Gross Flottbek

Exklusiver Rundgang durch das Neubauprojekt „Röbbek Vier“

Die Vorderansicht der alten Schule mit der markanten Uhr, die aufwendig nachgebaut wurde.

Die Vorderansicht der alten Schule mit der markanten Uhr, die aufwendig nachgebaut wurde.

Foto: Roland Magunia / HA

Unternehmern gelingt eine spektakuläre Verbindung aus Historischem und Neuem. Modellcharakter für ähnliche Vorhaben?

Hamburg.  Es ist eines der ungewöhnlichsten Projekte in der Baugeschichte des Hamburger Westens – eines, das Modellcharakter haben könnte für ähnliche Vorhaben. Im Jahr 2015 hatte die Waterbound Real Estate GmbH (WBRE) die alte Schule an der Straße Röbbek mit dem rund 9000 Quadratmeter großen Areal übernommen.

Das Team um Geschäftsführer Torsten Lietz begann dann damit, das denkmalgeschützte Ensemble inklusive der alten Turnhalle instand zu setzen und in das Neubauprojekt „Röbbek Vier“ zu integrieren. Beim Rundgang mit Torsten Lietz durch die Anlage und dem für das Hamburger Abendblatt exklusiven Blick in die nun entstandenen zwölf Wohnungen zeigt sich: Die alte Schule wurde nicht nur um- und eingebaut, sondern man hat ihr auch erfolgreich neues Leben eingehaucht.

Besondere Aufgabe für Torsten Lietz

Die alten Gebäude, die viele Jahre leer gestanden hatten, mussten ungeheuer aufwendig saniert werden. Gleichzeitig galt es, das Äußere des denkmalgeschützten Ensembles trotz aller Neuerungen nicht grundlegend zu verändern. Mehr noch: Viele verrotte Holzelemente an der Fassade mussten aufwendig nachgestaltet werden. Und: Die vier Einzel- und sieben Townhouses, die Lietz auf dem ehemaligen Schulgelände errichten ließ, sollten optisch zum Schulhaus passen. Schule und Neubauten gruppieren sich jetzt fast kreisförmig um eine zentrale Fläche, die wie ein gewachsener Marktplatz erscheint.

Eine Schule wird hier übrigens schon um 1817 erwähnt – damals gab es dort nur einen Lehrer. Wie eine alte Chronik zeigt, wurde das Hauptgebäude, das heute von der Straßenseite aus gesehen immer noch den Kern der Anlage bildet, 1874 errichtet. Es folgten viele An- und Erweiterungsbauten, die Turnhalle beispielsweise stammt aus dem Jahr 1905. Aus der einstigen Volks- und Realschule wurde 1963 eine Sonderschule für Lernbehinderte, wie das damals hieß. Seit dem Ende der 1970er-Jahre machte sich ein deutlicher Schülerrückgang bemerkbar, Mitte der 80er wurde die Schule dann geschlossen, danach noch eine Weile von der Volkshochschule genutzt.

Teufel steckte im Detail

Als Lietz das Bauprojekt in Angriff nahm, lag das Gebäude in einem tiefen Dornröschenschlaf, der allerdings ebenso tiefe Spuren in der Bausubstanz hinterlassen hatte. Der Teufel steckte im Detail. So entsprach die Statik der alten Schule logischerweise noch nie den Anforderungen, die für Wohnbebauung galten und gelten. Im Laufe der Jahrzehnte kamen unzählige zusätzliche Anforderungen hinzu – allein die Brandschutz-Auflagen füllen jetzt dickleibige Ordner. Als Folge mussten Wände, Böden, Decken und Fundamente erneuert werden, und der aufwendige Brandschutz dürfte jetzt selbst Attacken mit einem Flammenwerfer locker widerstehen.

Die „historischen“ Türen mussten ebenso dem Stil des Hauses angepasst werden wie die Fenster. Eine weitere Neuerung, die vorbeigehenden Passanten vermutlich gar nicht auffällt: Die markante Schuluhr unterhalb des Giebels musste natürlich erhalten bleiben. Da sie allerdings mehr als zehn Jahre nicht gelaufen und völlig verrostet war, ließ sich eine Instandsetzung gar nicht mehr bewerkstelligen. Die Folge: Wie Bauleiter Kolja Schmid erläutert, baute eine Spezialfirma in Süddeutschland die Uhr originalgetreu nach. Nun huschen die Zeiger wieder über ein weißes Ziffernblatt, und im Gegensatz zu früher geht die Uhr auf die Sekunde genau. Denkmalschützer, Anwohner und Uhr-Fetischisten können nun zufrieden sein, auch wenn nur Insider wissen, welcher Aufwand zu welchen Kosten hier getrieben wurde.

Fassade der Rückseite komplett abgetragen

Torsten Lietz, der mehr als 20 Millionen Euro investiert hat, ist bemerkenswert offen und nervenstark. Von immer neuen Herausforderungen und Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Projekt erzählt er erstaunlich gelassen. „Warum soll ich mich groß aufregen“ und „Das ist nun mal so“ sind Sätze, die er oft sagt. Oben im Dach schließt er eine Wohnung auf – natürlich mit Erlaubnis des abwesenden Eigentümers. Aus dem düsteren Dachboden ist eine lichtdurchflutete, großzügige Wohnung mit vielen Holzelementen geworden.

Zur Hofseite wurde – wie bei den anderen Wohnungen – ein Balkon angebaut. Dass dafür die komplette Rückfassade abgetragen und neu aufgebaut werden musste – Torsten Lietz trägt auch das mit Fassung. Besuch bei einer fünfköpfigen Familie, die im ehemaligen Direktorenhäuschen neben dem Haupteingang wohnt. Wo einst gebüffelt wurde und vor 100 Jahren wohl auch regelmäßig der Rohrstock zum Einsatz kam, sitzt Mila am langen Holztisch in der offenen Küche. „Da war die Tafel“ sagt ihr Vater Burkhard, dessen Nachname hier nichts zur Sache tut, mit einer Geste zur Wand. „Hier wurden mal Naturwissenschaften unterrichtet“, weiß Torsten Lietz, Reste des alten Equipments waren beim Start noch vorhanden.

Noch vor wenigen Jahren wurden Gebäude wie die alte Schule rigoros abgerissen. Unternehmern wie Torsten Lietz wird schnell mal Profitgier vorgeworfen, und natürlich sind es Luxusimmobilien, keine Sozialwohnungen, die hier gebaut wurden. Doch was Lietz und sein Team aus der alten Schule gemacht haben, verdient allemal Anerkennung.