Shoppingmeile

Das Elbe Einkaufszentrum wird hübsch gemacht

Gerhard Löwe, Center-Manager des Elbe Einkaufszentrums, steht beim Umbau vor großen Herausforderungen. Gearbeitet wird mit Rücksicht auf die Kunden vor allem nachts.

Gerhard Löwe, Center-Manager des Elbe Einkaufszentrums, steht beim Umbau vor großen Herausforderungen. Gearbeitet wird mit Rücksicht auf die Kunden vor allem nachts.

Foto: Roland Magunia / HA

Mehr Service, mehr Komfort – warum das EEZ an der Osdorfer Landstraße fünf Millionen Euro in den Umbau steckt.

Hamburg.  Die rote Bauarbeiter-Jacke hängt direkt neben der Tür seines Büros. Nach Ostern wird Gerhard Löwe sie oft überstreifen. Denn der Chef des Elbe Einkaufszentrums (EEZ) plant einen großen Umbau. Ab Ostern wird die Shoppingmeile an der Osdorfer Landstraße in vielen Bereichen neu gestaltet. „Wir möchten unseren Kunden noch mehr Service bieten“, sagt Löwe.

Auf den Animationen, die auf seinem Konferenztisch liegen, ist das neue EEZ, im Westen Hamburgs nur „Elbe“ genannt, bereits zu sehen: Mit modernen Toiletten, großzügigen Kunden-Lounges, erweiterten Spielflächen für Kinder und warmen Leuchtsystemen. Fünf Millionen Euro wird die ECE, Betreiber des Einkaufszentrums, in die Auffrischungskur investieren. Im November, also rechtzeitig vor dem Start des Weihnachtsgeschäfts, soll alles fertig sein.

„Wir handeln nach den Wünschen unserer Kunden“, sagt Löwe und deutet auf die Ergebnisse einer Service-Umfrage im April 2018. Die Kunden gaben dem EEZ durchweg gute Zensuren. Auf die 2,0 als Gesamtnote ist Löwe stolz. Ihn stört allerdings, dass sein Center im Bereich „Relax“, also in den Entspannungszonen, nur mit einer 2,3 abgeschlossen hat. Mehr als 25 Prozent der Kunden vergaben hier ein „befriedigend“, sechs Prozent gar Noten zwischen vier und sechs.

Das Einkaufszentrum als Erlebniswelt

Damit kann Löwe nicht zufrieden sein. In der Amazon-Zeit des Shoppens, wo das nächste Buch, das nächste Kleid, das nächste Smartphone stets nur einen Klick entfernt liegt, muss ein Einkaufszentrum mit Zukunftsperspektive einer Erlebniswelt gleichen. „Früher wurden eher einfachere schmucklose Bänke hingestellt; die Kunden sollten sich möglichst in den Läden oder Restaurants aufhalten“, sagt Löwe. Die geplanten neuen Lounge-Bereiche mit bequemen Sesseln und Laptop-Arbeitsflächen mit Ladestationen erinnern dagegen eher an Business-Lounge-Bereiche großer Flughäfen. Die dahinter steckende Arithmetik ist klar: Ein Kunde, der länger in einem Einkaufszentrum verweilt, kauft mehr ein.

Die Entspannung soll möglichst schon bei der Anreise beginnen. Anders als bei der Europa Passage in der Innenstadt steuern das EEZ viele Autofahrer an, jeden Tag passieren 5500 Fahrzeuge die Parkschranken, die erste Stunde der Parkzeit ist frei. Diesen Kunden will Löwe die Anfahrt erleichtern. Genau wie in den Parkhäusern am Flughafen zeigen künftig grüne Lichter freie Parkplätze an, der Autofahrer soll mit einem Blick erkennen, ob sich die Einfahrt auf die betreffende Etage lohnt oder ob der Weg ins nächste Deck lohnender ist.

Dennoch macht die neue Mobilität auch vor dem EEZ nicht halt. Deshalb wird Löwe auch nicht die Zahl der Stellplätze (derzeit 2200) weiter erhöhen, sondern lieber in andere Verkehrskonzepte investieren. So wird Moia – hier sammeln Elektro-Shuttles Nutzer mit ähnlicher Strecke ein und bringen sie dann ans Ziel – am EEZ einen Haltepunkt einrichten, die Bereiche für Car-Sharing und StadtRad werden erweitert, Elektroladestationen eingerichtet.

Präziser Zeitplan

Um die Animationen in die Realität umzusetzen, tüftelt Löwe nun seit Monaten an einem möglichst präzisen Zeitplan. Die Arbeiten, die Staub und Lärm verursachen, sollen vor allem nachts erledigt werden, um die Kunden so wenig wie möglich zu belästigen. Löwe hat reichlich Erfahrung in diesen Bereichen, er verantwortete schon den Umbau der Europa Passage, zuvor brachte er ein Einkaufszentrum in der Nähe von Frankfurt auf Vordermann. Doch diese Aufgabe ist besonders anspruchsvoll, selbst ein so großer Auftraggeber wie ECE hat inzwischen Probleme, Handwerksbetriebe mit Bereitschaft zu Nachtschichten zu finden – auch deshalb werden die Umbauten teuer.

Löwe sieht die Investition als Bekenntnis zum stationären Handel, er ist überzeugt, dass ein gutes Center-Konzept auch die nächsten Jahrzehnte funktionieren wird – trotz Amazon & Co. Etwa jeder dritte der insgesamt 180 Shop-Mietverträge läuft in den nächsten zwei Jahren aus, bei den branchenüblichen Zehn-Jahres-Kontrakten normal angesichts der großen Erweiterung nach dem Umbau im Jahr 2010. Kein Pro­blem, sagt Löwe. Fast überall stünden die Zeichen auf Verlängerung, mehrere große Mieter würden ihre Flächen ebenfalls modernisieren. Das „Elbe“ gilt in der Branche als attraktiv: In der näheren Umgebung leben viele solvente Kunden – im Schnitt ist der Bon eines Käufers im EEZ höher als in den meisten anderen Centern.

Löwe sieht den Schlüssel zum Erfolg auch in der Verbindung zwischen virtueller und realer Shoppingwelt: In acht Geschäften im EEZ kann sich der Kunde schon online ein Produkt reservieren lassen und später abholen.

Eine Erweiterung ist noch offen

Die letzte Folie in der Präsentation, die Löwe derzeit seinen Mietern zeigt, birgt die größte Brisanz. Sie zeigt unter der Überschrift „Projekt 2021“ Außengas­tronomie anstelle eines Teils der Parkfläche. Der Eingangsbereich würde völlig umgestaltet, das Center könnte um bis zu 6000 Quadratmeter erweitert werden. Als das Abendblatt im Februar 2018 über diese Pläne berichtete, löste dies Sorgen bei Einzelhändlern und Gastronomen in der nahe gelegenen Waitzstraße in Othmarschen aus.

Allerdings ist der Titel „Projekt 2021“ etwas irreführend. Noch sei gar nicht entschieden, ob es zu dieser umfangreichen Baumaßnahme überhaupt kommen werde, sagt Löwe: „Wir prüfen derzeit die Machbarkeit der Erweiterung und führen dazu Gespräche mit der Stadt sowie mit verschiedenen potenziellen Mietern.“