St. Georg

Taubenschlag auf Moschee eingeweiht

Ibrahim Yazici schaut aus dem Taubenschlag auf dem Dach der Centrum-Moschee im Stadtteil St. Georg

Ibrahim Yazici schaut aus dem Taubenschlag auf dem Dach der Centrum-Moschee im Stadtteil St. Georg

Foto: Bodo Marks / dpa

Die Centrum-Moschee in St. Georg hat einen Taubenschlag auf ihrem Dach bekommen. Die Idee kommt vom Tierschutzverein.

Hamburg.  Dass Tauben reine Tiere sind, würde Ibrahim Yazici (34) nicht gerade behaupten. „Tauben kacken überall hin“, sagt der Sprecher des Bündnisses der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland schmunzelnd, während er vor einem neuen Taubschlag auf der Centrum-Moschee in Hamburg-St. Georg steht. Der Holzbau mit rund 200 Brutstätten ist in Kooperation mit dem Hamburger Stadttauben- und dem Hamburger Tierschutzverein entstanden. Am Dienstag wurde er eingeweiht. Bis sich die ersten Tiere einnisten, könne noch ein halbes Jahr vergehen, sagt Yazici.

Einziehen sollen in den Verschlag nicht irgendwelche edlen Zuchtvögel, sondern die ganz gewöhnlichen Stadttauben. Vielen Hauseigentümern, gerade wenn die Gebäude einen hohen Wert als Baudenkmal haben, sind diese Tiere ein Graus. Ihre ätzenden Exkremente richten viel Schaden an. Die Gemeinde der Centrum-Moschee hat davor keine Angst. Als der Tierschutzverein vor einem halben Jahr anfragte, habe der Vorstand nicht lange überlegt. „Wir freuen uns, dass wir dem Tierschutzverein helfen können, und den Tieren auch“, sagt Yazici.

Tierschutzverein will Zahl der Tauben besser kontrollieren

Tatsächlich will der Tierschutzverein die Zahl der Tauben in Hamburg nicht noch erhöhen. Im Gegenteil, die Vermehrung der Vögel soll unter Kontrolle gebracht werden. Die Federtiere sollen in dem „Luxus-Taubenschlag“, wie Yazici ihn nennt, ihre Eier legen. Dann tauschen die Tierschützer die echten Gelege durch Gipseier aus. Bernadette Patzak vom Tierschutzverein nennt das „Taubenmanagement“. Die Tauben werden gut versorgt. Sie bekommen Wasser und artgerechtes Futter. Auch ihr Kot sei dann nicht mehr so ätzend, meint Patzak.

Die Holzhütte in luftiger Höhe neben der Moschee-Kuppel und den beiden Minaretten hat 20 000 Euro gekostet. 6000 Euro übernimmt die Stadt, den Rest finanziert der Tierschutzverein über Spenden. Auch für die Betreuung der Tauben und die Reinigung des Holzstalls ist gesorgt. Die Stadt Hamburg gibt nach Angaben von Patzak jährlich 5000 Euro, wovon eine 450-Euro-Kraft bezahlt wird.

Ein erster Taubenschlag dieser Art ist in Hamburg schon in Betrieb: im sogenannten Mäuseturm des Hauptbahnhofs. Es habe allerdings Mühe gekostet, die Deutsche Bahn von dem Projekt zu überzeugen, sagt Patzak. Das Bahnhofsgebäude ist denkmalgeschützt. Zudem habe der Brandschutz beachtet werden müssen.

Der islamischen Gemeinde fiel die Entscheidung möglicherweise etwas leichter, weil ihre Moschee nicht unter Denkmalschutz steht. Dabei hat das Gebäude im ehemaligen Hammonia-Bad durchaus etwas zu bieten. Farbige Kacheln erinnern im Treppenhaus an den früheren Gebäudezweck. Die weißen Minarette mit dem grünen Wabenmuster sind nach Angaben von Yazicis Kollegen Sacit Dizman ein in Hamburg einmaliges Symbol, auch wenn nach der umstrittenen Bemalung vor einigen Jahren über „die hässlichsten Minarette der Welt“ gelästert worden sei.

Tauben würden von Muslimen geschätzt

Während vom nahen Mariendom Glockengeläut herüberschallt, erklärt Dizman, dass die Taube in der Symbolwelt des Islam keinen besonderen Platz einnehme. Allerdings kennt er die Erzählung, nach der der Prophet Mohammed einst vor seinen Häschern in ein Versteck bei Tauben flüchtete, die Vögel sich aber ruhig verhielten und ihn nicht verrieten. Tauben werden darum von Muslimen geschätzt. Dizman zeigt Bilder von historischen Moscheen in Istanbul, die an ihren Mauern über Behausungen für die Vögel verfügen.

Dizman und Yazici überhöhen das Taubenprojekt nicht, was angesichts der Symbolkraft des Tieres im Christentum nahe läge. Sie versprechen nur: „Wir werden das so artgerecht wie möglich machen.“ Damit dürften sie ganz praktisch viel für die Verständigung zwischen Muslimen und meist christlichen Tierschützern tun.