Attacke am Jungfernstieg

Radfahrer verprügelt: Zeugen belasten Rotlichtgröße Omid A.

Der Angeklagte Omid A. bei einer Verhaftung im Jahr 2007

Der Angeklagte Omid A. bei einer Verhaftung im Jahr 2007

Foto: Michael Arning / HA

Jan A. haut auf ein am Jungfernstieg parkendes Auto - und wird von den Insassen zusammengeschlagen. Jetzt ist der Fall vor Gericht.

Hamburg.  Der bullige Mann, der am Dienstag unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung vor der Amtsrichterin steht, ist in Polizei- und Justizkreisen wohl bekannt: Omid A., er gilt im Rotlicht als Mann fürs Grobe. Der 39-Jährige mit dem schrankbreiten Kreuz hat eine beachtliche Vorstrafenliste: 2007 schoss er einem Rocker der Hells Angels im Eros Laufhaus in die Wade. Bei einem Rache-Attentat kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 2010 verfehlte ihn am Rückersweg eine Kugel knapp. Höhnischer Kommentar des Zeugen Omid A. im Prozess gegen den Schützen: In Hamburg schießen sie immer daneben.

Dass sich die Wege der abgebrühten Halbweltgestalt und des braven kaufmännischen Angestellten Jan A. vor knapp zwei Jahren am Jungfernstieg kreuzten, ist hingegen einer Petitesse geschuldet.

Plötzlich bekam er einen Schlag

Jan A. fuhr am 13. April 2014 mit dem Fahrrad den Jungfernstieg hoch in Richtung Gänsemarkt. Auf Höhe des Restaurants Alex brachte ihn ein quer auf dem Radstreifen und dem Fußweg geparkter silberner C-Klasse-Mercedes in Rage. „Darüber war ich so verärgert, dass ich mit der Hand auf’s Dach gehauen habe“, sagt Jan A. Als er weiterfuhr, sah er aus den Augenwinkeln, wie sich ihm ein silberner Mercedes näherte, mehrere Personen ausstiegen und auf ihn zuhielten.

„Plötzlich habe ich einen Schlag von der Seite bekommen“, da sei kurz alles schwarz geworden. Als er das Bewusstsein wieder erlangt habe, habe er sich an einem Auto kauernd vorgefunden. „Vor mir sah ich jemanden, einen großen, starken Mann, der hüpfte und sprang vor mir herum und drohte: Wenn du das noch einmal mit meinem Auto machst, bringe ich dich um.“

Beweismittel in die Alster geworfen

Später stellte sich allerdings heraus, dass das Auto auf den Namen von Omid A. nur gemietet war. Bevor die Männer in dem Mercedes flüchteten, entriss einer von ihnen der Zeugin Stefanie B. das Handy. Mit der Kamera hatte die 32-Jährige Teile des Tatgeschehens festgehalten. Der Mann, bei dem es sich laut Anklage ebenfalls um Omid A. handeln soll, schmiss das Gerät in die Binnenalster, um Beweismittel zu vernichten. Genützt hat die Aktion jedoch nicht viel, denn die Polizei konnte das Handy bergen und die Fotos teilweise rekonstruieren.

Jan A. erlitt eine Platzwunde und großflächige Hämatome im Gesicht. Von den vier Angreifern, die den am Boden liegenden 51-Jährigen auch getreten haben sollen, ist nur Omid A. von Zeugen identifiziert worden. Dem schweigenden Angeklagten die konkreten Tathandlungen nachzuweisen, dürfte dem Gericht nicht leicht fallen – auch weil nach all der Zeit die Erinnerungen der Zeugen teils verblasst sind.

Zeuge hat den entscheidenen Schlag nicht gesehen

Gerhard H. etwa weiß zwar genau, wie die Situation eskalierte. Wie der silberne Mercedes den Radfahrer verfolgte, „vier Typen“ schreiend aus dem Auto sprangen, auf Jan A. zueilten und „völlig außer sich“ waren, als sie ihn zusammenschlugen. Lebensgefährliche Verletzungen befürchtend, habe er sich eingemischt mit den Worten „Lasst den Mann in Ruhe, der hat euch nix getan“. Dabei habe ihm einer der unbekannt gebliebenen Angreifer gegen die Schläfe geschlagen, der Angeklagte sei weiter sehr aufgebracht gewesen und habe in bedrohlicher Manier über Jan A. gestanden und herumgeschrien. Doch den Schlag, mit dem Omid A. das Opfer vom Rad geholt haben soll, habe er nicht gesehen. Auch andere Zeugen hatten den entscheidenden Angriff offenbar nicht genau beobachtet.

Für den Angeklagten steht viel auf dem Spiel

Auf diese Unschärfe ist die Verteidigung von Omid A. strategisch ausgerichtet, letztlich geht es für sie um Einstellung oder Freispruch. Denn für die Rotlichgröße steht viel auf dem Spiel: Nach Abendblatt-Informationen droht Omid A. im Falle einer Verurteilung der Widerruf einer Bewährung – und damit eine erneute Gefängnisstrafe. Der Prozess wird am 22. Februar fortgesetzt.