Hamburg

Politiker und Bürger fürchten Verkehrskollaps in Rissen

Der einfache Bahnübergang mit Schrankenanlage in der Straße Sieversstücken in Sülldorf soll nun wohl doch nicht durch eine Brücke ersetzt werden

Der einfache Bahnübergang mit Schrankenanlage in der Straße Sieversstücken in Sülldorf soll nun wohl doch nicht durch eine Brücke ersetzt werden

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Die Brücke über die Bahngleise in Sülldorf wird wohl doch nicht gebaut – Opposition nennt die Alternativplanung „irrwitzig“.

Rissen.  In Rissen könnte es in den kommenden Jahren ein beispielloses Verkehrschaos geben – das jedenfalls fürchten Bezirkspolitiker und Bewohner des Stadtteils. Der Anlass: In der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses teilten Vertreter der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) mit, dass es die für die Überquerung des Bahnübergangs auf Höhe der Straße Sieversstücken geplante Brücke über die Bahngleise nicht geben werde.

Auch die komplette Umgestaltung des Bahnübergangs, die zeitweise erwogen wurde, ist offenbar vom Tisch. Stattdessen verfolgt die Behörde jetzt einen Plan, nach dem der Autoverkehr umgeleitet werden soll. Gegen diese sogenannte Hybrid-Lösung gibt es vor Ort massiven Widerstand.

Bahnübergang muss laut Gesetz nachgerüstet werden

Zum Hintergrund: Im Rahmen des Bebauungsplans Rissen 45 soll das Gelände in der Nähe des Asklepios Klinikums West nachverdichtet werden. Nördlich vom Krankenhaus sollen 600 neue Wohneinheiten entstehen, 400 davon bis 2027 ausschließlich für Flüchtlinge.

Beim Überqueren der Bahngleise reichte bisher ein einfach beschrankter Übergang aus. Mit der nun anstehenden Nachverdichtung muss er aufgerüstet werden – so will es das Gesetz.

Planer wollen Autos umleiten lassen

Die Planer favorisieren jetzt eine Lösung, die der verkehrspolitische Sprecher der Altonaer CDU-Fraktion, Tim Schmuckall, als „irrwitzig“ bezeichnet. Um die Verkehrsströme zu entzerren, sollen die Autos weiterhin aus Richtung Sülldorfer Landstraße in die Straße Sieversstücken einfahren – aber nicht wieder hinaus. Der „Rückverkehr“ aus Richtung Flüchtlingsdorf und Neubaugebiet soll nach Westen über den Straßenzug Klövensteenweg/Achtern Sand zur Sülldorfer Landstraße geleitet werden.

Ausnahmen gibt es nur für Beschäftigte und Besucher des Krankenhauses. Geplant ist dafür eine Einbahnstraßen-Regelung, die aus Kritikersicht den Ortskern mit zusätzlichen Verkehrsströmen massiv belasten wird. „Hier wird die Lösung ,schnell und billig‘ favorisiert“, sagt CDU-Politiker Schmuckall.

CDU will neuen Antrag einbringen

Auch SPD-Verkehrsexperte Henrik Strate zeigt sich von dem Vorschlag irritiert. „Nach meinem Eindruck gibt es da noch eine Menge Klärungsbedarf“, so Strate, der auch Vorsitzender des Planungsausschusses ist. Die CDU will nun einen Antrag einbringen, die Brückenlösung nicht zu den Akten zu legen. Außerdem will Schmuckall eine öffentliche Anhörung.