Hamburger Innenstadt

Parkhaus für Hunderte Fahrräder am Hauptbahnhof geplant

Fahrräder vor dem Hauptbahnhof: An einem Tag zählten die Autoren einer Machbarkeitsstudie dort 766 teils sehr wild abgestellte Räder

Fahrräder vor dem Hauptbahnhof: An einem Tag zählten die Autoren einer Machbarkeitsstudie dort 766 teils sehr wild abgestellte Räder

Foto: Roland Magunia / HA

SPD und Grüne planen das Gebäude mit Werkstatt und Verleihstation. Bis zum Umbau der Haltestelle soll es ein Provisorium geben.

Altstadt. Es gibt am Hauptbahnhof schon Parkplätze für Autos, Taxistände und eine Gepäckaufbewahrung. Doch geordnete und gesicherte Abstellflächen für Fahrräder gibt es nicht, was der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) seit Jahren schon kritisiert. Wer mit dem Rad kommt, kann es bestenfalls an einem Geländer abschließen. Ein idealer Schutz vor Diebstahl und Witterung ist da kaum möglich.

Das soll sich in naher Zukunft ändern: Am Hamburger Hauptbahnhof soll ein großes Fahrrad-Parkhaus samt Werkstatt und Verleihservice gebaut werden. Dazu haben die beiden Regierungsfraktionen in Hamburg, SPD und Grüne, jetzt einen umfangreichen Antrag für die kommende Sitzung der Bürgerschaft auf den Weg gebracht. Vorbild sind vergleichbare Gebäude in Münster und Bremen, heißt es in dem Antrag. Die Behörden werden darin aufgefordert, rund um den Bahnhof einen geeigneten Standort zu ermitteln, einen möglichen Betreiber zu suchen und einen Zeitplan zu erstellen.

Grundlage der Planung soll dem Antrag zufolge eine bereits vorhandene Machbarkeitsstudie des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) sein, die kürzlich einen Bedarf von gut 700 geschützten Radstellplätzen am Hauptbahnhof ermittelt hatte. Zwischen 760.000 und 1,7 Millionen Euro könnte laut Studie ein solches Parkhaus kosten – je nach Größe und Angebot. Mögliche jährliche Betriebskosten lägen laut Studie zwischen 49.000 und 122.000 Euro, was einen Zuschuss von bis zu 67.000 Euro pro Jahr erfordere.

Vorher müssen andere Probleme gelöst werden

„Wir wollen den reibungslosen Wechsel von einem Verkehrsmittel auf das andere mit guten Angeboten fördern“, sagt der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete und Radfahrexperte seiner Fraktion, Lars Pochnicht. Ähnlich sieht es der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Martin Bill: „Erfolgreiche Beispiele aus Münster und Bremen wie auch die Machbarkeitsstudie zeigen, dass es eine große Nachfrage gibt.“

Allerdings dürften bis zum Bau eines solchen Fahrrad-Parkhauses noch einige Jahre vergehen, weil am Hauptbahnhof noch ganz andere Pro­bleme gelöst werden müssen. Wegen der Überlastung des Bahnhofs prüfen Stadt und Bahn derzeit einen Umbau mit zusätzlichen Zugangsmöglichkeiten zu den Bahnsteigen. Täglich mehr als eine halbe Million Besucher werden in dem Gebäude registriert, gut 50.000 mehr als noch vor einigen Jahren. Erwogen wird dabei unter anderem die Öffnung der Süd-Fassade, um dort einen neuen und zusätzlichen Eingang zu schaffen. Dazu müsste aber der Autoverkehr von der Steintorbrücke verschwinden. Ein Gutachterbüro soll jetzt untersuchen, wie das Umfeld des Bahnhofs umgebaut werden müsste.

„Es erscheint sinnvoll zur Veränderung des Hauptbahnhofs, jetzt auch verlässlich die Realisierung einer Fahrradstation aufzunehmen“, heißt es daher in dem aktuellen Antrag für ein Fahrrad-Parkhaus. Mit anderen Worten: Bei der Umplanung soll der Bau eines Fahrrad-Parkhauses gleich mitbedacht werden. Weil man zum jetzigen Zeitpunkt aber eine mögliche Realisierung noch nicht abschätzen könne, soll nach dem Willen der Senatsfraktionen die Situation für Radfahrer am Hauptbahnhof schon jetzt verbessert werden: Als eine „Zwischenlösung“ sollen daher in absehbarer Zeit am Nordwest-Parkplatz gegenüber der Spitalerstraße (Altstadt) oder aber auch am Heidi-Kabel-Platz auf der anderen Seite des Bahnhofs in St. Georg überdachte und geschützte Mietparkplätze für Fahrräder gebaut werden.

Mietpreis bei bei sieben Euro pro Monat?

Man sehe dies als „kurzfristige Übergangslösung, bevor dort eine vollwertige Fahrradstation in Betrieb gehen kann“, sagt SPD-Politiker Pochnicht. Für die Machbarkeitsstudie wurden rund um den Hauptbahnhof abgestellte Räder gezählt und Radfahrer befragt. Mehr als 766 – teils sehr wild – abgestellte Räder seien demnach an einem Tag gezählt worden. Etwa die Hälfte war dort mehr als vier Stunden lang geparkt und von Berufspendlern oder Studenten dort abgestellt, heißt es in der Studie.

Ein Fahrrad-Parkhaus müsste daher rund 700 Plätze haben, ein bei Radfahrer allgemein akzeptierter Mietpreis liege bei rund sieben Euro pro Monat. Als Betreiber kämen Fahrradhändler, aber auch gemeinnützige Träger in Betracht. Vielleicht könnte auch die Bahnhofsmission ein solches Fahrradhaus betreiben, schlagen SPD und Grüne vor.

Für die Machbarkeitsstudie wurden zudem mehrere mögliche Stand­orte rund um das Bahnhofsgebäude untersucht. Ein ebenerdiger Zugang und eine gute Sichtbarkeit waren wesentliche Kriterien dabei. Im Ergebnis kommt die Studie zu dem Schluss, dass der Nordwest-Parkplatz am geeignetsten wäre. Zweitbester Standort laut Studie wäre der Heidi-Kabel-Platz.