Projekt

Brillen für Myanmar: Hamburger Ehepaar schafft klare Sicht

Vor und nach den Untersuchungen ist die Stimmung unter den Kindern ausgelassen – Angst haben sie nicht.

Vor und nach den Untersuchungen ist die Stimmung unter den Kindern ausgelassen – Angst haben sie nicht.

Foto: www.kinderbrillenmyanmar.de

Thomas Kosinski und seine Frau Sabine Bräuer helfen Kindern in Asien – sie sorgen für Sehtests und Sehhilfen. Wie Sie spenden können.

Hamburg. Wer zwar Zugang zu Bildung hat, aber in der Schule nicht mitkommt, weil er die Schrift in Büchern oder an der Tafel nicht lesen kann, der hat ein ernsthaftes Problem. Der Hamburger Thomas Kosinski und seine Frau Sabine Bräuer wollen das mit ihrem Projekt „Good Seeing – Better Learning“ ändern.

Durch einen Urlaub begeistert von Myanmar, reiste das Ehepaar vor zwei Jahren das erste Mal für längere Zeit nach Mandalay, in die zweitgrößte Stadt des Landes. Damals ließen die beiden sich von Experten zeigen, wie man durch einfache Sehtests feststellt, ob ein Kind genügend sieht und untersuchten etwa 1000 Kinder mit diesem Verfahren. Aktuell ist Kosinski wieder mit seiner Frau vor Ort. „Wir haben gerade die 500 Kinder-Marke erreicht“, sagt er.

Projekt wirkt auch präventiv

Wenn ein Kind schlecht sieht, kümmert sich das Ehepaar darum, dass es in einer Augenklinik vor Ort genauer untersucht wird und gegebenenfalls eine Brille bekommt. Sehr selten kann auch eine Operation nötig sein. Alle so entstehenden Kosten werden übernommen. Die Kinder, die untersucht werden, sind zwischen fünf und acht Jahren alt. Wer so früh schon eine Brille bekommt, hat eine gute Chance, sie mitsamt der Sehschwäche als Erwachsener wieder los zu sein. Das Projekt wirkt so auch präventiv und verhindert größere Schwierigkeiten im Alter. Von 100 untersuchten Kindern haben etwa drei bis fünf tatsächlich Probleme mit den Augen.

Ganz so einfach, wie die Geschichte im Nachhinein klingt, waren die ersten Schritte aber nicht. „Man kann nicht einfach ins Land reisen und sagen, hier bin ich!“, sagt Kosinski. Der erste Kontakt zu den Klosterschulen, die heute von Kosinskis Arbeit profitieren, entstand über den Förderverein Myanmar aus Saarbrücken. Da die Klosterschulen kostenlos sind und im buddhistisch geprägten Myanmar den Großteil des Bildungsangebots ausmachen, erreicht man hier viele Kinder, die die Hilfe gebrauchen können.

Projekt soll noch nachhaltiger werden

Die Suche nach einer geeigneten ärztlichen Versorgung vor Ort fiel anfangs eher schwer. „Man muss viel suchen, viel fragen, viel ausprobieren.“, berichtet Kosinski von den ersten Gehversuchen. Mit dem MEENT Hospital, einer Hals-Nasen-Ohren-Klinik direkt in Mandalay, hat das Projekt aber mittlerweile einen zuverlässigen Partner. „Es gibt die Angebote, man muss die Kinder nur dorthin bringen.“, erklärt Kosinski. Für 2020 hat das Ehepaar sich vorgenommen, das Projekt noch nachhaltiger zu machen. Deswegen lernen momentan viele Lehrkräfte, die Sehtests selbst durchzuführen. So kann das Projekt auch dann weiter laufen, wenn Kosinski und seine Frau mal nicht vor Ort sind.

Ein weiterer Vorteil der simplen Sehtests: Ein paar grundlegende Begriffe auf burmesisch reichen aus, um zu prüfen, ob die Kinder die Symbole richtig erkennen. Für alles Weitere haben Kosinski und seine Frau zwei Projektassistentinnen, die Englisch und Burmesisch sprechen. Aber auch über die sprachliche Barriere hinweg spüren Thomas Kosinski und seine Frau die Dankbarkeit: „Auch wenn es manchmal anstrengend ist, erfahren wir so viel positive Zuneigung.

Projekt finanziert sich durch Spenden

Wir geben etwas, aber kriegen auch so viel dafür zurück.“ Als die beiden vor zwei Jahren das erste Mal mit ihrem Projekt in Myanmar aktiv waren, mussten sie für einige Tage mit Denguefieber ins Krankenhaus. „Fast jeden Tag kam jemand vorbei und brachte uns Suppe.“, erzählt Kosinski. Die Reise- und Aufenthaltskosten werden inzwischen vom Senior Experten Service, einer deutschen Entsendeorganisation für Ehrenamtliche, übernommen.

Die Kosten der Untersuchungen und Brillen deckt das Ehepaar durch Spenden – und ihr privates Vermögen. Um das Projekt weiterführen und ausweiten zu können, sind die beiden deshalb auf private Spender angewiesen. Alle Informationen dazu gibt es auf www.kinderbrillenmyanmar.de.