St. Georg

Immobilienunternehmer will Hansa-Theater erhalten

Das Hansa-Theater soll auch nach dem Besitzerwechsel bestehen bleiben

Das Hansa-Theater soll auch nach dem Besitzerwechsel bestehen bleiben

Foto: Jens Ressing / dpa

Maximilian Schommartz und sein Bruder setzen sich bei der Zwangsversteigerung gegen Mitbieter durch. Theaterchef Collien erleichtert.

Hamburg.  Der Saal 1.01 im Amtsgericht St. Georg ist brechend voll. Mehr als 60 Menschen sind am Donnerstagmorgen gekommen, um der Zwangsversteigerung beizuwohnen, mit der ein jahrelanger Erbschaftsstreit der drei Töchter von Hansa-Theater-Chefin Telse Grell beendet werden soll.

Fünf Immobilien kommen unter den Hammer, damit sich Helga N., eine der Schwestern, ihr Erbe auszahlen lassen kann. Sie können einzeln oder in Gruppen ersteigert werden. Als die Brüder Maximilian und Moritz Schommartz um 11.20 Uhr den Zuschlag für das Gesamtgebot bekommen, sind sie nicht nur frischgebackene Eigentümer von vier Wohn- und Geschäftshäusern, sondern auch von einer Legende: dem 1894 gegründeten Hansa-Theater.

21,1 Millionen Euro für das Hansa-Theater

21,1 Millionen Euro waren ihnen die miteinander verbundenen Gebäude wert. Damit erzielten die Schwestern zwar weniger, als ursprünglich aufgerufen war (22,7 Millionen Euro) – aber deutlich mehr als das Anfangsgebot von 18 Millionen Euro, mit dem Antragstellerin Helga N. die Versteigerung durch ihren Anwalt ins Rollen gebracht hatte. Während sie selbst der Versteigerung fernblieb, nahmen ihre Schwestern Telse-Hedwig G. und Gisela B. in Begleitung ihrer Anwälte teil.

Wie zerstritten die Erbinnen sind, war unübersehbar: Sie saßen zwar nebeneinander, aber voneinander abgewandt – und würdigten sich keines Blickes. Dass sie sich offenbar auch misstrauen, wurde am Ende der Versteigerung durch eine Beschwerde von Helga N.s Anwalt Hans-Jürgen Buhlert deutlich. Er beantragte, sämtliche Gebäude und das Hansa-Theater bis zur Übergabe an die Brüder Schommartz unter gerichtliche Aufsicht zu stellen. Dadurch soll dem Vernehmen nach verhindert werden, dass die Schwestern Teile aus dem Inventar des Theaters entwenden.

„Für das Theater wird sich nichts ändern“

Auf die Frage, welche Pläne die Brüder für das Hansa-Theater hätten, antwortete Maximilian Schommartz dem Abendblatt: „Für das Theater wird sich nichts ändern. Wir gehen davon aus, dass es weiterhin von Thomas Collien betrieben wird. Er ist unserer Meinung nach bestens dafür geeignet.“ Ihr Fokus liege ohnehin mehr auf der teilweise leerstehenden Immobilie Steindamm 11, so der 34-Jährige. Dort solle ein sozialer Träger einziehen, der jedoch noch nicht bekanntgegeben werden könne. Die bestehenden Mietverhältnisse würden weitergeführt, so der Unternehmer.

Maximilian und Moritz Schommartz sind in der Immobilienbranche keine Unbekannten. Nach eigenen Angaben besitzen sie „eine mittlere zweistellige Zahl von Immobilien in Hamburg, Berlin und in den USA“. In die Schlagzeilen gerieten sie 2013, als sie im Schanzenhof die Mieten von 8 Euro nach und nach auf 14 Euro anheben wollten – und Mieter, die das nicht zahlen konnten oder wollten, heftige Proteste anzettelten.

Ungewöhnlicher Werdegang für einen Immobilienunternehmer

Spätestens seitdem wollen sich die Brüder immer wieder als Immobilienentwickler mit sozialem Gewissen beweisen. Am Erdkampsweg in Fuhlsbüttel etwa, wo ihnen sieben Häuser gehören, legte Maximilian Schommartz mit einer Spende von 5000 Euro den Grundstein für einen Fonds zum Erhalt des bestehenden Einzelhandels.

Ungewöhnlich für einen Immobilienunternehmer ist auch sein Werdegang. Als 18-Jähriger trat der ehemalige Schulsprecher des Gymnasiums Eppendorf in die SPD ein. Gleich nach dem Abitur kaufte er sein erstes Haus – in Berlin, ebenfalls bei einer Zwangsversteigerung. Er studierte zwei Semester Klassische Philologie, legte das erste Juraexamen ab – und erwarb immer mehr Häuser, bei denen es sich, wie er einmal betont hatte, zu 80 Prozent um „Objekte mit sozialen Trägern“ handelt. Weniger erfolgreich als seine Laufbahn in der Immobilienbranche verlief seine politische Karriere. Ende 2016 unterlag Schommartz, der im Wahlkreis Hamburg-Nord als Direktkandidat der SPD für den Bundestag antreten wollte, seiner Parteikollegin Dorothee Martin.

Theaterchef Collien ist erleichtert

Bei der Zwangsversteigerung setzten sich die Brüder gegen zwei Mitbieter durch: eine Vermögensgesellschaft von Prinz Ferdinand zu Schleswig-Holstein, die bei 21 Millionen Euro ausstieg, und den Kaufmann Hartmut Sebold, der in St. Georg mehrere Immobilien besitzt. Er hatte bis zur Höhe von 20,5 Millionen Euro mitgeboten – wobei ihm vor allem das Wohl des Stadtteils am Herzen gelegen habe. „Mein größtes Bestreben war, das Hansa-Theater zu erhalten“, so Sebold. „Es ist das Herz des Steindamms und für St. Georg sehr wichtig.“

Thomas Collien, der das Theater seit 2008 im Winter betreibt, ist erleichtert, dass auch die Brüder Schommartz das Theater nicht aufgeben wollen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir die richtigen Betreiber für diesen Standort sind – auch für die Zeit nach Vertragsablauf in zwei Jahren.“ Bei aller Freude bedauere er dennoch sehr, dass das Theater durch den „absurden Streit“ der Schwestern nicht mehr im Familienbesitz ist – nach 124 Jahren.