Golden Pudel Club

Zukunft des Kult-Clubs: Neuer Bezirkschef legt sich fest

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Christoph Heinemann und Daniel Schaefer
Ein bitterer Anblick am Sonntag. 54 Feuerwehrleute haben bis zum Vormittag den Brand bekämpft

Ein bitterer Anblick am Sonntag. 54 Feuerwehrleute haben bis zum Vormittag den Brand bekämpft

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Am Sonntagmorgen war das Gebäude nahe dem St. Pauli Fischmarkt in Flammen aufgegangen. Die Polizei geht von schwerer Brandstiftung aus.

St. Pauli. Die letzten Feuerwehrleute ziehen am Sonntag um 11.15 Uhr ab, zurück bleibt eine Ruine. Die Dachbalken des Golden Pudel Clubs nahe dem St. Pauli Fischmarkt liegen frei, die Dämmwolle wölbt sich halb verschmort, auf der Terrasse liegt pechschwarzer Unrat. Binnen einer Stunde brannte das legendäre Kulturzentrum in der Nacht fast vollständig aus – wenige Wochen vor der geplanten Zwangsversteigerung. „Wir gehen von schwerer Brandstiftung aus“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Gegen 3.04 Uhr bemerkten zwei Polizeibeamte in einem Streifenwagen das Feuer auf der Terrasse des Nachtclubs. Anwohner wollen auch einen Knall gehört haben. Offenbar war zunächst ein Schuppen in Brand geraten, in dem sonst ein Pfandsammler geschlafen haben soll. Daneben haben mehrere Obdachlose ihre Zelte aufgebaut. Minuten nachdem der Brand ausgebrochen ist, greifen die Flammen auf das Dach des Clubs über, in dessen Erdgeschoss 150 Menschen feiern.

Das Gebäude wird sofort evakuiert, Feuerwehr rückt mit einem Großaufgebot an. Bis zum Morgen sind 54 Feuerwehrleute im Einsatz. Über zwei Drehleitern nähern sie sich dem in Flammen stehenden Dach, leiten über fünf Rohre Wasser und Schaum in das Gebäude.

„Alle Personen haben das Gebäude geordnet selbst verlassen“, sagt ein Feuerwehrsprecher, die Beamten tragen nur die zurückgelassenen Jacken ins Freie. Die Polizei muss Männer zurückhalten, die ihre Habseligkeiten von der Terrasse retten wollen. Verletzt wird niemand.

Bis zum Sonntagvormittag bekämpfen Feuerwehrleute die verbliebenen Glutnester. Der Golden Pudel Club ist nahezu zerstört, der Dachstuhl teilweise einsturzgefährdet. Durch das Löschwasser hat auch die Bausubstanz im Erdgeschoss, die ohnehin geschwächt war, weiteren Schaden genommen. „Wir haben das Bauprüfamt eingeschaltet, um eine mögliche Einsturzgefahr zu prüfen“, sagt ein Feuerwehrsprecher. Das Ausmaß des Schadens ist bis zum Sonntagabend noch unklar. „Wir haben noch keine Fakten, keine Ahnung, keine Idee, ob es noch irgendwie weitergehen kann“, sagt der Künstler und Schauspieler Rocko Schamoni, der den Club im Erdgeschoss betreibt, dem Abendblatt.

Kein Brandbeschleuniger gefunden, aber eindeutige Hinweise

Noch am Sonntagvormittag nehmen Brandermittler der Kriminalpolizei ihre Arbeit auf, suchen mit Taschenlampen zwischen den Überresten nach Spuren und sichern Brandfragmente. Die Beamten finden keinen Brandbeschleuniger, aber eindeutige Hinweise auf ein bewusst gelegtes Feuer. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt Polizeisprecher Andreas Schöpflin.

Der Zeitpunkt des Feuers sorgte schon unmittelbar nach Bekanntwerden am Sonntagmorgen für Verwunderung. Wie berichtet soll die Immobilie nach anhaltendem Streit der Eigentümer Rocko Schamoni (Studio Braun) und Wolf Richter am 20. April vor dem Amtsgericht Altona zwangsversteigert werden. Die Aktiven aus dem Umfeld des Golden Pudels hatten daraufhin vergangene Woche angekündigt, für die Zukunft der Immobilie zu kämpfen. Angeblich, so der Plan, soll das Gebäude in eine Stiftung übergehen.

An Spekulationen in sozialen Netzwerken, der Brand könne mit Blick auf die Versicherung des Gebäudes gelegt worden sein, wollten sich gestern weder die Eigentümer noch die Polizei beteiligen. „Wir können uns nur auf die Polizei verlassen, alles genau aufzuklären“, sagt Rocko Schamoni. Aus dem Präsidium heißt es, für Auskünfte über das mögliche Motiv sei es zu früh. Sollte sich der Verdacht der Brandstiftung erhärten, wäre ein Versicherungsfall ohnehin nicht mehr garantiert.

Für die Unterstützer des Clubs, der bundesweit den Kultstatus als Mutterschiff der Hamburger Subkultur genießt, ist der Brand eine Katastrophe. „Wir sind völlig fassungslos“, sagte die sichtlich bewegte Aktivistin Christiane Hollander, die mit mehreren Mitstreitern am Vormittag herbeigeeilt ist, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. „Es ist ein Schock, ähnlich wie in der Nacht, als die Esso-Häuser wegen Einsturzgefahr evakuiert wurden.“

In Facebook-Gruppen wurde bereits dazu aufgerufen, den zerstörten Club in ehrenamtlicher Arbeit wieder aufzubauen. Die Zwangsversteigerung wird offenbar wie geplant stattfinden. Die Politik im Bezirk Mitte unterstützt die Aktivisten in dem Bestreben, nahe dem Fischmarkt ein Zentrum der Off-Szene zu betreiben. „Ich kann mir für die Fläche keine andere Nutzung vorstellen“, sagt der designierte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD). Der Kampfeswille der „Pudel“-Anhänger habe durch den Brand nicht gelitten, sagt die Aktivistin Hollander. „Wenn der Schock vorbei ist, wird in die Hände gespuckt.“