50 Jahre Gruner + Jahr

Digitale Medien: Olaf Scholz warnt vor "falscher Romantik"

500 Gästen aus Medien, Politik, und Showgeschäft kamen zum Senatsempfang ins Rathaus. Verlag spendet 2000 Decken für Flüchtlinge.

Hamburg. Angesichts fortschreitender Digitalisierung sämtlicher Informations- und Kommunikationsprozesse hat Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) vor „falscher Romantik“ gewarnt. Es nütze nichts, sich „gegen technologische Zwangsläufigkeiten zu stemmen“, sagte Scholz am Mittwochabend bei einem Senatsempfang zum 50. Geburtstag des Hamburger Verlages Gruner + Jahr.

Es sei fest davon auszugehen, dass Computer alles erledigen würden, was sie erledigen könnten. Entscheidend sei, präzise zu erkennen, „wo die Maschinen an ihre Grenzen stoßen“, sagte er. Anstelle von Geschenken für die Gäste spendete Gruner + Jahr 2000 Decken für Flüchtlinge.

Journalismus bleibt "im Kern derselbe"

Scholz bezeichnete es als eine der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben, den Unterschied zu markieren, wo die menschliche Vernunft der digitalen Binärlogik stets überlegen sei. Die Verlags- und Medienbranche habe diesbezüglich einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung, von dem alle lernen könnten, sagte Scholz vor rund 500 Gästen aus Medien, Politik, Wirtschaft und Showgeschäft im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses.

Trotz aller technischen Veränderungen bleibe der Journalismus „im Kern derselbe“, so der Bürgermeister weiter. Immer gehe es um „das Wissen um Zusammenhänge“ sowie darum, aus der unüberschaubaren Vielfalt „das Wichtige und Wesentliche herauszudestillieren“. Erst durch journalistisches Handwerk entstehe aus der Vielzahl an Meinungsbeiträgen eine öffentliche Meinung und Orientierung.

An eine solche Leistung dürfe man auch ein Preisschild hängen: Journalismus habe „auch einen monetären Wert, den wir gesellschaftlich verteidigen müssen“, sagte Scholz. Im Dialog über die Entwicklung der Medien gehe es daher vordringlich um „eine Medienordnung, in der nicht mehr in erster Linie der Verbreitungsweg ausschlaggebend ist, sondern vielmehr die gesellschaftliche Leistung des Inhalts“.