Elbvororte

Der perfekte Einstieg ins neue Jahrzehnt!

Gastautor  Prof. Jens Weidner im Einsatz: Der  Buchautor ist seit Jahren Dozent an der HWA.

Gastautor Prof. Jens Weidner im Einsatz: Der Buchautor ist seit Jahren Dozent an der HWA.

Foto: Michael Kottmeier

Unser Autor, der Kriminologe und Soziologe Prof. Jens Weidner, weiß, wie 2020 zu einem Erfolg wird und wie man glücklich bleibt.

Hamburg. Fragt man Elbvorortler, wie es beruflich läuft, sind sie zurückhaltend. Man gibt sich skeptisch. Nur nicht zu viel öffentliche Euphorie! Selbst wenn es sehr gut läuft, garantiert das ja nicht, dass es 2020 so weitergehen wird. Fragt man dieselben Personen allerdings privat, sprudelt häufig die Begeisterung. Familie und Freundschaften geben Halt, die Einkommen sind stabil oder steigen. Die Gesundheit bleibt das höchste Gut. Die meisten können ihr normales bis komfortables Leben genießen, und manche können es luxuriös ausbauen. Man kann sich materielle Träume erfüllen, eine schicke Uhr oder den computergesteuerten Rasenmäher. Man kann das Surren eines Öko-Boliden ab 300 PS genießen oder eine kostspielige Handtasche spazieren tragen.

Nicht dass das Materielle überbewertet werden sollte, doch diese Gratifikationen machen vielen Menschen Freude. Vor allem Vorfreude und Vorfreude ist der Schlüssel für ein zufriedenes Leben, weil es ein noch besseres Leben verspricht. Stellen Sie sich deshalb einmal vor, bittet die Neurowissenschaftlerin Tali Sharot, Sie dürften Ihren Lieblingsstar intensiv küssen und er wird Ihren Kuss garantiert und voller Leidenschaft erwidern! Sie brauchen also keine Angst davor zu haben, einen Korb zu erhalten. Sie dürfen sich nun sogar aussuchen, wann dieses spektakuläre Ereignis stattfinden soll: sofort, in 24 Stunden, in drei Tagen, in einem halben Jahr oder in 10 Jahren? Die meisten von Tali Sharots Befragten wählten nicht die sofortige Erfüllung ihres Traums, das wäre zu überraschend – so ihre Begründung – zu plötzlich und außerdem viel zu schnell vorbei. Eine Ausnahme bildet einer meiner Kollegen, denn der wollte sofort küssen, als ich ihm von dem Beispiel erzählte. Seine Nordseeküsten Mentalität folgte der Logik: „was ich hab, das hab ich“.

Wie Sie Vorfreude auslösen

Die meisten von Tali Sharots Befragten denken aber nicht so. Ebenso wenige wählten die 10-Jahres-Option, denn das ist ja noch ewig hin! Wer will sich schon heute darauf festlegen, zukünftig einen alternden Star zu küssen? Der absolute Favorit war daher die 3-Tages-Option: Sie verspricht Vorfreude, die man noch gut aushalten und dann um so mehr genießen kann, denn drei Tage sind absehbar. Sie garantieren Tagträume, Fantasien, Nervenkitzel, Endorphine überschwemmen den Körper und dann endlich: der Kuss.

Schöner geht’s kaum! Oder doch? Sagen Sie Ihrer Liebsten doch folgenden Satz: „Schatz, wenn Du in drei Tagen die rechte Schublade unseres Wohnzimmerschranks öffnest, dann wirst Du da etwas für Dich entdecken, es ist nicht groß, nur eine kleine elegant verpackte Schachtel … aber erst in drei Tagen!“ Dieser kurze Satz reicht bereits, um in Ihrer Partnerin Vorfreude pur auszulösen: schöne Gefühle, Hoffnung, Lebensfreude und Optimismus. Deswegen lieben übrigens viele Berufstätige auch den Freitag, nicht den Sonntag. Obwohl man am Freitag noch schuften muss und obwohl der Sonntag frei ist und man im Pyjama leckere Croissants im Bett frühstücken kann.

Freitag verspricht ein spannendes Wochenende

Doch der Sonntag hat keine Vorfreude, er ist lediglich das Tor zum arbeitsreichen Montag. Der Freitag hingegen verspricht ein spannendes Wochenende, zum Beispiel mit Freunden, auf Partys oder schöne entspannte Stunden zu zweit und diese Vorstellung verbessert das Wohlbefinden ganz erheblich, egal, ob die Wochenendplanung dann tatsächlich wie gewünscht stattfindet. Die Vorfreude kann uns aber nicht mehr genommen werden. Vorfreude hebt die Stimmung, das wissen die Wirtschaft und vor allem auch der Handel genau. Deshalb gibt es oft Wartezeiten bei hochpreisigen Produkten, wie beispielsweise der Kelly Bag. Wartezeit ist Vorfreudezeit, die bei dieser Handtasche bei deutlich über drei Tagen liegt.

Gleiches gilt beim neuen Flitzer oder einem Maßanzug. Dessen Anfertigung kann dauern, folgt aber einer bestechenden Logik: Ein Mann lässt beim Schneider eine Hose anfertigen. Die Fertigstellung soll innerhalb von 14 Tagen erfolgen. Zum verabredeten Termin ist die Hose aber leider nicht fertig. Der Schneider nennt zwei weitere Termine, die er jedoch ebenfalls nicht einhält. Beim vierten Termin klappt es endlich. Der Kunde zieht die Hose in einer Mischung aus Verärgerung und Erleichterung an und meint: „Sie passt, aber warum in aller Welt haben sie vier Monate für die Fertigstellung benötigt, wo Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat?“ Der Schneider erwidert: Mein Herr, schauen Sie sich diese Hose genau an und werfen Sie dann einen Blick auf unsere Welt: welch ein enormer Qualitätsunterschied!

Freuen Sie sich daher bitte auf die Chancen, die Ihnen und uns das neue Jahrzehnt bieten wird und lassen Sie sich nicht von den Schwarzmalern ins Bockshorn jagen, nur weil etwas nicht sofort klappt. Deren Pessimismus wird unsere Welt nicht besser machen, unser Zukunftsglaube aber schon!