Neubau in Hamburg

City-Hochhäuser: Aus für Stararchitekt Libeskind

Stararchitekt Daniel Libeskind hat
seinen Sitz in New York

Stararchitekt Daniel Libeskind hat seinen Sitz in New York

Foto: picture alliance / dpa

Der Entwurf des New Yorkers kann die Jury ebensowenig überzeugen wie der eines US-Kollegen. Der Protest gegen Neubau formiert sich.

Hamburg/New York.  Die bekanntesten Namen beim Architektenwettbewerb für die Neubebauung auf dem Areal der City-Hochhäuser am Klosterwall sind nach Abendblatt-Informationen aus dem Rennen: Dem Vernehmen nach sind die New Yorker Stararchitekten Daniel Libeskind (Studio Daniel Libeskind) und Steven Holl, die sich beide beteiligt hatten, nach der ersten Runde ausgeschieden.

Aus den 29 Büros, die für den städte­baulichen Wettbewerb ausgewählt wurden und ihre Entwürfe präsentiert hatten, kürte das Preisgericht jetzt sieben Architekten, die in die zweite Phase kommen: „Dabei wird es nun darum gehen, den jeweiligen städtebaulichen Entwurf entsprechend den Empfehlungen der international besetzten Jury und der Berater des Weltkulturerbes zu überarbeiten und in eine Hochbauarchitektur umzusetzen“, sagte Jan Petersen, Geschäftsführer des Projektentwicklers Aug. Prien Immobilien, der den Zuschlag für das Filetgrundstück von der Stadt erhalten hat.

Auch Holl nicht mehr dabei

Nicht mehr dabei sind nach Abendblatt-Informationen Libeskind, der unter anderem das Jüdische Museum in Berlin entworfen hat, und Holl. Warum, dazu gibt es keine öffentliche Stellungnahme. Denn die Inhalte der Sitzung des Preisgerichts sind geheim. Das gilt auch für die Namen der sieben Architekten, die noch im Rennen sind.

Dem Vernehmen nach passten die jeweiligen Entwürfe von Libeskind und Holl nicht zur Architektur des angrenzenden Kontohausviertels, das zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Den Siegerentwurf wird das Preisgericht am 2. Juni präsentieren, einen Tag vorher werden die sieben Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt.

Widerstand gegen die Neubauten

Wie berichtet, sollen die City-Hochhäuser, die noch bis 2018 Sitz des Bezirksamts Mitte sind, abgerissen werden. Auf dem Grundstück gegenüber vom Hauptbahnhof soll ein neues Quartier, bestehend aus Büros, Wohnungen, Einzelhandel, Hotel, Gastronomie sowie Kunst und Kultur, werden. Die Fertigstellung ist 2021 geplant.

Im Viertel formiert sich mittlerweile Widerstand gegen die Neubauten, die nach Meinung vieler Anwohner in St. Georg und im Münzviertel einen erheblichen Aufwertungsdruck zur Folge haben und einkommensschwache Menschen aus dem Viertel drängen werden. Der City-Hof e.V, der sich für den Erhalt der denkmalgeschützten Häuser einsetzt, und weitere sechs Initiativen (Einwohnerverein St. Georg, Stadtteil­in­itiative Münzviertel, Gängeviertel e. V. sowie AStA HafenCity Universität, Berufsverband bildender Künstlerinnen und Künstler Hamburg und Netzwerk Recht auf Stadt) haben am Dienstag zu einer konstituierenden Sitzung eingeladen, um den Protest zu bündeln und zu organisieren.

„Ort der Teilhabe“

Gut 120 Anwohner und Aktivisten kamen. „Der Drops ist noch nicht gelutscht“, hieß es übereinstimmend. Die Neubaupläne für die City-Hochhäuser seien Symbol einer Stadtplanung, die einseitig Investoreninteressen bediene und selbst zentralste Bereiche der Stadt für Leute mit Geld reserviere. „Gemessen an der Gegend um den Hauptbahnhof wohnen wir in einer Randlage“, hieß es vonseiten des Gängeviertel eV. Das Bahnhofsviertel aber müsste allen offenstehen.

Die Mitte der Stadtgesellschaft müsse ein „Ort der Teilhabe“ sein. Am Hauptbahnhof seien mehr öffentliche Räume nötig, nicht mehr Privatheit. Der Senat dürfe nicht noch seine letzten Grundstücke verkaufen und sich damit aller Möglichkeiten der Einflussnahme auf Mietpreisentwicklungen berauben.

Mieterverein zu Hamburg verweist auf Wien

Michael Joho vom Einwohnerverein St. Georg forderte ein „Bündnis für Soziale Stadtentwicklung“. Die City-Höfe müssten die Esso-Hochhäuser des Bahnhofsviertels werden. Stephan Karrenbauer von „Hinz & Kunzt“ forderte, die City-Hochhäuser zum „sozialen Leuchtturmprojekt Hamburgs“ zu machen. Auch damit könne eine Stadt sich überregional profilieren.

Der Mieterverein zu Hamburg verwies auf Wien, das kommunalen Wohnungsbau im großen Stil betreibe und damit die Mieten niedrig halte. Auch Hamburg solle seine Immobilien selbst entwickeln und könne dies auch bezahlen. Das sei eine Frage des Wollens. „Man muss es nur machen.“