Nienstedten/Ottensen

Für Radfans ist dieser Fund eine echte Sensation

Stolz: Lars Amenda (v. l.), Bert Drignat
und Nico Thomas vom ABC

Stolz: Lars Amenda (v. l.), Bert Drignat und Nico Thomas vom ABC

Foto: Klaus Bodig / HA

Der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 erhielt überraschend eine symbolträchtige, verschollene Standarte zurück.

Hamburg.  Es war einer dieser Momente, deren große Bedeutung man gleich erfassen kann: Der „Altonaer Bicycle-Club von 1869/80“ (ABC) präsentierte auf den Altonaer Bicycle Days kürzlich seine restaurierten Räder, als sich das Ehepaar Zingel beim Vorstand meldete. Man habe da etwas gefunden und sei nicht sicher, ob es für den Verein von Interesse sein könnte. Was die beiden dann aus ihrem Gepäck holten, war nicht nur interessant, sondern geradezu sensationell: eine kunstvoll gearbeitete Standarte des ABC, die aus dem Jahr 1881 stammt und seit Jahrzehnten als verschollen galt. „Niemand von uns hätte im Traum daran gedacht, dass dieses Stück Club- und Fahrrad­geschichte überhaupt noch existiert“, so Lars Amenda, Zweiter Vorsitzender des Vereins. Wie alte Fotos zeigen, wurden derartige Fahnen bei Ausfahrten mitgenommen und dann feierlich präsentiert. Die Teilnehmer konnten so deutlich machen, zu welchem Club sie gehörten und aus welcher Region sie angeradelt waren.

Standarte beinahe in den Müll geworfen

Die symbolträchtige Standarte passt zu keinem Club besser als zum ABC – denn er ist der älteste Radfahrverein der Welt. Er wurde am 17. April 1869 unter dem Namen Eimsbüttler Velozipeden-Reit-Club in Eimsbüttel („bei Hamburg“) gegründet. Unglaublich: Schon 1974 hatten die Zingels das kostbare Stück auf dem Dachboden ihrer damaligen Ottenser Wohnung entdeckt und seitdem aufgehoben. Mehrmals sei die Standarte beinahe auf den Trödelmarkt oder in den Müll gewandert, doch aus sentimentalen Gründen verwahrten die Eheleute sie dann doch immer weiter.

Ortswechsel. Der ABC-Vorstand radelt samt Standarte stilecht auf die Wiese beim Jenischhaus. Der Treffpunkt ist mit Bedacht gewählt: Die (heutigen) Elbvororte waren um 1900 ein beliebtes Ausflugsziel der Radler. Die kunstvolle Stickarbeit mit dem Radlergruß „All Heil!“ entstand innerhalb weniger Wochen in Handarbeit. Und: Obwohl die Antiquität über Jahrzehnte alles andere als sachgerecht gelagert worden war, ist sie fast unbeschädigt, nicht mal Mottenlöcher sind zu sehen.