Schüler erschossen

Vater von Diren D. kritisiert waffenvernarrte Amerikaner

Leichnam des 17-Jährigen soll nach Hamburg überführt werden. Mehrere Tausend Euro kommen bei bewegendem Benefizspiel für erschossenen Diren D. in Altona zusammen.

Missoula/San Francisco/Hamburg. Der Vater des erschossenen Hamburger Austauschschülers Diren D. hat die Waffengesetze in den USA scharf kritisiert. „Amerika kann hier nicht weiterhin Cowboy spielen“, sagte der 46-Jährige. „Ich habe mir nicht eine Nacht darüber Gedanken gemacht, dass hier jeder jemanden erschießen kann, nur weil er in seinen Garten gekommen ist.“

Andernfalls hätte er seinem Sohn, der in der Nacht zum Sonntag in der Garage eines Fremden erschossen worden war, den Schüleraustausch keinesfalls erlaubt, so der Vater. Zu dem wegen vorsätzlicher Tötung angeklagten Todesschützen sagte der Hamburger: „Er soll die gerechte Strafe bekommen.“

Wahrscheinlich am Freitag will der Vater mit der Leiche seines Sohnes nach Hamburg zurückkehren. Nach einer Zeremonie in der Yeni-Beyazit Moschee am Nobistor soll der Leichnam zur Bestattung ins türkische Bodrum gebracht werden.

„Ich war am Anfang dagegen, dass er nach Amerika kommt“, sagte der Taxifahrer aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli. „Ich weiß, dass es in Amerika gefährlich ist – nicht überall, aber in den Großstädten.“ Montana sei zwar eine schöne Gegend und nicht mit St. Pauli oder der Bronx in New York zu vergleichen. Seit zwei Tagen habe er nicht einen Streifenwagen gesehen, während in St. Pauli ständig die Sirenen heulten.

Am Mittwoch hatten Freunde von Diren und sein Hamburger Fußballverein in einem emotionalen Benefizspiel Abschied genommen. Rund 1000 Zuschauer kamen im Stadtteil Altona zusammen, um des 17-Jährigen zu gedenken, darunter seine Mutter und seine beiden Schwestern. Der Erlös des Spiels waren mehrere Tausend Euro, wie ein Vereinsvertreter dem Abendblatt bestätigte.

Viele Gäste trugen T-Shirts mit einem Foto von Diren. Zahlreiche Plakate und Bilder erinnerten an den Hobbyfußballer. Am Spielfeldrand hing ein Banner mit der Aufschrift „Unser Bruder stirbt und Amerika schaut zu“. Einige Besucher legten weinend Rosen nieder.

Für Sonnabend ist außerdem ein Benefizspiel gegen TUS Osdorf geplant. Am 3. Mai soll es einen Gedenkabend bei der Alevitischen Gemeinde am Nobistor geben.

Hier finden Sie die Trauerseite von Direns Fußballverein mit allen Informationen zum Spenden

In den USA dringen auch die deutschen Behörden auf eine Aufklärung des Falles. Ein unbewaffneter Jugendlicher könne auch bei Hausfriedensbruch nicht rechtmäßig von einem Bürger erschossen werden, sagte die Sprecherin des Generalkonsulats in San Francisco, Julia Reinhardt, nach einem Bericht der „Great Falls Tribune“. Sie hoffe auf Gerechtigkeit.

Diren D. war in der Nacht zum Sonntag in Missoula in eine Garage eines Nachbarn gegangen und vom Hausbesitzer Markus K. erschossen worden. K. feuerte mit seiner Schrotflinte viermal auf den 17-Jährigen, traf ihn offenbar zweimal. Der Jugendliche starb im Krankenhaus. Unklar ist nach wie vor, warum Diren D. das Grundstück betrat. Ein Begleiter sagte der Polizei, er habe etwas zu trinken gesucht.

Der Fall hat eine neue Debatte über ein Gesetz in Montana ausgelöst, das einer Person das Recht einräumt, sein Haus mit Waffengewalt vor einer Bedrohung zu schützen. Auch die Hamburger Staatsanwaltschaft will nach den tödlichen Schüssen ein Ermittlungsverfahren einleiten. „Wir prüfen den Sachverhalt und haben bereits die erforderlichen Unterlagen von den zuständigen amerikanischen Behörden angefordert“, sagte Sprecherin Nana Frombach der dpa. Hintergrund ist Paragraf 7 des Strafgesetzbuchs. Darin heißt es, dass das deutsche Strafrecht für Taten gilt, die im Ausland gegen einen Deutschen begangen werden.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete Direns gewaltsamen Tod in den USA als „großes Unglück“. „Hamburg trauert um einen jungen Mann, der unter tragischen Umständen ums Leben kam“, erklärte Scholz. „Sein Tod macht uns traurig. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden.“