Immobiliendeal

Was plant Hamburg mit dem Gruner+Jahr-Gebäude?

Das Verlagshaus von Gruner + Jahr ist ein Hingucker am Baumwall

Das Verlagshaus von Gruner + Jahr ist ein Hingucker am Baumwall

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture-alliance / ZB

Finanzbehörde bestätigt Verhandlungen. Verkaufspreis soll im dreistelligen Millionenbereich liegen. Wo das Medienhaus hinziehen könnte.

Hamburg.  Die Verhandlungen laufen auf höchster Ebene. Es geht um einen Immobiliendeal, der von großer Bedeutung für Hamburg ist: Die Stadt will nach Abendblatt-Informationen das Verlagsgebäude von Gruner+Jahr in Eins-a-Lage am Baumwall kaufen. Die Finanzbehörde bestätigte auf Anfrage, dass es Gespräche mit Gruner +Jahr gibt, die aber laut Behördensprecher Daniel Stricker noch nicht abgeschlossen seien.

Auch über einen möglichen Verkaufspreis wurde bereits spekuliert. In Branchenkreisen war von 180 Millionen Euro die Rede. Die imposante Immobilie am Baumwall wurde 1990 bezogen und hat eine Nutzfläche von etwa 50.000 Quadratmetern. Hier arbeiten zurzeit mehr als 2000 Angestellte für den Verlag, in dem unter anderem der „Stern“ und die „Gala“ erscheinen.

Damit steht auch fest, dass das zu Bertelsmann gehörende Medienunternehmen seinen Hauptsitz am Hafen verlassen wird. Darüber wurde bereits seit Längerem spekuliert. Auch darüber, wo das Unternehmen künftig seinen Sitz haben wird. Nach Abendblatt-Informationen favorisiert das Verlagshaus den Umzug in die HafenCity.

Kein Kommentar von Gruner + Jahr, aber auch kein Dementi

Auf Anfrage gab sich ein Verlagssprecher zurückhaltend und betonte: „Gruner+Jahr prüft, wie wir schon mehrmals gesagt haben, einen Umzug. Solange hier keine finalen Entscheidungen getroffen sind, kommentieren wir keine der Anfragen.“ Wenn es nur nach den Stadtteilen ginge, die uns schon zugeschrieben wurden, wären dies: Veddel, HafenCity, Ottensen, Bahrenfeld, Wilhelmsburg, City Nord, Schanzenviertel und die Nachbarstadt Norderstedt, so der Sprecher weiter.

Allerdings ist ein Umzug in die HafenCity naheliegend, denn es stehen zahlreiche städtische Grundstücke zur Verfügung, die noch entwickelt werden können.

Laut Gerüchten könnte die Universität in die Topimmobilie ziehen

Aber wie will die Stadt die Immobilie mit Elbblick künftig nutzen? Dazu wollte sich Behördensprecher Daniel Stricker nicht äußern. Es gibt Gerüchte, dass der G+J-Komplex im weitesten Sinne universitär genutzt werden könnte. Eine solche Nutzung würde Richard Winter, Niederlassungsleiter des internationalen Maklerunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL), sinnvoll finden: „Das Pressehaus des Gruner+Jahr-Areals mit seiner Campusstruktur und großzügigen Grün- und Außenflächen zwischen Michel und Elbe erscheint hervor­ragend geeignet für eine Hochschulnutzung.“ Die Vielzahl der Einzelgebäude mit ihren Verbindungsbrücken und Verkehrsflächen seien gerade für die Kommunikationsanforderungen eines Universitätsbetriebes gut geeignet, so der Immobilienexperte weiter.

Für Andreas Wende, Geschäftsführer Investment beim Immobilienberatungsunternehmen Savills, steht fest: „Es ist ein guter Schachzug, wenn sich die Stadt dieses Gebäude in exponierter Lage sichert.“ Es sei aufgrund seiner Größe geeignet für eine Nutzung durch eine Behörde, und das Gebäude sei bestens an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Kritik von der Opposition

Kritik kommt von der Opposition: „Wenn die Stadt Bedarf an zusätzlichen Flächen haben sollte, dann muss es aber nicht ein Filetgrundstück in bester Lage sein. Denn solch eine Immobilie hat auch einen entsprechenden Preis, den dann am Ende der Steuerzahler bezahlen muss“, sagt CDU-Stadtentwicklungsexpertin Birgit Stöver. Es gebe sicherlich auch andere Objekte dieser Größenordnung, die nicht in so einer Eins-a-Lage seien und dementsprechend dann deutlich günstiger, so Stöver weiter. Auch Jens P. Meyer, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, sagt: „Die Stadt muss, wenn sie dieses Gebäude wirklich kauft, eine Nutzung präsentieren können, die den Ankauf einer teuren Immobilie in bester Lage rechtfertigt.“

Da ist SPD-Stadtentwicklungs­experte Dirk Kienscherf anderer Meinung; „Der Erwerb von Gebäuden in der City durch die Stadt ist grundsätzlich zu begrüßen. Es war ein großer Fehler des damaligen CDU-Senats, die innerstädtischen Immobilien zu verkaufen, um einmalig ein Finanzloch zu decken.“ Jetzt kehre die Stadt zu einer aktiven Grundstückspolitik auch in der Innenstadt zurück. Nach dem bereits erfolgten Erwerb der Springer-Passage werde die Stadt durch den möglichen Erwerb des Gruner+Jahr-Gebäudes endlich wieder zu einem aktiven Immobilienhalter in der City werden.

Wie berichtet, hat die Stadt vom Verlag Axel Springer einen in den 90er-Jahren errichteten Gebäudekomplex zwischen der Caffamacherreihe und der Kaiser-Wilhelm-Straße für dem Vernehmen nach rund 130 Millionen Euro erworben In diese Immobilie soll nach dem Umbau 2017 das Bezirksamt Mitte einziehen.