Hamburg

Ältester Sportverein HT16 feiert 200-jähriges Bestehen

Keine Saison ohne Badeausflug: Hier im Schwimm-Outfit von 1910

Keine Saison ohne Badeausflug: Hier im Schwimm-Outfit von 1910

Foto: Archiv Metelmann Photografie

Hamburger Turnerschaft von 1816 aus Hamm feiert in diesem Jahr Jubiläum. Die Anfänge waren vor allem von Improvisation geprägt.

Hamburg. Dort, wo alles begann, steht heute die Speicherstadt. Damals hatten hier, unweit der Arbeiter- und Handwerkerwohnungen auf dem Kehrwieder, vor allem Kaufleute und Bürger ihre Häuser. Einer von ihnen, der promovierte Rechtsanwalt und spätere Oberalten-Sekretär Ferdinand Beneke, gestattete es einer Gruppe junger Leute, in seinem Garten am Holländischen Brook einen kleinen Turnplatz mit Kletterstange, Reck und Barren aufzubauen. Das war 1815 – und der Startschuss für den Vereinssport in Deutschland.

Rund 90.000 Sportvereine (mit 27 Millionen Mitgliedschaften) gibt es inzwischen bundesweit, der älteste aber kommt aus Hamburg – auch wenn es darüber weiterhin Diskussionen gibt: die Hamburger Turnerschaft von 1816 aus Hamm, die HT16. Sie feiert dieses Jahr am 2. September ihr 200-jähriges Bestehen bei einem Senatsempfang.

Der ehemalige Direktor des Hamburger Sportamtes, der Sportsoziologe Prof. Hans-Jürgen Schulke, 70, hat aus diesem Anlass ein 320 Seiten starkes Buch herausgegeben: „Als Vereine in Bewegung kamen. Eine faszinierende Zeitreise durch den Sport“. Es sei eine lesenswerte, unterhaltsame Sammlung von Essays, gespickt mit Anekdoten und mit Hunderten historischen Abbildungen, urteilt der Hamburger Soziologe Dr. Markus Friederici, der das Buch für das Abendblatt rezensierte: „Und es eignet sich wunderbar zum Querlesen.“ Der Hamburger Fotograf Thomas Metelmann, 61, hat die Bilder gesammelt und zusammengestellt.

Die HT16 spielt in diesem Werk eine Hauptrolle, weil sie im Laufe von zwei Jahrhunderten Trends setzte und noch in den 1980er-Jahren mit mehr als 8000 Mitgliedern zu den fünf größten Clubs der Bundesrepublik zählte. Vereine waren in der deutschen Geschichte weit mehr als Sportgemeinschaften, sie waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts dank ihrer liberalen Organisationsform, dem Mitspracherecht aller so etwas wie die Keimzelle der hiesigen Demokratie, auch wenn diese sich in Deutschland lange Zeit schwertat. Und das bürgerliche Hamburg, das nie von einem Kaiser, König oder Kirchenfürsten regiert wurde, sich als freie (Hanse-)Stadt von niemandem bevormunden ließ, hat dieser Entwicklung entscheidende Impulse verliehen.

Den ersten Anstoß zu dieser Entwicklung hatte Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852) gegeben – an einem der heute lebendigsten Plätze Berlins. Dort, auf der 50 Hektar großen Hasenheide im Stadtteil Neukölln, befinden sich ein Freiluftkino, ein Tiergehege, eine Minigolfanlage, eine Hundewiese, mehrere Spielplätze, ein Kiosk, eine Sportfläche für Skateboarder, Rollhockey- und Basketballspieler. Die Freiflächen verführen zum Grillen, vor allem an den Wochenenden locken sie zahlreiche Freizeitkicker an.

Jahn würde dem munteren Treiben wahrscheinlich wohlwollend zu- und beim dortigen Drogenhandel wegschauen, hatte er doch genau das im Sinn, als er hier, in einem feudalen Jagdrevier, wo früher auf Hasen geschossen wurde, im Jahr 1811 seinen ersten Turnplatz schuf: dass sich die Jugend ungezwungen bewegt, dabei ihren Körper „frisch, fromm, fröhlich, frei“ (wehr)ertüchtigt. Und weil diese Idee zu einer globalen Massenbewegung wurde, haben Tausende Turnvereine aus Deutschland und dem Ausland Turnvater Jahn am Eingang zur Hasenheide ein Denkmal gesetzt.

Jahns Antrieb: Er will nach den Napoleonischen Kriegen Anfang des 19. Jahrhunderts und der

Besetzung des Landes 1806 durch französische Truppen ein wehrhaftes, vereintes Deutschland aus dem Flickenteppich von 39 Fürstentümern und vier freien Städten schaffen. Dass man seinem umtriebigen Wirken auch skeptisch gegenüberstehen kann, dazu gibt folgender Brief Anlass. Jahn schreibt am 24. August 1816 an den Pädagogen und Theologen Theodor Müller: „Und darauf verlaß Dich: So wird die preußische Landwehr noch nie geklopft haben, als im Gottesgericht wider Junker, Juden, Gauner, Gaukler und Garden. Gott verläßt keinen Deutschen.“ Kein Wunder also, dass die Nationalsozialisten ihn mehr als 100 Jahre später als einen der Ihren vereinnahmen. Ob Jahn, 1848 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, im heutigen Sinne wirklich ein Antisemit war, lässt Historiker streiten. Dass er viel für den Sport bewirkt hat, darüber herrscht Einigkeit.

Methodische Bewegungsformen sind keine Erfindung Jahns, die Tradition der Leibesübungen reicht bis zu den alten Griechen, die in Olympia auf der Halbinsel Peloponnes von 776 vor bis 393 nach Christus ihre Wettkämpfe austrugen. Dass ein gesunder Geist und ein gesunder Körper zusammengehören, erkannten dann nicht nur die Römer, die Philanthropen übernahmen diese Erkenntnis später in ihr pädagogisches Konzept, was vom 16. Jahrhundert an vor allem in den wenigen höheren Schulen umgesetzt wurde. In der Gelehrtenschule des Hamburger Johanneums stand Sport seit 1529 auf dem Stundenplan, in der Reformschule des Franz Heinrich Ziegenhagen in Billwerder wurde regelmäßig geschwommen und Gymnastik betrieben.

Weil der Schulsport aber bis heute nicht den Stellenwert erlangt hat, der ihm allein schon aus medizinischer Sicht gebührt, drohen in Deutschland die nächsten Generationen mit weiter explodierenden Gesundheitsausgaben zur Kasse gebeten zu werden.

Vor 200 Jahren geht es noch nicht um Kostendämpfung, vielmehr um militärische Kampfkraft. Die ist eines der Anliegen Jahns: Gut trainierte junge Männer sollten die Armee auffrischen. Für seinen Turnplatz auf der Hasenheide erfindet er Geräte wie das Reck, den Barren, Kästen und Pferde, Hindernisse, die sich Soldaten in Wald und Flur in ähnlicher Form entgegenstellen.

In Hamburg hat der Sport leichtes Spiel. Zwischen Dammtor und Steintor wird schon im 17. Jahrhundert leidenschaftlich Fußball gekickt, 1836 wird mit dem späteren Hamburger und Germania der zweite Ruderclub der Welt gegründet, 1844 findet die erste Ruderregatta auf dem europäischen Festland auf der Außenalster statt, die HT16 weiht 1849 die damals größte Turnhalle in Deutschland ein. Das Galopp-Derby in Horn wird seit 1869 gelaufen, zum Tennis am und um den Rothenbaum seit 1892 aufgeschlagen. Andere Traditionen sind weniger bekannt. Den Hamburger Schachklub von 1830, der älteste und heute größte Schachverein Deutschlands, gründen Kaufleute am Jungfernstieg. Der Wandsbeker Athleten Club von 1879 steht ebenfalls als Vorbild Pate. Er ist hierzulande der älteste Kraftsportverein. Die Entwicklung Hamburgs zu einer weltoffenen Metropole hat der Sport mit seiner integrativen Kraft und dem sozialen Engagement seiner Vereine und Bürger immer an vorderster Stelle begleitet.

Der Hamburger Sportbund zählte zum 31. Dezember 2015 fast 590.000 Mitgliedschaften in 817 Vereinen. Er ist die größte Personenorganisation der Stadt. Dazu kommen etwa 150.000 Mitglieder in Fitnessstudios und unzählige Hobbysportler, die an Alster und Elbe joggen, Rad fahren, skaten, in den Parks Fußball, Handball, Beachvolleyball spielen oder Spaß haben an Trendsportarten wie Parcours. In keiner deutschen Stadt sind mehr Menschen sportlich aktiv als in Hamburg.

Über die Anfänge informiert die Vereinszeitung der HT16: „So scharten im Sommer 1815 zwei aus Berlin stammende Auszubildende im Kaufmannsberuf, Wilhelm Benecke (17) und Karl Krutisch (19), in Hamburg einige Altersgenossen um sich, um das bei Jahn in der Hasenheide erprobte Turnen an ihrem neuen Lebensraum fortzusetzen.“ Dank der Großzügigkeit von Rechtsanwalt Beneke erhielten sie alsbald den Standort dafür am Holländischen Brook. Weiter berichtet der „HT16 Spiegel“: „Beneke hatte den Bankierssohn Wilhelm Benecke in seiner Familie aufgenommen, hatte 1810 Jahns ‚Deutsches Volkstum‘ gelesen und hegte angesichts der soeben im Frühling 1814 überstandenen Besatzung durch Napoleons Ausbeuter Sympathie für das Turnmotiv, auch wenn der Berliner Jahn ihm zu grob erschien. Ferdinand Beneke wollte die junge Generation für einen liberalen deutschen Gesamtstaat motivieren, sie an Körper und Gedanken dafür fit machen.“

Die neue Turnbewegung – ganz in der altruistischen Tradition der 1765 gegründeten Patriotischen Gesellschaft – findet schnell Zulauf, es bedarf alsbald eines größeren Platzes, um alle Geräte aufzustellen. Zwischenzeitlich kommt Wilhelm Benecke mit seinen mehr als 30 Mitturnern im Deutschen Lustgarten an der Fuhlentwiete unter, im Weißen Ross am Großneumarkt, im Winter im Englischen Reitstall am Gänsemarkt. Ideal sind diese Lösungen alle nicht. Im Sommer 1816 schaltet sich der dänische Husarenleutnant a. D. und Fechtlehrer Gotthard Nicolai aus dem dänisch regierten Altona in die Grundstückssuche ein, mietet vor der Stadt vor dem Brooktor auf dem Großen Grasbrook, dort, wo heute die HafenCity beginnt, eine ausreichend große Fläche. Seine „Turnanstalt“ für eingeschriebene Teilnehmer ist der erste kommerzielle Fitnessclub Hamburgs.

Die Stadt hat um diese Zeit rund 100.000 Einwohner. Nicolai bietet in sechs Sparten tägliche Übungsstunden vor- und nachmittags an, sogar Mädchenturnen, um eine möglichst breite Palette an Einnahmemöglichkeiten zu haben. Das wohlhabende Hamburg scheint ihm das richtige Pflaster für seine Ideen zu sein. Doch Nicolai scheitert wie schon zuvor in Altona – vor allem an seinem militärischen Kommandoton. Die Mitglieder laufen ihm weg und dem eher am sozialen Miteinander orientierten Wilhelm Benecke zu. Dennoch gilt der 2. September 1816, der Tag der offiziellen Eröffnung der Turnanstalt, als Gründungsdatum der HT16.

Über den weiteren Fortgang schreibt der „HT16 Spiegel“: „Im Januar 1818 schuf Benecke klare Verhältnisse, wandelte den Erwerbsbetrieb in eine gemeinnützige Gesellschaft, fand Nicolai für seine Vorleistungen ab, übernahm die Mietverträge von Turngarten und Turnboden, auch den Turn-, Fecht- und Schwimmlehrer Lampe für die Kinder. Er benannte die Anstalt um in Hamburger Turnplatz, regelte die Turnzeiten bedarfsgerecht, senkte die Beiträge und gab dem Gebilde eine innere Ordnung nach Jahns Vorschlag. Seitdem hat der Hamburger Turnplatz einen gewählten Sprecher, den Turnwart, qualifizierte Vorstandsmitglieder, die Vorturner und aus dem Kreis der Turner einen gewählten Säckelmeister, Gerätewart und Schreiber.“ Diese Struktur hat sich in vielen Vereinen bis heute bewährt.

Mithilfe seines Gastgebers findet Wilhelm Benecke im Januar 1817 in der Kirche des Johannisklosters in der Stadtmitte ein wetterfestes Zuhause für seine Turnbewegung. Seit der Befreiung Hamburgs im Frühjahr 1814 steht das entweihte Gotteshaus leer, die Franzosen hatten hier ihre Pferde untergestellt und zur Lagerung von Heu und Munition einen Boden in das Kirchenschiff eingezogen. Elf Jahre nutzen die Turner die Räumlichkeiten, bis das Gebäude abgerissen wird.

Vereine sind eine relativ junge soziale Organisationsform, schreibt Soziologe Schulke. Das Allgemeine Landrecht in Preußen von 1794 kennt Gemeinschaften, aber noch keine Vereine. Der Begriff wird sich erst in den nächsten 60 Jahren durchsetzen. Vereine tragen für die damalige Zeiten revolutionäre Züge. Sie sind daher unerwünscht, in Preußen werden sie sogar verboten. Im freien Hamburg orientiert sich kaum jemand an diesem Erlass. Was Vereine für die Obrigkeit so gefährlich erscheinen lässt, erklärt Schulke so: „Unbesehen von Familie, Zunft, Stand, Religion, Geschlecht, Einkünften und Wohnort konnten sich hier jeder und jede zueinandergesellen, wo es ein gemeinsames Interesse gab. Der Eintritt und das Verlassen dieser Gemeinschaft waren offen, jeder durfte gleichberechtigt über die Vereinsangelegenheiten mitbestimmen. Die Entscheidungswege waren transparent und die Ergebnisse öffentlich. Mehr Demokratie geht nicht.“ Wissenschaftler würden das 19. Jahrhundert deshalb das der Vereine nennen.

Das Verhältnis der herrschenden Klasse zum Vereinswesen ändert sich gegen Ende des Jahrhunderts. Kaiser Wilhelm II. lehnt Vereine zunächst strikt ab, weil er fürchtet, nicht kon­trollieren zu können, was in den Hinterzimmern geschieht. Später erkennt Wilhelm II. deren Bedeutung als Ventil. Die Leute treffen sich, meckern, fluchen über bestehende Verhältnisse und gehen anschließend wieder ihrer Arbeit nach. Der Druck weicht aus dem Kessel. Sport- und Gesangsvereine dienten damit in Wilhelms Wahrnehmung unwissentlich der „Revolutionsprophylaxe“, meint der Gesellschaftswissenschaftler Friederici.

Freizeit- und Wettkampfsport sind fast 100 Jahre lang Gegensätze. Sportliche Wettkämpfe, schreibt Schulke, erdachten die Engländer „als spannungsvolle Unterhaltung für wohlhabende Gentlemen, die auf das Ergebnis wetteten“. Dadurch entsteht der Begriff Wettkampfsport. Politische Ziele verfolgt damit zunächst niemand. „Es ging darum, in mehr oder weniger exklusiven Clubs unterhaltsam die Zeit zu verbringen und zugleich die jungen Eliten Fitness und Ehrgeiz zu lehren.“

Die deutschen Turnvereine haben dagegen anderes im Sinn: die nationale Einigung und die demokratische Mitgestaltung des Staatswesen. Beides gibt es im Königreich Großbritannien zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits.

Die HT16 öffnet sich erst allmählich dem Wettkampfsport, noch 1853 beschließt der Verein, kein Wettturnen durchzuführen. Auch als neue Sportarten wie die leichte Athletik, Fuß- und Faustball integriert werden, bleibt für Traditionalisten ein harter Torschuss widerwärtig, beim Faustball liegt die Schönheit des Spiels im passgenauen Zuspielen des Balls zum Gegner. Das wird von Kampfrichtern bewertet.

Seine größte Krise durchlebt das Vereinswesen in den zwölf Jahren des Dritten Reichs (1933–1945). Das Führerprinzip wird den Clubs aufgezwungen, Parteimitglieder der Nationalsozialisten übernehmen die Vorstände, alle Ämter werden mit Gleichgesinnten besetzt. Widerstand regt sich kaum. Allein Teile der Arbeitersportbewegung, die schon in den 60 Jahren zuvor zahlreichen Repressalien ausgesetzt war, bieten dem Naziterror die Stirn, die Gleichschaltung des Sports können auch sie nicht aufhalten. Schulke: „Dem totalitären Anspruch eines skrupellosen Regimes waren die bürgerlichen Turnvereine wie auch die international agierenden Sportvereine unvorbereitet ausgesetzt. Ja, sie schienen es zunächst nicht einmal zu bemerken.“

Die HT16 eröffnet 1987 Deutschlands erstes vereinseigenes Fitnessstudio

Die Aufarbeitung dieser Zeit haben bisher nur wenige Clubs geleistet – die HT16 gehört nicht dazu. Der HSV benötigt mehr als ein halbes Jahrhundert, um seine Geschichte während der Naziherrschaft zu dokumentieren. Die TSG Bergedorf von 1860 blendet in ihrer Broschüre zum 150-jährigen Bestehen die dunklen Jahre aus, der Harvestehuder Tennis- und Hockeyclub erwähnt den Umbruch auf neun Zeilen: Tenor: Die Vereinsführung habe gewechselt. Es gibt jedoch Gegenbeispiele: den Altonaer Turnverband von 1845, den FC St. Pauli von 1910 und – vorbildlich – den Eimsbütteler Turnverband (ETV) von 1889, der den kritischen Teil seiner Geschichte von Hamburger Historikern aufarbeiten und danach vor seinem Vereinsheim an der Bundesstraße 96 Stelen für Mitglieder errichten lässt, die während der Naziherrschaft ermordet wurden.

„An Aufklärung waren nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute die wenigsten interessiert, weil es in vielen gesellschaftlichen Bereichen, nicht nur im Sport, ungebrochene Traditionslinien und Kontinuitäten beim Personal gab. Zugespitzt kann man behaupten: Ein Großteil derjenigen, die Deutschland zerstört haben, hat es auch wieder aufgebaut“, sagt der Geschichtswissenschaftler Sven Fritz.

Aufsehen erregen beim ETV die vier Symbole an der Fassade des Sportzentrums. Weil das Gebäude am 1. April 1910 eingeweiht wurde, hält der ETV diese Darstellungen, die dem Hakenkreuz ähneln, lange für unpolitische Turnerkreuze. Die verkeilten Buchstaben „F“ stünden für das Motto „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ der von Jahn begründeten deutschen Turnerbewegung. Anstößig sind sie dennoch. Zum politischen Wahrzeichen wird diese Form des Turnerkreuzes 1889. Der antisemitische österreichische Deutsche Turnerbund, eine Abspaltung der Deutschen Turnerschaft, hat sie zum Bundeszeichen erhoben, gerade wegen der Ähnlichkeit zum Hakenkreuz.

Nach 1945 fasst zunächst der Wettkampfsport in Deutschland wieder Fuß. Die gesundheitlichen Segnungen von Bewegung werden da als selbstverständlich angesehen, erst 40 Jahre später entwickelt sich daraus ein Konzept, das den Vereinen und Verbänden neue Zielgruppen erschließt. 1987 eröffnet die HT16 als erster gemeinnütziger Sportverein Deutschlands ein eigenes Fitnessstudio. Allein in Hamburg gibt es bis heute 30 Nachahmer. Der Verband für Turnen und Freizeit (VTF) wird dadurch mit mehr als 160.000 Mitgliedern zum größten der Stadt.

Hier schließt sich laut Schulke der Kreis zu den Anfängen der Turnbewegung: „Eine große Fläche mit vielfältigen Turngeräten, individuelle Auswahl der Geräte, bei Bedarf Anleitung durch Vorturner, spezielle Kleidung und gesunde Ernährung – alles Elemente auf der Hasenheide wie in den heutigen Studios.“ Der anfängliche Erfolg macht die HT16 unvorsichtig. Der Verein versäumt es, Rücklagen für Instandhaltung und Modernisierung zu bilden, baut aber in Öjendorf ein neues Sportzentrum – und geht daran fast pleite, weil vor allem in Hamm mehr als 1000 Mitglieder zum benachbarten Billiganbieter Sportspaß wechseln.

Seit 2013 steigen die Mitgliederzahlen wieder auf heute 5000, und der große Wurf, diesmal kühl kalkuliert steht erst noch bevor. Von Juli an entsteht auf dem Gelände am Sievekingdamm ein neues Sport- und Freizeitzentrum (siehe Artikel rechts). Das sollte dem ältesten Turnverein der Welt die nähere Zukunft sichern.

„Als Vereine in Bewegung kamen. Eine faszinierende Zeitreise durch den Sport“. Herausgeber Hans-Jürgen Schulke, weitere Autoren Bernd Lange-Beck, Werner Langmaack, Thomas Metelmann, Jürgen Reip, Paul-Gerhard Wienberg-Schaper, Helga Treeß. Verlag Die Werkstatt, Göttingen. Preis 34,90 Euro