Hamm

Dramatische letzte Stunden vor dem Elisa-Abriss

Am heutigen Dienstag sollen die Bagger anrollen – doch jetzt meldet die Initiative zur Rettung des Ensembles eine gute Nachricht.

Hamburg.  Erbittert wurde lange um den geplanten Abriss dieses alten Backsteingebäudes in Hamm gestritten. Und auch jetzt, unmittelbar bevor die Bagger anrücken, bekommt die Diskussion noch einmal zusätzliche Dramatik: Angeblich will ein zahlungskräftiger Mäzen das hufeisenförmige Haus retten. Das meldete gestern die Initiative „Elisa II“, die sich für einen Erhalt des symbolstarken Gebäudes am Elisabethgehölz einsetzt. Bei dem Investor soll es sich um einen Unternehmer aus der Schifffahrtsbranche handeln, der aber noch ungenannt bleiben möchte, wie auch der Bezirkspolitiker Ingolf Goritz (Grüne) bestätigte.

Gleichzeitig kündigte die Eigentümerin, die Vereinigte Hamburger Wohnungsgenossenschaft (vhw), am Montag den baldigen Abriss erster Teile an. Heute bereits soll der Bagger angeliefert werden, mit den Abrissarbeiten werde im Laufe dieser Woche begonnen, sagte die Sprecherin der Genossenschaft, Annika Patzelt.

Auch Denkmalschützer und Architekten hatten in den vergangenen Jahren immer wieder einen Erhalt des Backsteingebäudes gefordert, das aus der Zeit von Hamburgs legendären Oberbaudirektor Fritz Schumacher stammt. Besonderheit: Ein großer Teil war im Zweiten Weltkrieg erhalten geblieben. Der Wiederaufbau der zerstörten Flügel wurde in den Nachkriegsjahren zudem von demselben Architekten geplant, der das Haus in den 20er-Jahren schon entworfen hatte – was Denkmalschützer als besondere Wiederaufbauarbeit werten. Die Genossenschaft vhw indes argumentiert, dass sie anstelle des Altbaus 102 „zeitgemäße“ und öffentlich geförderte Wohnungen neu bauen wolle, für die es ein starkes Interesse gebe.

Nur noch vier Mieter wohnen derzeit noch in einem Teil des Ensembles, zwei davon hätten bereits Verträge für Ersatzwohnungen unterschrieben. Auch Corinna Gülzow, Sprecherin der Elisa-Initiative, sieht sich angesichts der Abrissarbeiten genötigt, nach einem Ersatz zu schauen. Gleichwohl streitet sie weiter für einen Erhalt des markanten Bauwerks und setzt nach eigenen Angaben derzeit alle Hoffnung in den neuen Investor. Der könne allerdings erst in der nächsten Woche nach Ende der Hamburger Ferien Verhandlungen aufnehmen, weil er sich im Urlaub befinde.

Ob allerdings eine tatsächliche Finanzzusage noch den Abriss stoppen kann, bleibt weiter fraglich. „Bei uns hat sich noch keiner gemeldet“, sagt Genossenschaftsprecherin Patzelt. Und selbst wenn, habe dies keinen Einfluss mehr auf die aktuellen Planungen. „Wir verkaufen definitiv nicht“, so die Sprecherin.

Die noch bewohnten Gebäudeteile seien von dem ersten Teilabriss allerdings nicht betroffen. Weil es aber während der Arbeiten zu Beeinträchtigungen kommen könnte, werde man den letzten Mietern eine Mietminderung einräumen oder auch eine Ausweichunterkunft in einem nahegelegenen Hotel anbieten. Die „Blockade einiger weniger Mieter“ habe viel Zeit und Geld gekostet. „Weitere Verzögerungen wollen wir den vielen Wartenden nicht zumuten“, sagt Patzelt.

Die Initiative um Corinna Gülzow fordert indes weiter den Erhalt und bittet um einen Aufschub bis nächste Woche, um die jetzt neue Möglichkeit für einen Kompromiss prüfen zu können. Mit einem Teilabriss in dieser Woche aber wären alle Chancen vertan, ein Abriss würde Fakten schaffen. Gülzow: „Und vermutlich ist es genau das, was die vhw jetzt will.“