Lokstedt

So soll die neue Julius-Vosseler-Siedlung aussehen

Foto: SEHW Architekten

Am Lenzweg weichen Kleingärten für Wohnungen. Während Politik und Investoren den Architekturentwurf loben, hält die Kritik an.

Hamburg. 220 Wohnungen statt 34 Kleingärten: Das ist das erklärte Ziel von Politik und Verwaltung am Eimsbütteler Lenzweg. Und nachdem die Wohnungsbau-Investoren in der vergangenen Woche ihre Pläne für die umstrittene Schrebergartenfläche vorgestellt haben, ist nun auch der städtebauliche Wettbewerb für die künftige "Julius-Vosseler-Siedlung" entschieden.

Einstimmig habe sich die Jury für den Entwurf des Hamburger Büros SEHW Architekten entschieden, teilen die Befürworter des Projekts in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das neue Quartier passe sich der Umgebung perfekt an und besteche durch großzügige Grünflächen, sagt Frank Bohlander, Geschäftsführer des Hamburger Projektentwicklers Quantum, der das Projekt mit der Baugenossenschaft dhu realisiert.

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Der Entwurf berücksichtige die Interessen aller – auch die der direkten Nachbarschaft, lässt sich Frank Seeger, Vorstand der dhu, zitieren. Die dhu verantwortet den Bau der 110 öffentlich geförderten Wohnungen mit günstigen Mieten.

Quartier mit 20 Stadthäusern für Familien

Auf der mehr als 19.000 Quadratmeter sollen 220 neue Wohnungen entstehen. Ein familiengerechtes Viertel mit Kita, Spielplatz und genügend Grün ist vorgesehen. Die 34 bestehenden Kleingärten sollen neue Flächen in „fußläufiger Nachbarschaft“ erhalten.

Der Abstand zur gegenüberliegenden Beethovensiedlung sei mit 35 Metern „außergewöhnlich großzügig“ bemessen, heißt es in der Mitteilung. Die dort geplanten 20 Stadthäuser für junge Familien sollen sich mit drei Geschossen wie die gesamte Siedlung architektonisch an der Nachbarschaft orientieren.

Das Leitmotiv des Entwurfs sei indes ein weitläufiger Innenhof. „Diese von Verkehrslärm befreite, fast parkähnliche, lichte und freie Mitte des Quartiers bietet hohe Aufenthaltsqualität “, sagte Juan Hidalgo, geschäftsführender Gesellschafter der Architekten. Kita und ein Spielplatz sollen am südlichsten Punkt des Areals entstehen. Maximal vier- bis fünfgeschossige Gebäude sind dort geplant. Baustart soll spätestens Ende 2018 sein.

Die Kleingärtner sollen umziehen

Für die wenig begeisterten, zum Umzug gezwungenen Kleingärtner seien 20 Ersatzflächen im Nachbarverein der Eimsbütteler Gartenfreunde gefunden worden, 14 weitere entstehen an der Hagenbeckstraße, auf der Fläche eines dhu-Wohnhauses, das abgerissen werden soll. Zudem stünden 20 neue Parzellen an der zwei Kilometer entfernten Niendorfer Straße bereit. Ein Kompromiss, der der Landesbund der Gartenfreunde als Vertreter von 43.000 Kleingärtnern „tragfähig“ nannte. 20 Parzellen mehr als heute sowie eine moderne Infrastruktur auf den künftigen Flächen seien Grund genug. Zumal den Pächtern gesetzlich geregelte Entschädigungszahlungen für ihre Lauben zustünden.

Bereits 2011 hatte die Bezirksversammlung Eimsbüttel mehrheitlich beschlossen, das Kleingartengrundstück an der Julius-Vosseler-Straße für Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen und die Parzellen auf Ersatzflächen umzusiedeln.Demenstprechend positiv bewertete die Mehrheit der Bezirkspolitik den nun gemachten Schritt.

Kritiker fürchten Verlust von Grünflächen

Rüdiger Rust, SPD-Fraktionsvorsitzender, sagte, dass nahezu 50 Prozent geförderter Wohnungsbau „dringend benötigt“ werden. Da es keine Trennung zwischen geförderten und frei finanzierten Wohnungen gebe, halte er das Neubauvorhaben für „ein offenes und soziales Quartier.“ Der Entwurf passe „städtebaulich hervorragend in das Umfeld“, lobte der CDU-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Kuhn. Der Stadtteil werde damit weiterentwickelt. Und auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Lisa Kern, sah in dem Entwurf „eine angenehme Weite“. Der Charakter Lokstedts werde erhalten.

Ganz anders bewerten Kritiker das Projekt: Sie fürchten um Kleingärten als „grüne Erholungsoasen“, die immer rarer werden. Zumal die Kleingärten dem „Stadtpark Eimsbüttel“ zugeordnet waren und nun „geopfert“ werden. Der Senat mache immer mehr dieser Flächen „platt“, schreiben die Initiatoren eines Bürgerbegehrens, das allerdings schnell vom Senat als unzulässig erklärt wurde. 1.300 Unterschriften waren zuvor gegen das Projekt gesammelt worden.

Deshalb wollen sich die Kritiker weiter für den Erhalt von innerstädtischen Grün einsetzen. Gleichzeitig fragen sie sich: Warum die Projektentwickler nicht das firmeneigene Gelände an der Niendorfer Straße bebaut haben, sondern die Kleingärtner dorthin vertrösten.