St. Pauli

125 Jahre Heilsarmee: Seife, Suppe und Seelenheil

Markante Anlaufstelle für die Verzweifelten: Das 1891 fertig gestellte Gebäude an der Talstraße gehört der Heilsarmee schon seit 1922

Markante Anlaufstelle für die Verzweifelten: Das 1891 fertig gestellte Gebäude an der Talstraße gehört der Heilsarmee schon seit 1922

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Seit 125 Jahren gibt es sie nun schon in der Stadt: Die Heilsarmee feierte mit einem großen Festprogramm ihr Jubiläum.

St. Pauli. Seit 125 Jahren hilft sie Gestrauchelten und Verzweifelten schnell und unbürokratisch. Ihre Mitglieder stehen häufig singend und musizierend auf dem Kiez, sammeln Spenden und verkünden ihre Botschaft.

Mit einem großen Jubiläumsfest feierte die Heilsarmee jetzt ihr 125-jähriges Bestehen in der Stadt. Am Sonnabend stand ein großes Geburtstagsfest auf dem Programm, am gestrigen Sonntag schloss sich der Jubiläumsgottesdienst mit vielen Gästen im markanten Haus an der Talstraße an.

Martina Severin-Kaiser, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), lobte das Engagement: „Sehr viele in den anderen Kirchen bewundern euer Durchhaltevermögen, ihr zeigt christliche Präsenz dort, wo sich viele nicht hintrauen“, sagte Severin-Kaiser. Die Heilsarmee sei verlässlich und habe nie zu einer echten Waffe gegriffen. „Ihr seid auf Tuchfühlung mit denen, die aus der Bahn geworfen wurden.“

Anette Janowski, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Achim das „Korps und Missionsteam Hamburg“ leitet, moderierte die Veranstaltung mit viel Verve. „Wir kämpfen dafür, dass Menschen nicht zerstört werden“, so Janowski. „Uns geht es aber auch um spirituellen Beistand. Viele unserer Gäste sehnen sich nach etwas Liebe und Aufmerksamkeit, darauf gehen wir ein.“ Die weltweit arbeitende Heilsarmee war um 1870 als „Salvation Army“ in England gegründet worden. In Zeiten, in denen das Militärische alle Gesellschaftsschichten durchdrang, wurde sie in Erscheinungsbild und Organisationsform bewusst militärisch geprägt, war und blieb inhaltlich aber der genaue Gegenentwurf. Die „Waffe“ der Heilsarmee ist Gottes Wort, das sie überall mit Leidenschaft verkündet. 1890 kam die Heilsarmee in Gestalt des Schotten George Scott Railton nach Hamburg, der in seiner Wohnung in der Nähe des Hauptbahnhofs erste Versammlungen abhielt. Ein Schuppen am Valentinskamp bot kurz danach Platz für fünf Arbeitslose. Vor 1913 unterhielt die Heilsarmee dann bereits fünf große Männerheime mit 600 Plätzen. Das 1890/91 erbaute Haus an der Talstraße, wurde 1922 gekauft – heute ist es umgeben von Sexshops, Kneipen und Pornokinos.

Die Heilsarmee hat sich aus dem oft zitierten Dreiklang „Suppe, Seife, Seelenheil“ weiterentwickelt, ihr Hilfsangebot ist viel umfangreicher. Unter anderem betreut sie in Groß Borstel auch eine moderne Unterkunft für männliche Obdachlose, das Jakob-Junker-Haus. Das Ziel, die direkte Fürsorge für Menschen, werde die Heilsarmee auch in den kommenden Jahren nicht aus den Augen verlieren, sagt Sprecherin Luise Schröder. „Denn Elend gibt es auch im reichen Hamburg.“