Hamburg

Elbphilharmonie zeigt Schwarzhändler an

Ziel großer Begehrlichkeiten: die Elbphilharmonie. Karten für Konzerte sind nur schwer zu bekommen

Ziel großer Begehrlichkeiten: die Elbphilharmonie. Karten für Konzerte sind nur schwer zu bekommen

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Konzerthaus geht gegen eine „Handvoll“ Verkäufer vor und prüft Änderungen am Ticketing-System. Die wichtigsten Fragen.

Hamburg. Die Empörung entlädt sich in den Kommentarspalten auf Facebook. „So geht es jedenfalls nicht“, schreibt einer; „Warum bekommen die Höker viele Tickets, aber andere nicht?“, fragt ein anderer. Viele Nutzer sind ebenso frustriert über technische Schwächen im Ticket-Shop der Elbphilharmonie wie wütend über einen florierenden Schwarzmarkt mit absurd überteuerten Preisen. Mit Strafanzeigen und Veränderungen will das Konzerthaus nun gegensteuern. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie lief die Vergabe der neuen Tickets für Konzerte in der Elbphilharmonie?

Auf der Facebook-Seite der Elbphilharmonie sprachen die Mitarbeiter davon, dass sie der Ansturm „in Atem halte“: Am Mittwoch gegen 11 Uhr waren bis zu 25.000 Kaufinteressenten auf der Seite des Ticket-Shops, über den Tag verteilt insgesamt 75.000 Nutzer – bei nur 23.000 Tickets für die Sommerkonzerte im Online-Verkauf. „Die Mehrzahl der Käufe hat gestern auch reibungslos geklappt, nach 90 Minuten waren online alle Sommer-Tickets weg, und die Server haben dem großen Andrang standgehalten“, heißt es. Nutzer widersprechen dieser Darstellung teils scharf: Nach langen Wartezeiten ließen sich Tickets demnach nicht tatsächlich auswählen oder kaufen. Die Elbphilharmonie entschuldigte sich bei denjenigen, die mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Es werde daran gearbeitet, die Mängel abzustellen.

Wie groß ist der Schwarzmarkt für Elbphilharmonie-Tickets?

Allein bei Ebay und der Ticketbörse Viagogo werden aktuell jeweils etwa 100 Ticketpakete angeboten. Für zwei Eintrittskarten für das Konzert von James Newton Howard am 29. November ruft ein Verkäufer etwa einen Preis von 2750 Euro ab – in der Mehrzahl sind die verkauften Tickets deutlich günstiger, aber kosten weit mehr als das Doppelte des regulären Preises. Angesichts von insgesamt 500.000 Eintrittskarten für das Eröffnungshalbjahr geht die Elbphilharmonie davon aus, dass „nicht einmal ein Tausendstel“ aller Tickets von Schwarzhändlern angeboten werden.

Wie können die Tickets auf den Schwarzmarkt gelangen?

Die Tickets für die Konzerte sind weiterhin nicht personalisiert – wer im Online-Shop die Freigabe zum Kauf von Tickets erhält, kann zudem auch für eine Vielzahl von Konzerten jeweils maximal vier Tickets erwerben. Hier liegt der größte Kritikpunkt am Vergabesystem. Unter den auf dem Schwarzmarkt angebotenen Eintrittskarten sind auch bereits Tickets aus dem Kontingent von 38.000 Karten, die erst am Mittwoch für den Verkauf freigegeben worden waren.

Wie ist die Rechtslage beim Weiterverkauf von Tickets?

Ein Polizeisprecher sagte, auch der Verkauf von Tickets zu völlig überhöhten Preisen sei grundsätzlich keine Straftat. „Es handelt sich um keinen Betrug, da die Käufer nicht absichtlich in die Irre geführt werden. Auch ein Wucher scheidet als Straftatbestand aus, da keine Notsituation der Käufer ausgenutzt wird“, so der Sprecher. Anders verhält es sich bei der Verbreitung von gefälschten Tickets, hierfür drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Werden Tickets von Privatleuten gewerbsmäßig verkauft, liegt jedoch ein Verstoß gegen die Geschäftsbedingungen der Elbphilharmonie vor. Für die Käufer der Tickets drohen allerdings keine Konsequenzen. Laut Julia Rehberg von der Hamburger Verbraucherzentrale lassen sich weiterverkaufte Eintrittskarten durch den Veranstalter in der Regel nicht ungültig machen, wenn diese nicht bereits von Anfang an einer klaren Person zugeordnet waren. „Man sollte sich aber fragen, ob man diesen Markt wirklich unterstützen will“, so Rehberg auf Abendblatt-Nachfrage.

Wie reagiert die Elbphilharmonie auf den Schwarzmarkthandel?

Die Elbphilharmonie hat Strafanzeige gegen eine „Handvoll“ namentlich bekannter Personen erstattet, die Tickets im größeren Stil im Internet weiterverkauft haben sollen. Zuvor hatte die „Hamburger Morgenpost“ über diesen Schritt berichtet. Der rechtliche Hebel ist in diesem Fall der Vorwurf der Steuerhinterziehung, wenn Verkäufer kein Gewerbe angemeldet haben und den Handel mit den Tickets offenbar gewerbsmäßig betreiben. Darüber hinaus kündigte die Leitung des Konzerthauses an, Änderungen am System der Ticketvergabe zu prüfen. Über Details wolle man erst sprechen, wenn man eine „optimale Lösung“ habe.

Warum werden die Tickets nicht personalisiert?

Die Leitung des Konzerthauses hält von einem solchen Schritt aus praktischen Gründen nichts. „Die Einlasskontrollen wären viel zu aufwendig“, sagte ein Sprecher der Elbphilharmonie. Der absolute Großteil der Käufer, die regulär ein Ticket für eines der Konzerte erworben hat, würde darunter leiden.

Was geschieht, wenn Schwarzmarkt-Tickets gefälscht sind?

Die Elbphilharmonie hatte davor bereits zu Beginn der Verkaufsphasen gewarnt: Wer mit einer gefälschten Eintrittskarte zu einem Konzert erscheint, wird abgewiesen und bleibt oft auf seinen Auslagen sitzen.