IG Metall-Streik

Tausende Metaller demonstrieren in Hamburg für mehr Lohn

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Rund 5000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie marschierten am Dienstagvormittag in drei Demonstrationszügen zum Spielbudenplatz an der Reeperbahn. Sie fordern 5,5 Prozent mehr Lohn.

Hamburg. Mehrere tausend Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie haben in Hamburg die Arbeit niedergelegt und für mehr Lohn demonstriert. Die Mitarbeiter etwa von Siemens, Airbus, Mercedes-Benz oder Blohm+Voss trafen sich am Dienstag zunächst am Rathausmarkt, am Platz der Republik in Altona sowie an den Landungsbrücken. Anschließend marschierten nach Gewerkschaftsangaben rund 5000 Menschen in drei Demonstrationszügen zum Spielbudenplatz an der Reeperbahn auf St. Pauli, um ihren Forderungen nach 5,5 Prozent mehr Lohn Nachdruck zu verleihen. Die IG Metall Küste hatte die Beschäftigten aus rund 50 Betrieben zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Laut Gewerkschaft folgten ihm in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordwestniedersachsen fast 16.000 Mitarbeiter.

Die IG Metall fordert für die Beschäftigten in Hamburg, Bremen, Nordwestniedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein 5,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Der Arbeitgeberverband Nordmetall bietet den 140.000 Metallern eine Einkommenssteigerung von 2,3 Prozent für 13 Monate bei zwei Nullmonaten. Effektiv ergäbe dies laut Gewerkschaft eine Lohnsteigerung von 1,9 Prozent. Am 13. Mai soll in Hamburg weiter verhandelt werden. Bereits an diesem Dienstag wollten sich die Verhandlungsführer für den traditionellen Metall-Pilotbezirk in Baden-Württemberg wieder an einen Tisch setzen.

Die Arbeitgeber kritisierten den Warnstreik in Hamburg als unverhältnismäßig. „Für eine zweistündige Veranstaltung in Hamburg ruft die Gewerkschaft einen Warnstreik von 0 bis 24 Uhr aus. Die IG Metall versucht hier, den Streikenden einen zusätzlichen freien Tag zu verschaffen“, sagte Nordmetall-Verhandlungsführer Thomas Lambusch – und fügte an: „Während die Unternehmen mit Mühe versuchen, ihre Auftragsbücher zu füllen, um die Jobs im Norden zu sichern, lockt die Gewerkschaft ihre Mitglieder auf die Reeperbahn.“

Die Demonstranten wiesen die Vorwürfe auf der Kundgebung empört zurück. Die Empfehlung von Nordmetall an die Unternehmen, für den Warnstreiktag keinen Lohn zu bezahlen, kommentierte der IG Metall-Bezirksleiter Küste, Meinhard Geiken, unter dem Beifall der Demonstranten mit den Worten: „Wir kämpfen für unsere Forderungen und brauchen keine Almosen von den Arbeitgebern.“ Gleichzeitig warnte er Nordmetall vor einer Blockade. „Wenn die Arbeitgeber nicht begreifen, dass wir mit diesen Warnstreiks nicht nur deutlich machen, dass wir kampfbereit sind, sondern dass wir uns als Organisation so aufgestellt haben, dass wir auch eine Urabstimmung und einen Arbeitskampf führen können, wenn sie das nicht begreifen, dann sind sie schlecht beraten.“

„Die Produktion bei Airbus ruht am heutigen Tage“, rief der Vorsitzende des Betriebsrats für das Hamburger Airbus-Werk, Jan-Marcus Hinz, den begeisterten Kundgebungsteilnehmern zu. Sein Siemens-Betriebsratskollege Claus Timmann verwies auf den Konzerngewinn in Höhe von 5,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr und nannte das Arbeitgeberangebot deshalb einen „schlechten Witz“. Auf Transparenten und Fahnen war vielfach zu lesen „2,3 Prozent, das ist ein Hohn – wir fordern 5,5 Prozent auf unsern Lohn“ – oder wie es Azubis aufgeschrieben haben: „5,5 Prozent – Bääm Digga!“

Weitere Proteste gab es in Lübeck und Nordwestniedersachsen. In Lübeck beteiligten sich laut Gewerkschaft fast 1000 Beschäftigte von Gabler, den Dräger-Betrieben und Baader an Warnstreiks. In Nordwestniedersachsen waren insgesamt rund 600 Beschäftigte aus sechs Betrieben dem Aufruf zu kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen gefolgt: bei Brötje Automation in Wiefelstede, der Eisengießerei Dinklage, Atlas Weyhausen in Wildeshausen und Leda in Leer. In Emden beteiligen sich den Angaben zufolge 185 Mitarbeiter der beiden Thyssen Krupp Betriebe: Emder Werft- und Dockbetriebe sowie Blohm und Voss Naval an dem Warnstreik.

(dpa)