Tod von Diren D.

Trauerfeier für Diren in Moschee – Montag Beerdigung

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Vor einer Woche wurde der 17-jährige Diren im US-Bundesstaat Montana erschossen. Jetzt ist der Vater aus den USA zurück und wieder in Hamburg, wo am Sonntag eine Trauerfeier stattfindet. Die Hansestadt ist aber nur ein Zwischenstopp.

Hamburg/New York. Eine Woche nach dem Tod des Hamburger Gastschülers Diren in den USA ist der Vater am Sonnabend wieder in der Hansestadt eingetroffen. Das bestätigte eine Sprecherin der Familie. Der Vater war nach Montana gereist, um den Leichnam seines 17-jährigen Sohnes abzuholen. Am Sonntag soll es für Diren in der Yeni-Beyazit-Moschee in Hamburg eine Trauerfeier geben. Es würden etwa 500 Menschen erwartet, sagte ein Mitglied der Gemeinde. Diren soll dann in Bodrum im Südwesten der Türkei beerdigt werden.

Im US-Bundesstaat Montana hatten am Vorabend Freunde, Mitschüler und Nachbarn bei einer Mahnwache des 17-Jährigen gedacht. Die Trauernden versammelten sich am Freitagabend auf einem Fußballfeld, wie das Lokalblatt „Missoulian“ am Sonnabend berichtete. Sie schrieben in ein Kondolenzbuch und ließen Ballons in den Himmel steigen. Der US-Zeitung zufolge umarmten sich die Menschen, die den Deutschen im Herbst in ihrer Gemeinde aufgenommen hatten.

An vielen Häusern und Gartenzäunen im Viertel hingen als Zeichen der Anteilnahme Schleifen in den deutschen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold. Mitschüler hatten die Schleifen verteilt. „Wir dachten, dass das eine nette Geste ist, im Gedenken an ihn, denn er war wirklich ein prima Kerl, und er hat es nicht verdient, auf diese Weise zu sterben“, zitierte das Blatt die Mitschülerin Mari Koster.

Der Jugendliche aus Hamburg war vor einer Woche, in der Nacht zum Sonntag, in Missoula in der Garage eines fremden Hausbesitzers erschossen worden. Was der Teenager in der Garage suchte, ist nach wie vor ein Rätsel. Der Schütze, ein 29-jähriger Mann, ist wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt. Er ist gegen eine Kaution von 30.000 Dollar (22.000 Euro) jedoch auf freiem Fuß.

Die amerikanische Generalkonsulin in Hamburg, Nancy Corbett, äußerte sich ebenfalls betroffen. Sie habe die Nachricht vom Tod Direns mit tiefer Trauer aufgenommen, erklärte Corbett. Den Eltern und allen Familienangehörigen, Freunden und Mitschülern spreche sie ihr aufrichtiges Beileid aus, sagte die Diplomatin. Am Freitagabend waren etwa 600 Angehörige, Freunde und Mitschüler des getöteten 17-Jährigen durch Hamburg bis vor das US-Generalkonsulat gezogen.

Direns Gasteltern, Randy Smith und Kate Walker haben sich mit einer Botschaft an die deutsche Bevölkerung gewandt. Die tödlichen Schüsse auf den 17 Jahre alten Schüler, den sie sofort ins Herz geschlossen hätten, seien ein Einzelfall. „Wir wollen, dass Sie wissen, dass das nicht Amerika ist. Das ist eine Person, der Rest der Gesellschaft ist sehr hilfsbereit“, sagte Walker. Noch immer ist unklar, was Diren und sein Begleiter nachts um halb eins in der Garage am Deer Creek in Missoula zu suchen hatten. Es ist gut möglich, dass die beiden auf der Suche nach Getränken waren. Diren war in eine offene Garage eingedrungen und in eine Falle getappt.

Der 29-jährige Hausbesitzer Markus K. hatte dort Sensoren und eine Kamera installiert; er streckte den Jugendlichen ohne Vorwarnung mit vier Schüssen nieder. Schwer verletzt an Arm und Kopf starb Diren auf dem Weg ins Krankenhaus. Mittlerweile haben amerikanische und deutsche Medien ein unscharfes Schwarz-Weiß-Foto verbreitet, das aus der Überwachungskamera stammen und Diren in seinen letzten Lebenssekunden zeigen soll. Zu sehen ist ein hell gekleideter Mann mit schwarzen Haaren, der in der Hand einen Gegenstand hält. Es könnte eine Taschenlampe sein oder das Handy, das die Polizei neben Diren auf dem Boden fand. Allerdings sieht der Mann auf dem Foto stämmiger aus als der junge Hobbyfußballer. Wie berichtet, werden die Schüler des Gymnasiums Allee in Altona, das auch Diren besuchte, ab Montag von Mitarbeitern der Beratungsstelle Gewaltprävention betreut. „Wir müssen sehen, was an Hilfe benötigt wird. Manchmal verhält es sich mit der Krisenintervention ähnlich wie beim Zwiebelschälen: Es tauchen immer weitere Aspekte auf“, sagt Christian Böhm, Leiter der Beratungsstelle. Das könnte beispielsweise die Angst vor dem eigenen, schon geplanten Auslandsaufenthalt sein. Die Freunde von Diren hätten mit der Trauerbewältigung bereits begonnen. „Gemeinsame Aktivitäten wie das Organisieren eines Trauermarsches helfen, den Schock zu verarbeiten“, sagt Böhm.

Neues Benefizspiel: Am Mittwoch tritt der FC St. Pauli gegen SC Teutonia v. 1910 an. Anpfiff ist um 18.30 Uhr im Stadion Hoheluft.

( (fru/dpa) )