Abriss

Neubau für Cityhof – Hamburger Senat drückt aufs Tempo

So sieht der
Siegerentwurf des
Architekturbüros
KPW für das
Quartier am
Klosterwall aus

So sieht der Siegerentwurf des Architekturbüros KPW für das Quartier am Klosterwall aus

Foto: KPW

Die Hochhäuser sollen schon im Sommer abgerissen werden. Dann werden am Klosterwall 250 Wohnungen, Büros und ein Hotel gebaut.

Altstadt.  Die vier denkmalgeschützten City-Hochhäuser zwischen Klosterwall und Johanniswall sollen schon im Sommer 2018 Geschichte sein. In der kommenden Woche will der Projektentwickler Aug. Prien Immobilien nach Abendblatt-Informationen einen Bauantrag im Bezirksamt Mitte einreichen, der auch einen Abrissantrag beinhaltet – ausgerechnet für die Räume, in denen zurzeit noch das Bezirksamt sitzt. Das Hamburger Traditionsunternehmen Aug. Prien hatte den Zuschlag für das Filetgrundstück am Eingang der Altstadt – zwischen den Deichtorhallen und dem Saturn-Kaufhaus – erhalten.

Leitartikel: Denkmalschutz als Farce

Das Bezirksamt Mitte wird bis Ende Mai mit rund 1000 Mitarbeitern an die Caffamacherreihe umziehen, danach soll umgehend mit dem Abbruch der City-Hochhäuser begonnen werden. „Wir werden etwa ein Jahr benötigen, bis die Gebäude abgerissen sind, und im Sommer 2019 mit dem Bau beginnen“, sagt Aug.-Prien-Geschäftsführer Jan Petersen. Die Fertigstellung des „Quartiers am Klosterwall“ ist für 2021 geplant.

Ein Drittel der Wohnungen öffentlich gefördert

Dort soll nach den Entwürfen des Hamburger Architekturbüros KPW Papay Warncke und Partner ein neues Quartier mit bis zu elfgeschossigen Gebäuden entstehen. 250 Mietwohnungen sind geplant, davon ein Drittel öffentlich gefördert. Zudem entstehen dort Büros und im Erdgeschoss Einzelhandel. Es soll unter anderem ein Supermarkt mit Markthallenkonzept einziehen. Außerdem soll dort Gastronomie inklusive Außenterrasse angesiedelt werden: „Wir werden aber auch Flächen für Kunst und Kultur schaffen.

Fänden Sie es richtig, wenn der Senat das Verfahren zu den City-Hochhäusern an sich zieht?

Es soll ein lebendiges offenes Quartier werden, das zur Belebung des Standorts beiträgt und zugleich höchsten architektonischen Ansprüchen gerecht wird“, sagte Petersen. Auch ein Viersternehotel mit rund 200 Zimmern und Konferenzbereich ist geplant. Nach Abendblatt-Informationen wird die französische Accor-Kette den Zuschlag erhalten und dort ein Novotel eröffnen. Der Konzern betreibt in Hamburg bereits 17 Hotels (Ibis, Mercure, Sofitel) mit insgesamt 3400 Zimmern. Die Entwicklung des „Quartiers am Klosterwall“ ist eines der prominentesten Neubauvorhaben in Hamburg. Deshalb plant der Senat nach Abendblatt-Information das Baugenehmigungsverfahren für diese prestigeträchtige Projektentwicklung zu evozieren, also an sich zu ziehen.

Kienscherf: Große städtebauliche Bedeutung

Das bedeutet, dass dann nicht mehr der Bezirk Mitte zuständig wäre, sondern das Baugenehmigungsverfahren der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) zugewiesen werden würde. Ziel sei die möglichst zügige Durchführung des Baugenehmigungsverfahrens, heißt es in einem Senatsdrucksachenentwurf. Dafür spricht sich auch SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf aus: „Das Quartier am Klosterwall ist von großer städtebaulicher Bedeutung, deshalb ist es nachvollziehbar, wenn die Zuständigkeit dafür bei der BSW liegt. Wichtig ist allerdings, dass alle Schritte des Baugenehmigungsverfahrens in enger Abstimmung mit dem Bezirk Mitte und der Bezirkspolitik erfolgen.“ Es sei allen Beteiligten an einem reibungslosen Ablauf gelegen, damit der neue Gebäudekomplex bis 2021 verwirklicht werden könne.

Eine mögliche Evokation wollte die BSW bisher nicht bestätigen. Hinter den Kulissen wurden dem Vernehmen nach Gespräche auf höchster Ebene geführt. Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) hat das Verfahren zur Chefsache erklärt. Aber trotz der Evokation soll der Bezirk Mitte in das Baugenehmigungsverfahren eng eingebunden werden. Dafür dürfte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) gesorgt haben.

Aber warum handelt die Stadt so? „Eine Evokation bedeutet, dass der Senat das gesamte Verfahren an sich zieht. Ein Bürgerbegehren hätte zwar empfehlenden Charakter, der Senat wäre daran aber nicht gebunden“ sagte Gero Tuttlewski, Fachanwalt für Verwaltungsrecht aus der Kanzlei Klemm & Partner. Der geplante Abriss der denkmalgeschützten City-Hochhäuser hatte für viel Streit gesorgt. Initiativen hatten sich für den Erhalt eingesetzt. Der Protest blieb ohne Erfolg – im Juni werden die Abrissbagger rollen.