Blankenese & Co.

Reich, mächtig – alles nur Vorurteile über die Elbvororte?

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Katy Krause
Die Vorstellung des Malers Ole West von den Elbvororten

Die Vorstellung des Malers Ole West von den Elbvororten

Foto: Ole West

Über Hamburgs westlichste Stadtteile gibt es viele Vorurteile. Oder wussten Sie, dass gerade hier besonders viele Kinder leben?

Hamburg. Das einmal vorweg: Die Blankeneser sind nicht so reich, wie es ihnen immer unterstellt wird. Dafür gehen sie aber anscheinend oft zum Arzt. Denn in diesem Stadtteil finden sich mit Abstand die meisten niedergelassenen Ärzte der Elbvororte. Es sind auch deutlich mehr als im hamburgweiten Vergleich. Es gibt so einiges, was über die Elbvororte vermeintlich gewusst wird, und anderes, was vielen neu sein dürfte. Hier einige Fakten.

Nur das sind die echten Elbvororte

Die Elbvororte sind vielen Hamburgern ein Begriff. Im Unterschied zu den Walddörfern gibt es aber keine klare Definition. Immobilienmakler dehnen die Grenzen deshalb gern aus. Denn in den Elbvororten zu wohnen ist bekanntlich schick. Die Lage ist begehrt, was sich in den Immobilienwerten niederschlägt.

Unumstritten gehören die Stadtteile Othmarschen, Nienstedten, Blankenese, Rissen und Iserbrook (das bis 1950 zu Blankenese gehörte) dazu. Diese Stadtteile zeichnen sich durch ihre Lage an der Elbe aus. Im weiteren Sinne werden Osdorf (hier besonders das Villenviertel Hochkamp) sowie Sülldorf und Groß Flottbek einbezogen. Das macht aufgrund der ähnlichen Baustruktur durchaus Sinn. Die Elbvororte zeichnen sich durch die vielen Villen und Einzelhäuser auf großen Grundstücken aus. Im weiteren Sinne lassen sich Ottensen und Teile Wedels aufgrund der Elblage zu dem Gefüge hinzurechnen.

So reich sind die Blankeneser

Das Blankeneser Treppenviertel ist zum glitzernden Symbol für den Stadtteil geworden, den viele mit Wohlstand und Reichtum verbinden. Mit einem Durchschnittseinkommen von 101.406 Euro pro Jahr und Bewohner zählt Blankenese zu den reichen Hamburger Stadtteilen. Das stimmt. Es ist aber nicht der reichste – nicht einmal im Hamburger Westen. Laut statistischem Landesamt liegen die Einkommen in den benachbarten Stadtteilen Nien­stedten (138.941 Euro) und Othmarschen (104.692) höher. Dazu muss man aber wissen, dass die letzte Einkommenserhebung aus dem Jahr 2010 stammt.

Das zeichnet die Elbvororte aus

Reichtum ist ein markantes Merkmal der Region. „Auffällig an den Elbvororten ist die Einkommens- und Vermögenssituation“, sagt auch Alkis Henri Otto. Der Professor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts leitet den Forschungsbereich „Hamburg, Städte und Regionen“. Es handele sich dabei zum einen um gewachsene Strukturen durch weitervererbtes Vermögen. „Zum anderen gehören Stadtteile wie Nienstedten, Blankenese und Othmarschen zu den einkommensstarken und teuren Wohnlagen Hamburgs und ziehen andere einkommensstarke Bewohner an“, so Alkis.

Das hohe Einkommen der hiesigen Bewohner bringt weitere Besonderheiten mit sich. Laut statistischem Landesamt zeichnen sich die Elbvororte im Vergleich zum Hamburger Durchschnitt durch eine geringe Zahl an Arbeitslosen, an Hartz-IV-Empfängern, an Kindern in Mindestsicherung, an Ausländern und Sozialwohnungen aus. Auch die Zahl Alleinerziehender­ ist hier vergleichsweise niedrig. Dafür ist der Anteil von Schülern an Gymnasien höher – genauso wie die durchschnittliche Wohnfläche je Einwohner und die Pkw-Dichte. Auch die hohen Immobilienpreise fallen natürlich auf.

Deshalb ist Blankenese voller Ärzte

Die Zahl ist erstaunlich: In Blankenese haben sich laut statistischem Landesamt 103 Ärzte niedergelassen. Das ist deutlich mehr als in jedem anderen Stadtteil in den Elbvororten und im hamburgweiten Vergleich fast dreimal so hoch wie die durchschnittliche Versorgung. Von den 103 Ärzten sind 26 Zahnärzte. Das ist doppelt so hoch wie die Hamburger Quote. Hinzu kommen sechs Apotheken – ein weiterer Spitzenwert. Gibt es in Blankenese besonders viele Kranke oder sehr vorsorgliche Bewohner? Laut der Hamburger Ärztekammer hat die hohe Zahl verschiedene Gründe. „Allgemein kann man sagen, dass es mehr Ärzte in Gebieten gibt, in denen die Einkommensstruktur hoch ist, weil dort die Zahl an Privatpatienten höher ist“, erklärt Sandra Wilsdorf, Sprecherin der Ärztekammer. Ärzte ließen sich zudem gern an Verkehrsknotenpunkten nieder, die für die Patienten gut erreichbar seien und wo viele Menschen wohnten und arbeiteten.

Möglich ist die Ballung in Blankenese, weil Hamburg als ein Zulassungs­gebiet betrachtet wird. „Ein Arzt, der also eine Zulassung ersteht, muss die Praxis nicht dort lassen, wo er sie übernommen hat“, so Wilsdorf. Sie vermutet, dass in Blankenese zudem die Stadtrandlage eine Rolle für die hohe Ärztedichte spielt. „Denn in Hamburg kommt ein Drittel der Patienten aus dem Umland“, sagt Wilsdorf.

So teuer wohnt es sich

„Wohnungspreise beziehungsweise Mieten spielen eine wichtige Rolle für die Stadtteilentwicklung und die Stadtteilwahl der Bewohner, da sie quasi die Eintrittsgebühr für ein Quartier sind“, sagt Professor Otto. Diese Gebühr ist in den Elbvororten besonders hoch. Die Grundstückspreise liegen laut aktuellen Zahlen des statistischen Landesamts in Blankenese (1431 Euro pro Quadratmeter) dreimal so hoch wie der Hamburger Durchschnitt von 558 Euro pro Quadratmeter. Auch in Othmarschen und Nienstedten wird mit 1232 Euro sowie 1124 Euro der Quadratmeter teuer bezahlt. Am niedrigsten sind die Grundstückspreise in Iserbrook (489) und Rissen (510), die damit unter dem Hamburger Durchschnitt liegen.

Die Anschaffungspreise schlagen sich auf die Mieten nieder. In Nienstedten, Blankenese und Othmarschen liegen sie bei rund 15 Euro pro Quadratmeter – mehr zahlt man nur in der HafenCity und auf der Uhlenhorst.

Entspannter sind Preise in Iserbrook und Rissen mit etwa 11 Euro den Quadratmeter. In Sülldorf wohnt es sich mit 10 Euro durchschnittlich betrachtet am günstigsten.


Hier gibt es Sozialwohnungen

Die Verteilung von Sozialwohnungen ist in den Elbvororten sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Allgemein ist die Anzahl sehr niedrig. Am auffälligsten ist dabei Nienstedten, wo es nicht eine einzige gibt. Aber auch in Flottbek (36) und Blankenese (32) ist der Anteil gering.

Allein Osdorf steht anders da. Grund ist das dicht besiedelte Quartier Osdorfer Born. Mit 1200 Wohnungen gibt es in Osdorf dadurch mit Abstand die meisten Sozialwohnungen. Noch. Denn viele fallen aus der Bindung. Für 2015 wies die Statistik noch 1983 Sozialwohnungen aus. Überhaupt sorgt der Stadtteil Osdorf mit dem Born-Quartier aufgrund der gegensätzlichen Sozialstruktur statistisch betrachtet für den Ausgleich in den Elbvororten.

So alt sind die Elbvorortler

„Über die Stadtteile hinweg schwankt der Anteil der über 65-Jährigen stark, wobei die älteren Bürger vor allem in den Randgebieten Hamburgs wohnen“, stellt Professor Otto dazu fest. In Rissen (30,6 %), Blankenese (27,2 %), Iserbrook (25,3 %) und Nienstedten (25,6 %) machen die Rentner bereits einen erheblichen Anteil an der Stadtteilbevölkerung aus. Zum Vergleich: Hamburgweit liegt der Durchschnitt der über 65-Jährigen bei 18,7 Prozent. Über diesem Wert liegen alle Stadtteile in den Elbvororten.

Gleichzeitig ist die Region überdurchschnittlich, was die Zahl der unter 18-Jährigen angeht. In Hamburg macht diese Altersgruppe 16,2 Prozent der Bevölkerung aus. In Groß Flottbek, Nien­stedten, Osdorf und Othmarschen liegt der Anteil bei 20 Prozent und mehr. Somit wohnen in den Elbvororten also überdurchschnittlich viele Senioren, aber auch Familien, die sich viele Kinder leisten.

So lebt es sich in den Elbvororten

Die Bewohner der Elbvororte wohnen auf großem Fuß. Am meisten Platz beanspruchen die Nienstedtener für sich. Mit einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 124 Quadratmetern lassen sie alle anderen Stadtteile der Elbvororte hinter sich. Doch sogar die Iserbrooker, die durchschnittlich betrachtet mit den wenigsten Quadratmetern auskommen (83,7), liegen über dem Hamburger Durchschnitt von 75,9 Quadratmetern.

Zur großen Wohnung gehört mindestens ein Fahrzeug. Die Pkw-Dichte, die das Statistikamt für die Elbvororte ausweist, spricht da eine deutliche Sprache. Auch hier führen die Nienstedtener die Liste an. Mit 500 Fahrzeugen je 1000 Einwohnern sind in diesem Stadtteil die meisten Autos angemeldet. Allgemein ist die Fahrzeugfülle in den Elbvororten überdurchschnittlich stark. Nur Osdorf ist mit 341 Pkw je 1000 Einwohnern ziemlich genau im Hamburger Durchschnitt.

Hier wachsen die Elbvororte

Wie im gesamten Stadtgebiet steigt die Zahl der Bewohner auch in den Elb­vororten. Besonders stark wächst Othmarschen. In diesem Stadtteil nahm die Bevölkerung in den vergangenen Jahren am meisten zu, was mit den erschlossenen Neubaugebieten zu tun haben dürfte. Im Jahr 2015 wuchs der Stadtteil laut Melderegister um 5,8 Prozent. Für das Jahr 2016 zeigt der Wanderungssaldo noch einmal einen Zuwachs von 866 Bewohnern bei einer Einwohnerzahl von 14.893.

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