Hamburg

Neues Quartier am Klosterwall bekommt höchste Kita der Stadt

Diese Visualisierung zeigt die Spitze des neuen Gebäudekomplexes am Klosterwall

Diese Visualisierung zeigt die Spitze des neuen Gebäudekomplexes am Klosterwall

Foto: www.bloomimages.de

Projektentwickler stellt überarbeitete Pläne vor. Auf dem Dach ist eine Kita vorgesehen. Doch es gibt weiter harte Kritik.

Hamburg. Die Planungen für das neue Quartier am Klosterwall sind abgeschlossen. Der Hamburger Projektentwickler Aug. Prien hatte nach dem Architektenwettbewerb, den Anfang Juni das Hamburger Büro KPW Papay Warncke und Partner für sich entschieden hatte, zahlreiche Verbesserungswünsche der Jury erhalten und diese nun umgesetzt.

Die vier City-Hochhäuser, in denen noch der Sitz des Bezirksamtes Mitte ist, werden ab Juli abgerissen, und dort entsteht bis Ende 2021 ein neuer Gebäudekomplex in Backsteinoptik.

Die Entwürfe wurden gestern Abend bei der öffentlichen Plandiskussion zum Entwurf des Bebauungsplans im Bezirksamt vorgestellt. Dabei äußerten Bürger auch deutliche Kritik an dem Vorhaben.

Dem Abendblatt sagte Jan Petersen, Geschäftsführer der Aug. Prien Projektentwicklung: „Uns ist es gelungen, die Anregungen der Jury aufzunehmen und bei der Architektur auch das benachbarte Unesco-Weltkulturerbe zu berücksichtigen. Im Endeffekt ist jetzt auch die Baumasse von 48.800 Quadratmeter Bruttogeschossfläche auf rund 47.600 Quadratmeter zurückgegangen.“ Auf dem Areal soll eine Mischung aus Wohnen, Büro, Hotel, Kultur und Einzelhandel sowie Gastronomie entstehen. Die Zahl der Wohnungen wurde von rund 190 auf 140 reduziert. Ein Drittel sind davon öffentlich geförderte Mietwohnungen, der Rest wird frei finanziert.

Geplante Kindertagesstätte wird verlegt

Neu ist auch, dass die Architektur so angepasst wurde, dass die Wohnungen anstatt Balkonen nun Loggien erhalten. Die geplante Kindertagesstätte wird vom Erdgeschoss des Wohnhauses in die achte und neunte Etage verlegt und dürfte dann die höchstgelegene Kita der Stadt sein. Auf rund 1600 Quadratmetern im Innenbereich und einer rund 800 Quadratmeter großen Dachterrasse können die Kinder spielen. Die Kita-Fläche sei auch der wesentliche Grund für den Wegfall von rund 50 Wohnungen, betonte Petersen.

Der Bürotrakt wird nur acht anstatt neun Etagen haben. Dort waren ursprünglich rund 19.100 Quadratmeter geplant, nun sind noch 18.000 Quadratmeter vorgesehen. Dafür fällt das Viersternehotel etwas größer aus. Der französische Konzern Accor hat bereits einen Vorvertrag unterschrieben und will ein Novotel der neuesten Generation eröffnen. 220 anstatt 200 Zimmer sollen in dem zehngeschossigen Gebäude mit Konferenzbereich entstehen.

Wie geplant, werden im Erdgeschoss rund 3000 Quadratmeter für Einzelhandel und Gastronomie zur Verfügung stehen. Im Sommer soll es einen großen Außenbereich für die Gäste der Restaurants geben: „Das Viertel wird durch unseren Neubau belebt. Wir wollen für die Bürger und Touristen eine hohe Aufenthaltsqualität schaffen“, sagte Jan Petersen. So wird es zwei öffentliche Durchgänge zwischen den Straßen Johanniswall und Klosterwall geben.

Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss

Auch ein Supermarkt mit Markthallencharakter soll in dem Quartier am Klosterwall einziehen. Dem Vernehmen nach hat Edeka Interesse an der Fläche. 700 Quadratmeter werden für die kulturelle Nutzung zur Verfügung gestellt: „Wir arbeiten eng mit der Kulturbehörde zusammen und werden gemeinsam über das Nutzungskonzept entscheiden“, sagte Petersen.

Ein Bauantrag, der auch den Abriss der denkmalgeschützten City-Hochhäuser beinhaltet, wurde bereits gestellt. Die Projektentwickler rechnen mit einer positiven Bescheid bis Mai 2018. Das Bezirksamt Mitte zieht bis Juni in die neuen Räume an der Caffamacherreihe ein.

Nicht alle Bürgerinnen und Bürger, die am Abend an der öffentlichen Plandiskussion teilnahmen, waren begeistert vom neuen Quartier. Schon vor Beginn der Veranstaltung lagen auf den Stühlen des Sitzungssaals Protestflyer mit der Aufschrift „Wir fordern: City-Hof bleibt“.

„Wir wissen, dass das Vorhaben umstritten ist“, leitete Bodo Hafke, Dezernat Wirtschaft, Bauen und Wohnen des Bezirksamts Hamburg-Mitte, die Diskussion ein. Dennoch sei man heute nicht da, um zu besprechen, ob die City-Hochhäuser abgerissen werden oder nicht. „Dann ist es vielleicht schon zu spät“, unterbrach ihn eine Frau. Hitzige Zwischenrufe gab es während der Projektpräsentation aber nur selten von den mehr als 100 Gegnern und Befürwortern im Raum.

Umso deutlicher dann die Kritik bei der anschließenden Diskussion. Einer der Höhepunkte war das Statement des Denkmalvereins Hamburg, das von der Vorsitzenden Kristina Sassenscheidt vorgetragen wurde. „Das Denkmalschutzgesetz erlaubt einen Abriss nur, wenn öffentliche Interessen dies verlangen“, sagte sie. „Der Neubauentwurf ist in keiner Weise eine Verbesserung. Nicht umsonst hat er im Volksmund schon den Namen ,Backsteinwurst‘ bekommen.“ Die meisten Zuhörer äußerten Zustimmung. Als Sassenscheidt „Profit-Maximierung“ als einzige architektonische Aussage des neuen Bauwerks bezeichnete, schallte lauter Applaus durch den Saal.