Eimsbüttel

Der Kaifu-Chef, der lieber zu Hause trainiert

Cornelius Hasselbach ist Chef der Kaifu Lodge

Cornelius Hasselbach ist Chef der Kaifu Lodge

Foto: Michael Rauhe

Conny Hasselbach hat den Fitnessclub 1982 gegründet – und immer wieder neu erfunden. „Erst waren die Fitnesskurse diffus."

Hamburg. Er wusste sofort, dass es etwas Schlimmes war. Er wusste auch, dass ihm kaum Zeit bleiben würde, als der Schmerz durch seinen Kopf schoss. Cornelius „Conny“ Hasselbach sortierte gerade T-Shirts in seinen Kleiderschrank ein, als sein Köper ihn bildlich in die Knie zwang: Auf allen Vieren kroch er eine Treppe hinunter zu seiner Haustür, rief den Nachbarjungs „Notarzt!“ zu und brach zusammen. An die darauffolgenden acht Wochen hat der 65-Jährige absolut keine Erinnerung mehr. „Nichts, da ist alles weg“, sagt Hasselbach, der viele Wochen im Krankenhaus auf der Intensivstation der Neurologie lag.

Eine Gehirnblutung, plötzlich und unvorhersehbar auftretend, war der Grund für seinen Zusammenbruch. Dass der dreifache Vater heute mit einigen Kilos weniger, dabei völlig fit und körperlich sowie geistig unversehrt im Restaurantbereich der Kaifu-Lodge sitzt, „habe ich allein meiner Konstitution zu verdanken“, weiß der Chef des Fitnessclubs an der Bundesstraße. Er trägt ein graues, locker fallendes Poloshirt, leichte Jeans und Turnschuhe ohne Socken. Funktional und unaufgeregt wie er selbst.

Was sein Körper leistete, das schafften laut Neurochirurg lediglich zwei Prozent derer, die eine solche Diagnose bekommen hätten. „Aber es war dazu einfach nur Glück, dass die Jungs in diesem Moment vor der Tür standen und sofort reagiert haben“, sagt Hasselbach, dessen Leben mit Bewegung und körperlicher Betätigung aufs Engste verknüpft ist.

In der Saison 1978/79 wird der Hamburger Jung Deutscher Einzelmeister im Squash, quasi als Urvater des Hype um die schnelle Sportart mit Schläger in einem Court. „Squash war ab Ende der 70er- bis Mitte der 90er-Jahre neben Joggen die zweite Sportbewegung außerhalb eines Vereins“, sagt der Sportwissenschaftler. Auch in Hamburg gab es einen Boom, „wir hatten 270 Squash-Courts“.

In Vorbereitung auf seine Wettkämpfe flog Hasselbach Ende der 70er-Jahre zu seinem Bruder, der nach Südafrika ausgewandert war. Dort erlebte der Sportler Hasselbach etwas, was aus ihm den Geschäftsmann Hasselbach machen sollte: perfekte Trainingsbedingungen. Neben den Squash-Plätzen gab es Fitnessgeräte. Was heute selbstverständlich ist, war damals für Deutschland völlig neu.

Glücklicherweise spielte Hasselbach nicht nur selbst Squash, sondern brachte auch den Hanseaten seine Sportart als Trainer näher und kam so mit dem Direktor der Wasserwerke in Kontakt. „In der zweiten Trainingseinheit redeten wir schon über alles Mögliche, und er erzählte mir von einem Grundstück mit Schwimmbad mitten in der Stadt“, erzählt Hasselbach, der just die Vision hatte, einen kombinierten Fitness-Squash-Club zu erschaffen. Gemeinsam mit Michael Grau, dem Inhaber und eigentlichen Geschäftsführer, realisierte Hasselbach das Herzensprojekt: 1982 eröffnete die Kaifu-Lodge mit 18 Courts und Geräten und Kursen. „Wir wollten ein bisschen anders sein“, sagt Hasselbach, der als Prokurist und Chef vor Ort bis heute die Geschicke leitet, „und das ist uns – so glaube ich – auch bis heute gelungen.“

Nach sechs Wochen war der Sport-Tempel ausgebucht. Ein Akzent lag auf Gruppen- und Firmensport, dazu wurden hier Squash-Meisterschaften ausgetragen, Schulklassen kamen zum Sportunterricht in die „Kaifu“, wie alle den Club bis heute nennen. „Viele hatten damals keine Lust mehr auf Vereinsmeierei“, sagt Hasselbach, der „aus reinem renitenten Verhalten“ den Gerätebereich anders als in den USA kleiner hielt. Und offen zugibt: „Außerdem wollten wir nicht die Muskelprotze mit Goldkettchen hier zum Trainieren haben.“ Lieber schaffte er ein „frauenaffines Kursangebot“: 273 Kurse pro Woche bietet die Kaifu heute an, das ist Top im Deutschlandvergleich.

„Erst waren die Fitnesskurse diffus, Aerobic im Jane-Fonda-Style mit Stulpen und Stirnband“, erinnert er sich, „dann hat sich der Markt immer mehr verfeinert, es gibt viel mehr Techniken und Inhalte und dadurch natürlich auch ein viel breiteres Angebot.“ Aerial Yoga, Hot Iron oder Poledance, zum Beispiel.

Eine Institution hat Hasselbach mit seinem Team erschaffen, einen Club, der fest im Bezirk verankert ist. Der auch mal polarisiert, der jüngst einen „überfälligen“ Umbau und eine Erweiterung auf insgesamt 6000 Qua­dratmetern Nutzungsfläche abschloss, um nicht unterzugehen oder „out“ zu werden. „Natürlich reagieren wir. Als beispielsweise die eleganteren Clubs wie das Meridian eröffneten, war das ein großer Bruch. Da mussten wir uns dringend etwas einfallen lassen.“

Gut für die Kaifu, dass Hasselbach wie ein Rennpferd ist, das immer nach vorne strebt, ungeduldig am Geschirr zerrt. Denn so gibt es keinen Stillstand. Auch im Fall der drohenden Konkurrenz war das so: Nach Auswertung der Statistiken stellte sich heraus, dass der Kaifu-Gast älter war und das junge Publikum noch zu wenig im Fokus stand. „Die Jungen, Wahnsinnigen dieser Stadt haben wir mit unserem U26-Programm und guten Preisen in die Kaifu bekommen, dazu gab es unsere Partys und viel Eventmarketing,“, sagt Hasselbach. „Das jüngere Publikum tut uns total gut, denn es macht Druck auf unsere Kurse, unsere Trainer, unsere Performance“, so Hasselbach, der genau dafür steht.

Er selbst steht übrigens seit Jahren täglich eine gute halbe Stunde morgens auf dem Crosstrainer und macht Stabilisationsübungen – zu Hause. Wie? Keinen Kurs gefunden, der gefällt? „Es kommt meinem Wesen nicht so entgegen“, formuliert er zaghaft mit jungenhaftem Grinsen, „wenn ich das Gleiche zur gleichen Zeit machen soll und dann auch noch jemand sagt wie.“ Fast schon ein Outing.