Gleichstellung

Homo-Ampel ist das Lieblingsprojekt von Rot-Grün

Diese „Vielfaltampeln“, so der offizielle Begriff, zeigen Schwule und lesbische Pärchen. Sie sollen Signal für mehr Toleranz, Offenheit und Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe in der Stadt sein

Diese „Vielfaltampeln“, so der offizielle Begriff, zeigen Schwule und lesbische Pärchen. Sie sollen Signal für mehr Toleranz, Offenheit und Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe in der Stadt sein

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Hamburgs erste Ampelanlage mit schwul-lesbischen Ampelpärchen in St. Georg. Senatorin Fegebank: „Für mehr Toleranz“.

St. Georg.  Es kommt selten vor, dass sich zwei Senatoren Zeit für einen gemeinsamen Termin nehmen. Wenn sie es tun, dann ist der Grund meist von stadtweiter Bedeutung. Am gestrigen Montag präsentierten Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) und Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) an der Langen Reihe/Ecke Kirchenallee Hamburgs ersten beiden Verkehrsampeln mit schwulen und lesbischen Ampelpärchen.

Inwieweit das Auswirkungen auf die Stadt hat, wird sich noch zeigen. Der Grund dafür, dass gleich zwei Senatsmitglieder am Vormittag nach St. Georg kamen, war jedenfalls ganz profan: Fegebank hatte die Idee und Horchs Behörde hat die Idee genehmigt. „Die neuen Ampelpärchen sind ein Signal für mehr Toleranz, Offenheit und Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe in unserer Stadt“, sagte Fegebank, nachdem die sogenannten Streuscheiben mit den herkömmlichen Ampelmännchen gegen die mit männlichen und weiblichen Paaren ausgetauscht wurden. Natürlich gebe es sehr große und viele Herausforderungen, die die Stadt zu bewältigen habe, räumte Fegebank vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingslage ein. „Und die gehen wir auch an.“ Außerdem könne man das eine nicht mit dem anderen vergleichen.

Andererseits wolle Fegebank für Weltoffenheit mit einem Augenzwinkern werben und wiederholte in diesem Zusammenhang ihr Mantra: „Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen.“ Ähnlich äußerte sich auch Verkehrssenator Horch. „Hamburg ist eine weltoffene und tolerante Stadt. Das können wir mit dieser guten Geste dokumentieren.“

Das Vorbild für die „Homo-Ampel“ stammt aus Wien

Auch wenn Horch das so meint, wie er es sagt, so kann man doch davon ausgehen, dass er selbst nicht auf die Idee gekommen wäre. Das Vorbild für die „Homo-Ampel“ lieferte Österreichs Hauptstadt Wien. Dort fand in diesem Jahr der Eurovision Song Contest (ESC) statt. Und in diesem Zusammenhang hat Katharina Fegebank via sozialer Medien davon erfahren. „Im Sekundentakt sind Fotos gepostet worden. Da habe ich mir gedacht, dass das auch für Hamburg eine gute Werbung wäre“, so Fegebank. Und wenn das tatsächlich Touristen in die Stadt brächte, dann dürfte das Frank Horch freuen, der ja auch Wirtschaftssenator ist.

Die Opposition kann mit der Ampel-Aktion dagegen nichts anfangen. Der Verkehrsexperte der FDP, Wieland Schinnenburg, sagte gestern: „Einfalt trifft Vielfalt: Ausgerechnet die beiden erfolglosesten Senatoren beschäftigen sich unter großem Tamtam mit Vielfalt-Ampelmännchen. Den Hamburgern ist längst klar, dass damit nur politisches Versagen bei wirklich wichtigen Themen bemäntelt werden soll.“

Die CDU hatte bereits im Vorfeld geätzt. „Hamburg ist Stauhauptstadt Deutschlands, der Öffentliche Personennahverkehr ist an seiner Kapazitätsgrenze und die Verkehrswege aus und in den Hafen müssen dringend ausgebaut werden“, befand der Verkehrspolitiker Dennis Thering. „Doch statt die drängenden Probleme anzugehen, will die Zweite Bürgermeisterin die Hamburger mit neuen Ampelmännchen beglücken.“

Dabei hält sich der Aufwand für die Ampelpärchen in Grenzen. Rund 120 Euro Materialkosten plus Montage schlagen zu Buche. Zunächst sollen sie bis zum Christopher Street Day rund um das erste August-Wochenende an den Ampeln bleiben. „Das ist ein Testballon“, versichert Katharina Fegebank. Eine flächendeckende Bestückung sei jedenfalls nicht zu erwarten.

Für Sven Wiechmann von der städtischen Hamburg Verkehrsanlagengesellschaft, der die Ampeln mit wenigen Hangriffen umgerüstet hat, ist die Aktion jedenfalls ein „PR-Gag“, wie er sagt. „Es zeigt aber, dass wir noch keine komplette Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren etwa bei der Ehe oder der Adoption haben. Dabei sollte das doch normal sein.“

Unterdessen gibt es bereits einen weiteren Termin mit zwei Senatsmitgliedern. Am Freitag besuchen Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) die Insel Neuwerk. Sie wollen sich über die Situation vor Ort informieren, wie es in der Ankündigung heißt. Gut möglich, dass die Doppelbesetzung mittlerweile doch weniger etwas über die Wichtigkeit von Terminen aussagt. In einer Koalition wollen eben beide Partner gleichermaßen wahrgenommen werden.