Blankenese

Investoren pumpen Millionen ins Elbwasserwerk

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Katy Krause
Das ehemalige Wasserwerk am Falkensteiner Ufer wird saniert. Die Gebäude haben danach eine Wohnfläche von insgesamt 2500 Quadratmetern

Das ehemalige Wasserwerk am Falkensteiner Ufer wird saniert. Die Gebäude haben danach eine Wohnfläche von insgesamt 2500 Quadratmetern

Foto: Michael Rauhe / HA

Denkmalgeschütztes Industriebauwerk wird aufwendig saniert und umgebaut. 2017 sollen erste Bewohner einziehen.

Hamburg.  Im Boden klafft ein riesiges Loch. 160 Containerladungen Schutt wurden abgetragen, um den großen Raum unterhalb der Maschinenhalle freizulegen. Die dabei zutage gebrachten Fliesen stammen aus den Glanzzeiten des 1859 erbauten Pumpwerks. Für ihr hohes Alter und die Umstände, unter denen sie die Zeit überdauern mussten, sind die Fliesen erstaunlich gut erhalten. Die neuen Hauseigentümer Stephanie Siewert und Andreas Hanitsch wussten vor dem Immobilienkauf allerdings von dem gefliesten Keller nichts. Sie stießen zufällig darauf. „Bei Probebohrungen fand man den Raum“, berichtet Siewert.

Historische Daten

Als der Schutt weg war, wurden erneut die Bohrer angesetzt, um den Boden und die Stabilität des Gebäudes zu ergründen. Wieder wurde man fündig. Diesmal handelte es sich um Fundamente der alten Dampfmaschinen, die hier einst ihren Dienst taten. Alles soll möglichst erhalten bleiben. „Wir planen nun Kellerwände um die Fundamente herum“, sagt Siewert, die in den vergangenen Monaten gelernt hat, Ruhe zu bewahren und sich unerwarteten Gegebenheiten anzupassen.

Eine besondere Immobilie

Es ist eben eine besondere Immobilie, die die gelernte Bankkauffrau und ihr Lebensgefährte im Jahr 2015 von der Stadt erworben haben. Das 17.000 Quadratmeter große Grundstück erstreckt sich direkt vom Elbhang am Falkensteiner Ufer bis zum Wasser. Zu dem Areal gehört ein Haus am Strand, wo einst der Werkleiter wohnte, sowie mehrere Gebäude auf der anderen Seite der Straße. Dazu gehören ein Mehrfamilienhaus für einstige Mitarbeiter, die alte Maschinenhalle, ein Nebengebäude sowie das Pumpwerk selbst. „Das sind etwa 2500 Quadratmeter Wohnfläche“, sagt Hanitsch.

Damit aus dem geschichtsträchtigen Industriebauwerk, das in den vergangenen Jahrzehnten ein relativ ungenutztes Dasein fristete, ein Zuhause für neue Elbuferbewohner werden kann, laufen die Maschinen auf Hochtouren. Die Außenfassade des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wird mit Wasser und einem Sandstrahler behutsam gereinigt.

„Jeder verbaute Stein wurde erfasst“

Im Nebengebäude, aus dem ein 160 Quadratmeter großes Einfamilienhaus werden soll, arbeiten Handwerker derzeit an der Decke. Hier muss die alte Farbe runter. An einer Mauer klafft ein X, die soll und darf weg. In einem kleinen Raum im Hauptgebäude liegen auf einem Tisch verteilt Baupläne und zahlreiche Backsteine in verschiedenen Farbnuancen. Es geht darum, welche zum Gebäude passen und in großen Mengen nun gebrannt werden sollen.

„Jeder hier verbaute Stein wurde erfasst“, berichtet Siewert. Sogar die Fugen wurden begutachtet. „Das Gebäude wird sehr behutsam und in Absprache mit dem Denkmalschutzamt saniert und umgebaut“, sagt Hanitsch. Das kostet viel Arbeit und viel Geld. Das Investitionsvolumen beziffern die Immobilieneigentümer, die gern in denkmal­geschützte Gebäude, aber auch Start-ups investieren und in diesem Fall auch selbst einziehen wollen, auf etwa zehn Millionen Euro.

Um die Kosten zu decken, werden die entstehenden Lofts, Ateliers und Wohnhäuser samt jeweils kleinem Grundstück verkauft. Für ein 160 Qua­dratmeter großes Loft mit Elbblick müssen die Käufer dann knapp eine Million Euro investieren. Obwohl noch nicht einmal ein detailliertes Bauschild draußen steht, gibt es bereits zahlreiche Anfragen, eine sogar mit Bewerbungsschreiben und Fotos der Familie, die gern die neuen Nachbarn von Hanitsch und Siewert werden wollen.

Kleine Konzerte im Pumphaus geplant

„Wir werden jetzt anfangen, die ersten Gespräche zu führen“, sagt der gelernte Unternehmensberater Hanitsch. In der kommenden Woche soll noch vor dem Frost die Bodenplatte gegossen werden, anschließend geht es an den Innenausbau der Wohnungen. Im Juni sollen sie als Rohbau an die neuen Eigentümer übergeben werden, die sie dann nach ihren Vorstellungen gestalten können.

Hanitsch und Siewert haben bereits genaue Vorstellungen, wie ihre zukünftige WG aussehen soll. „Gerne können hier auch Familien mit Kindern einziehen“, sagt Hanitsch. Beide planen für ihre insgesamt fünf Kinder auch zahlreiche Gästezimmer ein. Das alte Industriebauwerk soll sich mit Leben füllen. Deshalb planen die beiden Hamburger, die auch sehr kulturell interessiert sind, zahlreiche Veranstaltungen.

Unter anderem sind Filmabende, Ausstellungen sowie kleine Konzerte im Pumphaus geplant. Dort werden weiterhin die Maschinen zu sehen sein. Zudem kann sich Siewert gut vorstellen, dass im bereits fertigen Spiegelsaal oberhalb des Pumphauses standesamtliche Trauungen abgehalten werden. „Wir wollen beim Bezirksamt mal anfragen, ob das geht“, so Siewert.

Die Allgemeinheit profitiert ohnehin sehr von der Wiederbelebung. Denn im Zusammenhang mit dem Verkauf wurde auch ein Teil des Grundstücks am Elbstrand an die Stadt abgetreten. Hier wird eine neue Wegeverbindung voraussichtlich von Februar an entstehen, sodass Spaziergänger länger an der Elbe entlangwandern können und von dort den Blick aufs restaurierte Pumphaus genießen können.

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