Sanierte Häuser

Zeichen auf Versöhnung: Feiertage im Gängeviertel

Gängeviertel-Sprecherin Christine Ebeling (l.), Juliane Kruppke und Till Haupt

Gängeviertel-Sprecherin Christine Ebeling (l.), Juliane Kruppke und Till Haupt

Foto: Andreas Laible

Mietverträge mit der Stadt sind unterschriftsreif. Teilsanierung läuft, doch Planung stockt. Jubiläumsfest am Wochenende.

Neustadt.  Nach monatelangem Streit zwischen den Bewohnern des Gängeviertels und der Stadt stehen die Zeichen jetzt auf Versöhnung. Wie Till Haupt, einer der Vorstände der Gängeviertel Genossenschaft, am Freitag mitteilte, lägen die lange umkämpften General-Verwaltungsverträge nun unterschriftsreif vor. Das bedeutet, dass die Genossenschaft von September an mit der Selbstverwaltung der ersten sanierten Häuser an der Caffamacherreihe beginnen könne. „Ich bin da optimistisch“, sagte Haupt auf Nachfrage.

Hans Joachim Rösner von der städtischen Steg (Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft) bestätigte dies gegenüber dem Abendblatt. Die Stadt sei der Bewohner-Initiative zu mehr als 90 Prozent entgegengekommen, das sei ein „ganz erheblicher Vertrauensvorschuss“.

Wie berichtet, war es nach wochenlangen Streitigkeiten im Februar zu einem Planungsstopp gekommen, wodurch die langfristige Sanierung völlig neu verhandelt werden muss. Damals hatte die Stadtentwicklungsbehörde der Initiative eine Stellungnahme vorgelegt, wonach die genossenschaftliche Bindung ausgeschlossen sei. Diese ist für die Initiative aber unverzichtbarer Teil der Selbstverwaltung.

Auch die nun anstehende Unterzeichnung der Mietverträge ändert an dem Planungsstopp nichts. Wie berichtet, beschäftigen sich zurzeit drei Arbeitsgemeinschaften mit den strittigen Punkten. Erst wenn alle Ergebnisse vorliegen und abgearbeitet sind, könne die Planung gegebenenfalls fortgesetzt werden, hieß es am Freitag.

Gegenüber der Stadt findet der Genossenschaftsvorstand jetzt milde Töne. Es habe zwar einen Vertrauensverlust gegeben, aber das Gegeneinander sei letztlich kontraproduktiv gewesen. „Die Stadt ist offenbar lernfähig“, sagte Michael Ziehl vom Aufsichtsrat.

Außerdem sei die Verwaltung offenkundig überlastet. Und Gängeviertel-Sprecherin Christine Ebeling gab zu bedenken, dass der aktuelle rot-grüne Senat sich ja auch erst in die Thematik einarbeiten müsse. Die Genossenschaft selbst wolle ihren Teil dazu beitragen.

Inzwischen habe man 700 Genossen. In der Kasse seien 400.000 Euro. Man sei bereit, wesentlich mehr Eigenleistungen bei der Sanierung und dem Ausbau zu erbringen. Die Verwaltung reagiere aber entweder sehr langsam oder baue hohe Hürden auf. Zudem habe die Stadt Fördergelder aus mehreren Töpfen beantragt. Die Bedingungen – etwa für die Wärmedämmung – würden aber oft den Belangen des Denkmalschutzes entgegenstehen.

Ein nach wie vor brisanter Streitpunkt ist der Status der „Fabrique“ auf dem Gelände. Die ehemalige Gürtel- und Schnallenfabrik wird gerade modernisiert und zu einem soziokulturellen Zentrum umgebaut. Wie die Initiative mitteilte, soll das dann sanierte Gebäude schon Ende September wieder eröffnet werden, allerdings ohne dass Planungs- und Finanzsicherheit bestehen. Angestrebt wird eine mietfreie Lösung für das Gebäude. Gleichwohl wird es laut Christine Ebeling wohl schon Anfang Oktober in dem Gebäude Angebote für die Öffentlichkeit geben. Neben einer Bühne, einer Bar und einer Küche können dann sogar Kurse belegt werden, darunter Tanz- und Entspannungskurse. Trotz des bestehenden Planungsstopps wird derzeit auf Basis der alten Planung, die schon vor dem Stopp abgenickt worden war, an dem historischen Häuserensemble weitergearbeitet. Die beiden an der Caffamacherreihe stehenden Altbauten sind fast fertig saniert; der Hof der dahinter liegenden Kutscherhäuser wurde erst am Freitag mit Hochdruck fertiggestellt. Anlass ist das sechsjährige Bestehen des Gängeviertels, beziehungsweise der Beginn der Besetzung im August 2009, aus der sich die jetzige Wohnform entwickelte. Rund 20 Millionen Euro lässt sich die Stadt die Sanierung der maroden Gebäude kosten.

An diesem Wochenende können viele Teile des Areals besichtigt werden, unter anderem gibt es Präsentationen, Konzerte und Lesungen, verteilt auf fünf Gebäude.

Der sechste Geburtstag

Programm:

Sa 13–1 Uhr, So 12–22 Uhr, Internet:

http://das-gaengeviertel.info

So kommen Sie hin:

Mit Bus oder Bahn (U 2) zum Gänsemarkt, Ausgang Valentinskamp/Caffamacherreihe