nicht gut genug aus Sicht des Pächters: Dem inzwischen auf 16 Menschen angewachsenen Team wurde vergangene Woche mitgeteilt, dass Demirocak „das Konzept des Ladens umgehend verändern möchte. Was genau das bedeutet, ist nicht bekannt“, sagt Schulz. „Lediglich, dass dazu diverse optische Veränderungen angestrebt werden, welche nichts mehr mit dem Schlemmereck, wie wir es kennen, zu tun haben. Aus diesem Grund hat das Team beschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden.“

Was nun aus der Traditionskneipe wird, ist unklar: Demirocak will sich am Dienstag noch einmal mit dem Schlemmereck-Team treffen, wie er auf Abendblatt-Anfrage sagt: „Wir suchen eine gemeinsame Lösung.“ Denn, so der Betreiber weiter: „Eigentlich möchte ich auch, dass die Kneipe so weiter läuft, aber es müssen mehr Kunden kommen.“