Hamburger Luxushotel

Die Direktorin des Louis C. Jacob ist immer im Dienst

Direktorin Judith Fuchs-Eckhoff im Louis C. Jacob.

Direktorin Judith Fuchs-Eckhoff im Louis C. Jacob.

Foto: Andreas Laible

Judith Fuchs-Eckhoff führt das 5-Sterne-Haus an der Elbchaussee. Im Abendblatt spricht sie über wichtige Zielgruppen und ihre Karriere.

Hamburg. Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Dieses Zitat von Konfuzius gefällt Judith Fuchs-Eckhoff sehr. „Da ist etwas dran, ich kann mich damit identifizieren.“ Jeden Tag muss die 52-Jährige freundlich und höflich sein, sich elegant kleiden, Mitarbeiter motivieren, Kunden verständnisvoll betreuen, die Zahlen des Unternehmens und ein ganzes historisches Gebäude im Blick haben. Judith Fuchs-Eckhoff ist die Direktorin im Hotel Jacob an der Elbchaussee.

Seit einem Jahr führt sie knapp 200 Kolleginnen und Kollegen im Hotel und im Restaurant Carls gegenüber der ­Elbphilharmonie. Nach dem überraschenden Abgang des langjährigen Direktors Jost Deitmar und dem kurzen Gastspiel eines anderen leitenden Angestellten hat die große schlanke Frau mit den dunklen Haaren wieder Ruhe ins Jacob gebracht. Schließlich kennt sie das Haus: Ab Mai 2016 hat sie die Marketingabteilung geleitet.

"Ich bin Gastgeberin"

„Ich bin gern Gastgeberin.“ Das sagt Judith Fuchs-Eckhoff aus tiefster Überzeugung, sie hat nach diesem Motto ihr Berufsleben gestaltet. In Hannover geboren, wächst sie in Göppingen zusammen mit einer jüngeren Schwester auf. „Zu Hause wurde Hochdeutsch gesprochen, mein Vater ist sehr stolz auf die norddeutsche Herkunft.“

Nach der mittleren Reife geht sie für ein Jahr auf ein Internat nach Bethel im US-Bundesstaat Maine. Anfang der 80er-Jahre ist ein Schulbesuch in den USA noch nicht so selbstverständlich wie heute. „Eine tolle, grandiose Zeit“, sagt Judith Fuchs-Eckhoff rückblickend und lacht. „Manche Freundschaften aus der Zeit halten bis heute. Damals habe ich Fotografieren als Hobby entdeckt, dem bin ich treu geblieben.“

"Ich war zu jung"

Zurück in Deutschland macht sie Abitur auf dem Christophorus-Gymnasium in Altensteig und will dann Stewardess werden. „Aber das Eintrittsalter bei der Lufthansa war 21, ich war zu jung.“ Also Ausbildung zur Hotel-Fachfrau in einem klassischen Kurhotel in Bad Teinach im Schwarzwald. „Zimmermädchen, Service, Frühstücksdienst, Büfett-Dame, Konditorei, Verwaltung oder Empfang, ich habe alles gemacht. Und am allerliebsten am Gast gearbeitet.“ Judith Fuchs-Eckhoff lächelt, wenn sie von damals erzählt, von den Erfahrungen, die ihr auch heute zugutekommen. „Wenn jemand eigentlich nur ein Tellergericht wollte, aber nach meiner Beratung doch ein Vier-Gänge-Menü bestellt hat, dann hat mich das sehr gefreut.“

Nach der Lehre arbeitet sie eine Wintersaison in der Schweiz und beginnt 1989 ein Studium. „Kulturwissenschaften in Lüneburg. Ich wollte wissen, was das Leben noch zu bieten hat.“ Aber eigentlich sind die Weichen schon gestellt. „Natürlich habe ich in der Gastronomie gejobbt und bin dann letztlich ins Hotelfach zurückgekehrt.“ In Zusammenarbeit mit dem Elysée verfasst sie als Masterarbeit eine empirische Analyse über Unternehmenskultur in einem Hotel. Der erste Job führt sie für knapp zwei Jahre nach Schwerin ins Holiday Inn Crown Plaza. „Das war eine Neueröffnung, ich konnte als Verkaufsleiterin gestalten und viel einbringen.“

Job im "Vier Jahreszeiten"

Der Liebe wegen zieht es Judith Fuchs-Eckhoff schließlich in ihren heutigen Heimathafen Hamburg. „Mein Mann und ich haben uns schon in Lüneburg kennengelernt, er arbeitet hier als Lehrer.“ 1996 fängt sie im Hotel Vier Jahreszeiten an und bleibt der Institution an der Binnenalster 16 Jahre lang treu. „Kein Moment war langweilig in diesem Haus voll Tradition und Geschichte.“

Es folgen 24 Monate lang eine Position im Hotel Atlantic an der Außenalster und die Leitung der Verkaufsförderung bei der Hamburg Tourismus GmbH. „Aber mir fehlte eine Hotelhalle, der Spirit und die Hektik eines Beherbergungsbetriebes.“ Sie gibt die Position auf, die Anfrage von Jost Deitmar, ins Jacob zu wechseln, kommt dann gerade recht. „Das dritte Hamburger Traditionshotel, die dritte Wasserseite, nach Binnen- und Außenalster jetzt die Elbe. Es schließen sich die Kreise.“

In der Freizeit fotografiert sie gern

Was ist das Besondere am Jacob? „Die fantastische Lage als City-Hide-Away-Resort. Wir haben mit der Elbchaussee die längste Hotelauffahrt der Welt.“ Mit 84 Zimmern sei die Größe überschaubar, die Atmosphäre familiär und herzlich. „Wir wollen mit unseren Gästen eng verbunden sein. Wir wollen, dass sie sich zu Gast bei Freunden fühlen.“

Rund 60 Prozent der Besucher sind Stammgäste aller Altersklassen. Zu besonderen Festen reisen ganze Familien an, um in Nienstedten zusammen zu sein und eine schöne Zeit zu haben. „Für Gruppen bis zu 40 Personen sind wir das ideale Ziel bei einer Hamburg-Reise.“ Überdies sind Jacobs Restaurant und die Weinwirtschaft im Hamburger Westen fest im gesellschaftlichen Leben verankert.

Meist ist Judith Fuchs-Eckhoff gegen neun Uhr im Hotel, wirft einen schnellen Blick in die Zeitungen und bricht zur ersten Runde durchs Haus auf. „Ich gucke bei den Gästen vorbei, wenn sie frühstücken, stelle mich vor, beantworte Fragen.“ Es folgen Besprechungen mit Abteilungsleitern, der Küche und dem Service, Termine, Veranstaltungen, Verwaltungsaufgaben und weitere Rundgänge. Natürlich prüft sie, ob gut Staub gewischt wurde und alles adrett ist. „Wenn mir etwas auffällt, fotografiere ich das und gebe die Beobachtung weiter.“ Selten endet der Arbeitstag vor 19 Uhr.

Denn immer wieder gibt es Kontakt zu den Gästen. Meist erfreuliche, aber in Zeiten von Social Media und Bewertungsportalen im Internet auch öfter Beschwerden oder Kritik. „Wenn Mängel auf dem Feedback-Bogen vermerkt sind, rufe ich die Gäste an. Damit lassen sich viele Punkte aus der Welt schaffen. Gutes Beschwerde-Management kann Stammkunden generieren.“ Sollte der Ton trotzdem mal unfreundlich werden, dann dürfe man das nicht persönlich nehmen.

Der Austausch mit den Mitarbeitern ist ihr ebenso wichtig. „Meine Tür steht immer offen.“ Inspirierende und motivierende Führung, Ideen und Unterstützung dürfen die Kolleginnen und Kollegen erwarten. „Ich will dicht dran sein.“ So fotografiert sie die neuen Azubis und lernt deren Namen. „Die jungen Leute sollen ernst genommen werden.“

Von ihrer Mannschaft erwartet sie, dass sie mit Freude im Jacob arbeitet. „Sie sollen ihre Tätigkeiten wirklich lieben, Augen und Ohren immer offen halten, sich jeden Tag auf die neuen Herausforderungen einstellen. Wir sind ein Team, auch wenn ich am Ende des Tages für den unternehmerischen Erfolg zuständig bin. Ich habe zwei wichtige Zielgruppen: die Gäste und die Mitarbeiter.“

Letztere sollten auch die Geschichte des Betriebes kennen und leben, um die Zukunft gestalten zu können. „Mein Ziel ist es, dass jeder Mitarbeiter versteht, in welchem Traditionshaus er arbeitet, und Fragen zur Historie, zu Bauabschnitten oder bestimmten Bildern beantworten kann.“

Judith Fuchs-Eckhoff hat eine einleuchtende Idee von einem Hotel. „Es sollte so sein, als wenn man sich zu Hause Gäste einlädt. Putzen, aufräumen, Tisch decken, sich selbst hübsch machen. Ein Hotel macht das nur im größeren Rahmen. Man muss sich nicht verstellen, um Gastgeber zu sein.“

Immer eine Reise wert

Hamburg und damit das von ihr geführte Haus sind immer eine Reise wert. „Das Wasser, der Hafen, die Elbphilharmonie, Veranstaltungen in der Arena und die Kompaktheit der Stadt ziehen die Leute an.“ Gleichwohl möchte sie das Jacob bekannter machen bei Hamburg-Besuchern als City- ­Hide-Away-Resort. „Es müssen sich nicht alle in der Innenstadt drängeln. Blankenese und das Treppenviertel sind bei uns um die Ecke, wir haben eine tolle Lindenterrasse mit Blick auf die Elbe.“

Wer so mit dem Hotel-Dasein verbunden ist wie Judith Fuchs-Eckhoff, ist quasi immer im Dienst. „Natürlich gucke ich dienstlich und privat, was andere Betriebe machen, und nehme Anregungen mit. Wie läuft der Service, wie sieht dort die Teekarte aus, bekomme ich einen persönlichen Gruß aufs Zimmer? Wenn man nur in seinem Kokon verharrt, kann man sich auch nicht weiterentwickeln.“

Wenn die 52-Jährige Zeit hat, puzzelt sie gern in ihrem Garten in Eppendorf herum oder fotografiert. Aber das Privat- und Familienleben ist mitunter schwierig zu organisieren. „Mein Mann wusste ja, in welcher Branche ich arbeite“, sagt die Hoteldirektorin und lobt den Angetrauten sofort. „Er unterstützt mich sehr.“ Und dass es über Silvester eben keinen Winterurlaub mehr gibt, damit leben der Ehemann und der gemeinsame Sohn. Der 17-Jährige macht sogar seine Wäsche selbst und hat als kleiner Junge gern seine Mutter am Abend ins Kinderzimmer-Restaurant eingeladen. „Er ist mit der Hotellerie aufgewachsen und macht in zwei Jahren Abitur. Mal sehen, ob es ihn in die Branche zieht.“

Die Skiferien mit Clique im März, der Oster-Ausflug mit Eltern und Schwester nach Sylt sowie die Sommerferien mit Mann und Sohn in der Toskana sind ihr heilig. „Aber da nehmen wir eine Ferienwohnung. Ich möchte selbst kochen und den Tisch decken. Ich bin eben gerne Gastgeberin.“