Hamburg

Blankeneser machen Druck, weil ihre Post jetzt doch schließt

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Matthias Schmoock
Blankenese: Unsere Post soll bleiben! An Entschlossenheit mangelt es Benjamin Harders (v. links), Kathrin Schuldt, Marie Vehstedt und Lucia Mötting nicht.

Blankenese: Unsere Post soll bleiben! An Entschlossenheit mangelt es Benjamin Harders (v. links), Kathrin Schuldt, Marie Vehstedt und Lucia Mötting nicht.

Foto: Marcelo Hernandez

Die Filiale an der Bahnhofstraße soll ersatzlos wegfallen. Der Bürgerverein protestiert – auch gegen leere Versprechen der Post.

Hamburg. Die angekündigte Schließung der Postfiliale an der Blankeneser Bahnhofstraße sorgt im Stadtteil für erheblichen Ärger. Der Blankeneser Bürgerverein (BBV) hat jetzt eine Unterschriftensammlung zum Erhalt der Filiale gestartet. Der Bürgervereinsvorsitzende Benjamin Harders kündigt außerdem an, sich mit den Bürgervereinen anderer betroffener Stadtteile zu vernetzen, um so den Druck auf die Post zu erhöhen.

Geplant sei eine regelrechte „konzertierte Aktion“, um den Erhalt der von Schließung bedrohten Filialen zu erreichen, sagte Harders. Wie berichtet hatte die Post kürzlich angekündigt, mehrere Hamburger Filialen zu schließen, darunter neben der Blankeneser beispielsweise auch die an der Hoheluftchaussee.

Kundinnen und Kunden fürchten weitere Fahrwege

Der BBV macht unter anderem geltend, dass vor allem ältere Kundinnen und Kunden die Leidtragenden der Entwicklung seien. „Viele Bewohnerinnen und Bewohner Blankeneses, insbesondere aus dem Treppenviertel, haben kein Auto und sind nicht so mobil, dass ein Besuch der nächsten Postfiliale möglich wäre“, sagt Benjamin Harders.

Der Bürgervereinsvorsitzende kritisiert zudem, dass mobilere Kundinnen und Kunden durch die Schließung wohl genötigt sein würden, künftig mit dem Auto in weiter entfernt liegende Filialen zu fahren, insbesondere dann, wenn sie Sendungen aufzugeben hätten. „Aus Umweltgründen ist das nicht mehr zeitgemäß und nicht zu vertreten“, kritisiert Harders. Im Übrigen müsse laut Post-Universaldienstleistungsverordnung eine „stationäre Einrichtung“ in dicht bebauten Gebieten innerhalb von maximal zwei Kilometern für Kunden erreichbar sein.

Postkunden reagieren gereizt auf Ankündigung

Ein Stimmungsbild an der Bahnhofstraße zeigt, wie gereizt die Postkunden auf die angekündigte Schließung reagieren. „Ich bin nicht mehr so mobil und seit der Ankündigung hellauf verzweifelt“, sagt Marie Vehstedt aus dem Treppenviertel. „Blankenese hat rund 15.000 Einwohner, was sollen wir denn machen ohne Post?“ Kathrin Schuldt kritisiert die aus ihrer Sicht mangelhafte Informationspolitik der Post. „Wir haben keine Hinweise, wie es weitergehen wird“, sagt Schuldt. „Wo soll man beispielsweise mit Einschreiben künftig hingehen?“

Genau das fragt auch Lucia Mötting, die in der Nachbarschaft sehr unterschiedliche Informationen über künftige Ausweichadressen hört. „Mal heißt es Wedel, dann wieder Iserbrook, aber niemand kennt sich wirklich aus.“ Dem Vernehmen nach sei die Filiale immer sehr gut frequentiert gewesen, der Betrieb gleichwohl über viele Jahre reibungslos abgelaufen. „Warum nun ausgerechnet diese Filiale geschlossen wird, begreift doch kein Mensch“, kritisiert Marie Vehstedt. Und Benjamin Harders spricht aus, was alle denken: „Die Post sollte ja wohl da sein, wo die Menschen sind. Das müsste doch selbstverständlich sein.“

Hinweise auf Schließung gab es schon vor Monaten

Die verärgerten Kundinnen werfen der Post auch vor, über Monate „nicht mit offenen Karten“ gespielt zu haben. Denn als im November 2019 die Ausgabe der DHL-Pakete in der Blankeneser Filiale eingestellt beziehungsweise ausgelagert wurde, schwante vielen schon Böses. Nun stehe die Zukunft der ganzen Filiale auf der Kippe, mutmaßten da bereits zahlreiche Kundinnen und Kunden. Die Post hatte damals gegenüber dem Abendblatt noch vehement bestritten, dass eine komplette Schließung der Filiale drohe. Auf Nachfrage nur rund 15 Monate später heißt es dazu jetzt, diese Auskunft habe dem damaligen Kenntnisstand entsprochen.

„Für uns Blankeneser stellt sich die Sache so dar“, sagt Kathrin Schuldt, „die Postbank will ihre unrentable Filiale, die in denselben Räumen liegt, schließen, und die eigentliche Post, das klassische Postamt, wird einfach gleich mit dichtgemacht.“

Unterstützung von Flottbek-Othmarschen

Die Vorsitzende des Bürgervereins Flottbek-Othmarschen, Ute Frank, kündigt bereits an, sich an den Protesten beteiligen zu wollen. Ein „wachsames Auge“ werde der Bürgerverein auch auf die viel genutzte Postfiliale am Beselerplatz haben, sagt Frank. „Man sieht ja, dass die Post sukzessive Filialen schließt, ohne es vorher groß zu kommunizieren. Gerade für unsere älteren Mitbürger sind die Filialen wichtig, und das gilt auch und gerade für Flottbek und Othmarschen.“

Unterstützung erhalten die aufgewühlten Postkunden von den Bezirkspolitikern. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg und die Blankeneser Wahlkreisabgeordnete Anke Frieling (CDU) verweisen darauf, dass die Blankeneser Post stark frequentiert sei. „Nach Blankenese kommen auch viele Menschen aus Sülldorf und Nienstedten, weil die dortigen Serviceagenturen eben nicht den vollen Service bieten“, kritisieren beide. Die Politiker haben mittlerweile einen Brandbrief an die Post geschrieben und kündigen an, das Thema weiter zu begleiten.

Post will Post- und Paketdienste durch Geschäftspartner anbieten

Und die wirtschaftspolitische Sprecherin der Altonaer FDP, Rose Pauly, weist darauf hin, dass die mittlerweile gängige Vergabe der Postdienstleistungen an Einzelhandelsgeschäfte, anders als von der Post behauptet, nicht immer funktioniere. „Man nehme das Beispiel Sülldorf“, sagt Pauly. „Hier hat der Partnershop geschlossen, sodass die Postkunden nun die Filiale Bahnhofstraße nutzen. Noch jedenfalls.“

Postsprecherin Maike Wintjen ist um Schadensbegrenzung bemüht. „Das Angebot an Post- und Paketdienstleistungen bleibt in Blankenese auch in Zukunft bestehen und wird durch uns sichergestellt“, sagt Wintjen. „Dafür suchen wir derzeit einen Geschäftspartner in der näheren Umgebung, der eine Partnerschaft mit uns eingehen und zusätzlich zu einem bestehenden Geschäft künftig Post- und Paketdienste mit anbieten möchte.“

Die Postbank hält die Filiale für „nicht wirtschaftlich“

Um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen, werde die Postbank ihre Filiale an der Bahnhofstraße in diesem Jahr erst schließen, wenn dieser Partner gefunden sei. Bei Fragen ratloser Kundinnen und Kunden verweist Wintjen auf das Internet. Unter: www.dhl.de/de/privatkunden/dhl-standorte-finden.html seien die nötigen Informationen zu finden.

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Oliver Rittmaier von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Postbank stellt klar, dass die Schließung der Filiale kommen werde, sobald ein neuer Partner gefunden sei. Einen genauen Termin gebe es noch nicht, voraussichtlich werde das endgültige Aus in der zweiten Jahreshälfte kommen. Die Schließung erfolge, weil sich die Filiale nicht mehr wirtschaftlich betreiben lasse.

Noch kein Schließungstermin festgelegt

„Wir treffen diese Entscheidung nicht leichtfertig“, sagt Rittmaier. „Aber nur durch eine stetige Anpassung unseres Filialnetzes können wir langfristig unsere Rentabilität als Unternehmen sicherstellen.“

Entscheidend sei dabei vor allem die Art der nachgefragten Leistungen, nicht die Kundenfrequenz. „Unsere Kundinnen und Kunden informieren wir dann rechtzeitig, wenn ein Schließungstermin feststeht per Aushang, Handzettel und persönlichem Anschreiben“, kündigt Rittmaier an. Dann werde es auch weitere Informationen unter anderem über die neue Partnerfiliale geben.

Keine Entlassungen geplant

Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Entlassungen seien laut Oliver Rittmaier nicht geplant. Die Beschäftigten der Blankeneser Filiale sollen, so die Ankündigung, später in benachbarten Filialen eingesetzt werden.

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