St. Pauli

Die Rindermarkthalle öffnet am Donnerstag ihre Pforten

Hauptmieter Edeka, Budnikowsky, Aldi, Bio-Company und weitere Einzelhändler garantieren Nahversorgung. Die Moschee und die Räume der Stadtteilinitiativen sind jedoch noch nicht fertig.

Hamburg. Früher trampelten hier täglich mehrere Tausend Rinder und Schafe herum, und es roch nach frischem Dung. Jetzt riecht es nach Kaffee, frisch gebackenem Brot und warmer Küche – und statt Vieh wuseln Menschen herum, die hier einkaufen, essen oder etwas trinken möchten. Die ehemalige Markthalle St. Pauli, 1951 als eine der modernsten und größten Rindermarkthallen Europas eröffnet, ist zu einem Nahversorgungszentrum mit Seltenheitswert geworden: Zusätzlich zu den konventionellen Mietern Edeka, Aldi und Budnikowsky gibt es in einer Art Markthalle eine Reihe individueller Einzelhändler und Gastronomen, darunter die Bio-Company, das Küchengeschäft Gebrüder Jürgens, die Confiserie Paulsen, aber auch einen Eisladen, eine Tapasbar und einen Blumenladen aus dem Stadtteil. Am heutigen Donnerstag ist die offizielle Eröffnung, am Sonnabend folgt die Einweihungsparty.

Die Eröffnung der Rindermarkthalle St. Pauli setzt einen Schlusspunkt hinter das Ringen um die Nutzung des knapp 15.000 Quadratmeter großen Gebäudes. Ab Mitte der 70er-Jahre hatte es wechselnde Supermärkte beherbergt. Schon bevor der letzte, ein Real-Markt, 2010 auszog, gab es erste Pläne, zumindest einen Teil als Music Hall zu nutzen. Dagegen gab es massive Proteste der St. Paulianer und der Recht-auf-Stadt-Bewegung, die durch Touristen und Eventgäste einen noch größeren Druck auf das Viertel befürchteten. Dennoch wurde das Konzept in einem Architekten-Wettbewerb konkretisiert: Geplant war eine Markthalle, die abends leer geräumt als Foyer der Musikhalle dienen sollte, außerdem Moschee, Kino, Gastronomie und Einzelhandel. Als die Proteste nicht abrissen, rückten Ende 2010 erst die Grünen, dann der Bezirk von der Music-Hall-Idee ab. Wichtiger seien Nahversorgung und Bürgerbeteiligung, hieß es.

Nachdem die Rindermarkthalle 15 Monate leer gestanden hatte, präsentierte der Bezirk im September 2011 Edeka Nord als Hauptmieter. Budnikowsky und Aldi sollten einziehen und ins Obergeschoss Initiativen aus dem Stadtteil, eine Kita sowie die Mevlana-Moschee, die schon vorher hier ansässig war. Herzstück sollte der Eingangsbereich werden, mit zahlreichen Einzelhandelsständen. Das Konzept wurde von den meisten Anwohnern begrüßt. Projektentwickler Peter Maßmann sollte es weiterentwickeln; er war fortan auch für die Diskussion mit der Bevölkerung und für die Suche nach geeigneten Mietern zuständig.

„Wir haben uns nach Einzelhändlern umgesehen, die mit ihrem Konzept in den Stadtteil passen“, sagt Maßmann, der früher beim Gewerbeimmobilien-Entwickler ECE beschäftigt war und im Landesvorstand der SPD sitzt. „Wunschkandidaten“ waren etwa Ortiz de Rozas, der zusätzlich zu seinem Laden an der Hein-Hoyer-Straße künftig auch in der Markthalle Tapas und Wein anbietet. Oder Obst- und Gemüsehändler Efkan Demirok, der aus Schwerin nach Hamburg gezogen ist, um sich mit seiner Frau Ebru in der Markthalle eine neue Existenz aufzubauen. Manchmal musste Maßmann sich auch gegen seinen Auftraggeber durchsetzen. Den Backshop in prädestinierter Lage etwa wollte Edeka selbst betreiben. „Das hätte aber hier nicht hergepasst“, so Maßmann. Letztendlich bekam eine Hamburger Bäckereikette den Zuschlag, die eigens für die Markthalle die Brotmanufaktur „Brot und Stulle“ gründete.

Weil es durch anfängliche Planungsfehler seitens der städtischen Immobilienbesitzerin SpriAG zu erheblichen Bauverzögerungen gekommen war, konzentrierte sich die Sanierung zunächst aufs Erdgeschoss. Ein paar Mieter können ihre Läden erst in zwei Wochen eröffnen – sie kommen mit dem Ladenbau nicht nach oder haben erst spät ihren Mietvertrag unterschrieben. Im Obergeschoss – in das unter anderem die von einem gemeinnützigen Verein gegründete erste Street Art School Deutschlands, eine Kung-Fu-Schule, die Kita für die Domkinder und die Nähschule St. Pauli einziehen sollen – wird es wohl etwas länger dauern. „Das bringt viele von uns in Schwierigkeiten, da wir Übergangslösungen finden müssen“, sagt Rosi Bätz von der Nähschule. Die Moschee ist noch komplett unrenoviert. „Das ist eine Schande“, sagt Imam Mehmet Yilmaz. Er schätzt, dass seine Gemeinde erst im Januar einziehen kann. Die Street Art School geht von einem Start im Oktober aus und nutzt das Eröffnungswochenende schon einmal für eine Präsentation ihrer Kunstform.

Eröffnung: Do 10 Uhr: offizielle Feier; Sa 11–18 Uhr: Einweihungsparty mit Kinderprogramm und Musik

Street Art School: Do bis Sa Workshops auf dem Vorplatz mit Einblicken in die urbane Kunst; Do 18 Uhr: Vernissage, Sa Gestaltung der Graffiti-Fläche