St. Pauli

Wollen Seilbahnbauer mit Geldregen auf Stimmenfang gehen?

Der Hersteller will dem Bezirk Hamburg-Mitte mindestens zehn Millionen Euro spenden, wenn die Bürger für das Projekt stimmen. Es gehe vor allem um soziale Verantwortung, Kritik weist Doppelmayr zurück.

St. Pauli. Der Seilbahnbauer Doppelmayr und das Musicalunternehmen Stage Entertainment wollen dem Bezirk Hamburg-Mitte für gemeinnützige Zwecke mindestens zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen, wenn die umstrittene Seilbahn in Betrieb geht.

Diese Zuwendung soll aus den Einnahmen der geplanten Seilbahn zwischen St. Pauli und den Musicaltheatern auf Steinwerder finanziert werden. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen für jede einfache Fahrt 50 Cent abgeführt und so der zweistellige Millionenbetrag erreicht werden. Das bestätigte der Unternehmer Michael Doppelmayr dem Hamburger Abendblatt. Doppelmayr: „Der Bezirk Mitte soll dann mit den karitativen Institutionen vor Ort über eine sinnvolle Verwendung der Mittel entscheiden.“

Allerdings wird es diesen Geldregen für den Bezirk nur geben, wenn der Bürgerentscheid am 24. August erfolgreich ist und die Seilbahn tatsächlich gebaut werden kann. Die mehr als 200.000 wahlberechtigten Bürger im Bezirk Mitte sind aufgerufen, über das umstrittene Projekt zu entscheiden.

Damit der Bürgerentscheid Erfolg hat und die Seilbahn gebaut werden kann, reicht eine einfache Mehrheit der Stimmen. Die rund 35 Millionen Euro für den Bau des neuen Verkehrsmittels wollen Doppelmayr und Stage Entertainment ohne staatliche Hilfe finanzieren. Seit die Pläne für eine Seilbahn über die Elbe vor mehr als drei Jahren bekannt wurden, gehört dieses Projekt zu den wohl am meisten diskutierten Bauvorhaben in der Stadt.

Wollen sich Stage Entertainment und Doppelmayr mit der Ankündigung der Zehn-Millionen-Zuwendung die Stimmen der Hamburger kaufen? „Nein. Wir wollen als Unternehmer soziale Verantwortung übernehmen und ein Stück zurückgeben“, sagte Doppelmayr. Der Bau einer Seilbahn sei aber natürlich keine soziale Tat, sondern eine wirtschaftliche Entscheidung, die sich auch rentieren müsse. Zum ersten Mal haben die Investoren jetzt auch ihre Preispolitik offengelegt: Eine einfache Fahrt für Erwachsene soll nach dieser Kalkulation sechs Euro kosten, für Kinder drei Euro, ebenso für HVV-Zeitkartenbesitzer. Eine Jahreskarte ist für 120 Euro erhältlich. Bislang hatte Michael Doppelmayr sich zu dem Hamburger Projekt in der Öffentlichkeit kaum geäußert. Im Abendblatt-Gespräch machte er eine Ausnahme: „Natürlich verfolge ich die Diskussion über die Seilbahn in Hamburg. Das zeigt doch auch, wie wichtig dieses Projekt den Menschen vor Ort ist“, sagt er. Die Seilbahn würde die Silhouette des Hafens verändern, und deshalb sei es absolut nachvollziehbar, dass es nicht nur Zustimmung gebe. Es sei eine Herausforderung, die Bürger von den Vorzügen zu überzeugen.

Das Unternehmen baut Seilbahnanlagen rund um den Globus, darunter auch das weltweit größte Seilbahnnetz im bolivianischen La Paz. Zu den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi hatte Doppelmayr allein 40 Anlagen errichtet. Für das Unternehmen arbeiten mehr als 2300 Mitarbeiter, darunter allein 1204 in Österreich. In der Nähe von Bregenz ist der Hauptsitz des Unternehmens.

Also ist Hamburg für den weltweit tätigen Unternehmer nur ein kleines Licht? „Nein, dieses Bauvorhaben genießt einen hohen Stellenwert. Wir bauen viel in den Bergen und da ist es immer wieder eine Herausforderung, eine Seilbahn über das Wasser zu realisieren“, sagte Doppelmayr. Zudem sei Hamburg eine bedeutende Metropole und die Strecke durch den Hafen etwas ganz Besonderes.

Das sehen Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) und die politische Mehrheit in der Bezirksversammlung Mitte anders. Denn: Hätte sich die Bezirkspolitik dem Bürgerbegehren angeschlossen, wäre ein Bürgerentscheid überflüssig gewesen. Aber die Bezirksversammlung stimmte im Juni mit großer Mehrheit dagegen. Zuvor hatten mehr als 14.700 Einwohner des Bezirks das Bürgerbegehren für die Seilbahn unterschrieben. Initiator war die Bürgerinitiative „Hamburger Seilbahn – Ich bin dafür“, zu deren Köpfen unter anderem auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Herlind Gundelach gehört.

Nun bereiten sich die Investoren auf den Bürgerentscheid vor. Wenn er erfolgreich war, sollen laut Doppelmayr-Projektleiter Günter Troy umgehend sämtliche Unterlagen für ein Planfeststellungsverfahren bei der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation eingereicht werden: Aber bis die Seilbahn über die Elbe schweben kann, wird es noch Jahre dauern. Allein ein Planfestellungsverfahren dauert mindestens zwei Jahre, sagte Behördensprecherin Helma Krstanoski dem Abendblatt. Nun beginnt erst einmal der Wahlkampf: Die Bürgerinitiative stellt am Freitag ihre neue Kampagne „Ja zur Seilbahn“ vor.