Rathaus

Bürgermeister Olaf Scholz lädt zum Neujahrsempfang

Selten war ein Neujahrsempfang so politisch wie in diesem Jahr. Zeitgleich zu der Traditionsveranstaltung hielten Polizisten eine Mahnwache vor dem Rathaus ab.

Hamburg. Er findet zwar im Rathaus statt, aber mit Politik hat der Neujahrsempfang des Bürgermeisters normalerweise wenig zu tun. Das war an diesem Neujahrstag etwas anders. Denn unter die rund 500 Besucher, die Bürgermeister Olaf Scholz und der Zweiten Bürgermeisterin Dorothee Stapelfeldt (beide SPD) im Turmsaal die besten Grüße für 2014 überbrachten, hatten sich auch einige Polizisten gemischt, die nach den Krawallen der vergangenen Tage den Senat auf ihre Mahnwache vor dem Rathaus aufmerksam machten.

Und auch einer der letzten Gäste durfte durchaus als „politisch“ eingestuft werden: Pastor Sieghard Wilm ließ es sich nicht nehmen, dem Bürgermeister persönlich ein ruhiges Jahr 2014 zu wünschen. In seiner Kirche auf St. Pauli hatten 2013 zeitweise an die hundert Flüchtlinge Asyl gefunden. Weil die Afrikaner sich aus Angst vor Abschiebung lange geweigert hatten (einige tun es immer noch), der Stadt ihre Identität preis zu geben, galt Wilm als eine Art Gegenspieler des Senats. Doch beim Neujahrsempfang machte er deutlich, dass er seine Rolle so nicht sehe und auf ein Ende der Auseinandersetzungen hoffe. Für 2014 wünsche er sich „Frieden“, sagte Wilm. „Frieden in der Stadt, auch St. Pauli braucht Frieden.“

Doch dazwischen war alles wie immer: Nach der Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und den Fraktionschefs begrüßten Hamburger Originale wie Hummel, Zitronenjette, Vetter Kirchhoff, der Nachtwärter und mit ihnen Hunderte „normale“ Bürger die Senatsspitze. Auch die Schwestern Malina, Amelie (beide 9) und Greta (5) und ihre Cousine Mathilda (10) trauten sich zum Bürgermeister vor. Wie er so war? „Nett.“ Scholz hatte den Jahreswechsel mit seiner Frau daheim in Altona verbracht und um Mitternacht die Knallerei vom Balkon aus bestaunt: „Das war eine ganze Menge.“ (dey)