St. Georg

Reichshof: Das Comeback eines Hamburger Grandhotels

Foto: HA / A.Laible

Das Traditionshaus an der Kirchenallee eröffnet im Mai mit neuer Pracht im Stil der 1920er-Jahre. Die Bar und das durch RTL bekannte Restaurant Slowman sollen auch Hamburger anziehen.

St. Georg. Der Reichshof an der Kirchenallee ist eines der traditionsreichsten Hotels der Hansestadt. Eröffnet im Jahr 1910, gehörte es einst zu den größten Grandhotels Europas. Doch in den letzten Jahren war der Glanz weg. Ein enormer Sanierungsstau war angewachsen und die Maritim-Kette machte als letzter Betreiber im Mai 2014 das Licht aus. Das Ende einer Ära bedeutete gleichzeitig einen Neuanfang.

Der altehrwürdige „Reichshof“ bekommt eine Frischzellenkur. Bauherr ist die Event-Hotelgruppe mit Sitz in Köln. Aus 302 Zimmern werden 278 Zimmer, Junior-Suiten und Appartements. Seit Monaten ist das Haus eine große Baustelle, etwa 50 Menschen arbeiten hier Tag und Nacht. Der Umbau kostet mehr als 30 Millionen Euro.

Die Herausforderung: Das Gebäude, die aufwendigen Holzvertäfelungen, die imposanten Marmorsäulen und sogar die Tische der ehemaligen M&M-Bar stehen unter Denkmalschutz: „Das macht ja den Reiz dieses Projekts aus“, sagte Direktor Folke Sievers dem Abendblatt. „Wir haben hier ein Haus mit einer beeindruckenden Geschichte, und all diese Stilelemente sind ein Teil davon. Wir kombinieren diese jetzt mit zeitgemäßem Design und modernster Technik.“

Das Ziel: „Der Reichshof soll den Charme eines Grandhotels haben und an den Glanz der goldenen Zeiten anknüpfen, aber dabei Lockerheit ausstrahlen und ein Hotspot für Hausgäste und die Hamburger werden“, verspricht Sievers.

Der Hotelier steht in der Empfangshalle oder dem, was davon übrig geblieben ist. Der Raum ist komplett entkernt, die Teppiche herausgerissen, die Decken geöffnet. Im gesamten Haus werden neue Leitungen und eine Sprinkleranlage eingebaut. Die beeindruckenden Marmorsäulen in der Halle sind verhüllt. Aber sie sollen wieder die Hingucker sein, auch nach der Modernisierung: „Lebendig, ein Ort der Begegnung soll der Empfangsbereich werden“, sagte Sievers.

Der Fußboden wird mit schwarzem Fliesen ausgelegt, die Rezeption in den hinteren Teil verlegt: „Den vorderen Teil der Halle gestalten wir sehr offen. Die bodentiefe Fensterfront hin zur Kirchenallee kann im Sommer geöffnet werden. Wir werden hier einen bunten Stilmix an einladenden Loungemöbeln haben“, sagte Sievers. Der Mittelpunkt wird die Bar sein, an der frisch Sushi zubereitet wird. Das kulinarische Motto ist: „Sushi&Sweets.“ Nachmittags soll der Klassiker High Tea neu interpretiert werden. Stummfilme und alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die an die stuckverzierten Wände projiziert werden, erinnern an die „Goldenen Zwanziger“.

Die ehemalige M&M Bar – sie liegt hinter der Halle – bleibt erhalten, und mit ihr ein guter Teil des lieb gewonnen Interieurs inklusive der Ledersessel. Allerdings heißt sie jetzt, angelehnt an das Jahr der Gründung, „Bar 1910“. Sie könnte zum Ziel von Schauspielhaus-Besuchern nach der Vorstellung werden.

Generationen von Hamburgern haben im Reichshof gespeist. Das Restaurant ist dem Luxusliner „Cap Polonio“ nachempfunden. Jetzt zieht hier das Slowman ein und verlässt den alten Standort im Chilehaus. Sein innovatives Gastrokonzept ist bekannt geworden, weil hier Fernsehkoch Christian Rach seine RTL-Reihe „Rachs Restaurantschule“ drehte, in der junge Leute mit einer bewegten Biografie und Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt eine Chance für einen Einstieg in den Beruf erhielten. Eigens dafür wurde das Slowman eröffnet.

Irgendwann waren die Fernsehkameras weg, aber das Slowman blieb: „Das Slowman setzt auf ehrliches Kochhandwerk und natürliche, regionale Küche“, sagte Sievers. Wie die Speisen zubereitet werden, können die Gäste live verfolgen, denn die Küche ist zum Restaurant hin offen.

Die mit Gold verzierten Säulen und Holzvertäfelungen im Speisesaal bleiben erhalten: „Die alten Marmortische werden aufgearbeitet und hier wieder ihren Platz finden“, sagte Sievers. Der Fußboden soll mit schwarz-weißen Parkett ausgelegt werden: „Hier setzen wir auf Art-déco-Stil und Bistro-Atmosphäre“, sagt Sievers.

In Kürze wird mit dem Innenausbau der 278 Zimmer, Junior-Suiten und Apartments mit bis zu 60 Quadratmetern Fläche begonnen: „Die Zimmer sollen ein Rückzugsort sein. Die Einrichtung ist elegant, ohne auf auf modernste Raffinessen zu verzichten“, so der Hotelchef. Bleibt nur noch eine Frage offen: Lässt sich das Hotel klassifizieren? Direktor Folke Sievers: „Nein, wir lassen das Konzept für sich sprechen.“