Eimsbüttel

Marco Santoro ist Hamburgs härtester Fitness-Guru

| Lesedauer: 6 Minuten
Camilla John
Marco Santoro, 38, lebt und unterrichtet in seinen Kursen in der Kaifu Lodge nach dem Motto
„Es muss brennen, denn das Fett schmilzt nur in der Hölle“

Marco Santoro, 38, lebt und unterrichtet in seinen Kursen in der Kaifu Lodge nach dem Motto „Es muss brennen, denn das Fett schmilzt nur in der Hölle“

Foto: Michael Rauhe

Der Fitnesscoach trainiert, schreibt Bücher – und „will nicht beliebt sein“. 30 hochintensive Minuten pro Tag muss man investieren.

Hamburg.  „Wenn du einen Döner in der Hand hältst, dann isst du ihn. Wenn du neben einer nackten Frau liegst, schläfst du mit ihr. Und wenn du eine Waffe trägst, dann benutzt du sie.“ Mit diesem doch sehr prägnanten Filmzitat aus Fatih Akins Film „Kurz und schmerzlos“ beginnt Marco Santoro sein neues Buch „Die Power-Formel“.

Der Hamburger Fitnesstrainer meint damit, dass es diesen einen Punkt gibt, an dem Richtung und Ziel klar sind. In diesem Falle: Das Ziel, den eigenen Traumkörper zu formen. Denn darum geht es dem Fitnesstrainer, der sich seinem Job und der Überzeugung, dass jeder viel mehr aus sich und seinem Körper herausholen kann als er oder sie denkt, sprichwörtlich verschrieben hat.

„Ich bin definitiv kein Freund von Trends“, sagt der 38-jährige Fitnessmanager angesichts so vieler geradezu aus dem Boden schießender Sport-Lifestyle-Fitness-Tempel, „in meinem Buch geht es um eine Lebensphilosophie. Im Vordergrund steht die psychische, sportliche und körperliche Veränderung.“

30 hochintensive Minuten pro Tag muss man laut Santoros Buch in Übungen ohne Geräte investieren, sich dazu Gedanken über die persönlichen Ernährungsgewohnheiten und Einstellungen machen. Auf gut 170 Seiten wird der Leser aufgeklärt und geführt – auf Santoros Weg.

Aktuell kämpfen fünf Hamburger und ein Münchner auf seiner Facebook-Seite „Storm Team“ gegeneinander um eine Reise – sie trainieren und essen 30 Tage nach den Vorgaben im Buch. Alles wird auf Facebook dokumentiert. Am Ende gewinnt der beliebteste Kandidat eine Sportreise.

Was das Buch mit dezidierten Anleitungen und Fotos nicht mitliefert, sind die mitreißenden Monologe von Marco Santoro. Nicht zuletzt hörten deshalb auch schon Prominente wie Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy, Sopranistin Sarah Brightman, die NDR-Moderatorinnen Julia Westlake und Judith Rakers oder der CDU-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse im Personal Training auf die Ansagen des Gestählten.

„Ich will, dass die Leute in Bezug auf Sport das Wort ‚Spaß’ durch ‚Hingabe’ ersetzen, mit Hingabe soll die Anstrengung angenommen werden. Es ist eben so: Nur wenn der Muskel brennt, ist es effektiv.“ Dass er schon unmotivierte Teilnehmer aus seinen Kursen geschmissen hat, kann man sich nur zu gut vorstellen. „Du kannst viel mehr leisten, als du weißt“, sagt er. „Das zu vermitteln, dafür ist ein guter Trainer da.“

Seit 1998 unterrichtet Santoro, der in seiner Firma Storm Team bereits rund 500 Fitnesstrainer und Fitnessmanager ausgebildet hat, in der Kaifu Lodge. Das jüngst umgebaute Fitness-Studio mit 280 Kursen pro Woche ist die zweite Heimat Santoros, hier drillt er mit zum Teil beißendem Humor seine Kursteilnehmer. „Ich habe es mir abgewöhnt, der Liebling von allen zu sein, dafür will ich lieber die bestmögliche Fitness verkaufen“, sagt er. Und die Hamburger Aktiv-Gemeinde dankt es ihm, gerade wegen seiner Ironie und seines Sarkasmus. „In meinem Kurs ist jetzt keiner extrem gut drauf, mir reichen eben keine 90 Prozent. Aber die Leute kommen wieder – und bringen das nächste Mal ihre Freundin mit.“ Er lacht, weiß er doch um seine Wirkung. Und um die seiner Übungen.

Santoro drillt sich aber auch selbst, abends, wenn alle Kurse vorbei sind, probiert er neue Übungen aus oder experimentiert mit der Langhantel, dehnt sich intensiv. Oder er tanzt. Salsa. „Ich habe den Tanzstil mit 18 Jahren für mich entdeckt, habe angefangen, ihn zu unterrichten und war auf vielen Festivals, unter anderem in Las Vegas“, erzählt der Hamburger.

„Salsa ist mein Steckenpferd und eine internationale Sprache.“ Auch Beachvolleyball ist eine Sportart, die Santoro gern mit Freunden betreibt. Mit Leidenschaft, nicht aus Spaß. „Mein Hobby ist mein Beruf“, sagt er dazu schlicht, die Bewegung sein Antrieb.

Zwei Wochen auf der Liege am Strand? Unvorstellbar. Ein Graus. Eine Qual. „Nur rumzufaulenzen ist nichts für mich, im Urlaub hat man doch gerade einmal Zeit, sich auf Sport zu konzentrieren“, sagt Santoro, der Fitness-Reisen und Camps von Kitzbühel über Mallorca organisiert und durchführt.

Insofern sei er viel unterwegs, doch dabei nie privat. „Deshalb gönne ich mir ganz bewusst Auszeiten, dann bin ich einfach weg.“ Vor ein paar Jahren flog er nach Thailand, mit zwei Kumpels; vergangenen Sommer fuhr er fünf Wochen mit dem Auto 8000 Kilometer quer durch Europa und auch zur Familie nach Süditalien.

Da kann er dann abschalten und sich seinen Lieben widmen, denn ein Teil seines Herzens schlägt für den Süden, aus dem sein Vater kommt. „Aber ich bin durch und durch Hamburger“, sagt er. In Eimsbüttel aufgewachsen, nimmt sein Vater, ein Elektrofeinmechaniker, ihn früh mit auf den Bolzplatz an der Lutterothstraße, der Kontakt mit Sport ist schon immer da.

„Meine Kindheit habe ich eigentlich komplett im Freien verbracht, wir waren eigentlich immer draußen“, sagt Santoro. Seine Eltern bezeichnet er als „Rückhalt“, die Familie „spielt für mich – wie in Italien – eine enorm wichtige Rolle. Meine Eltern waren immer für mich da und haben mir alles ermöglicht.“

Erst gute drei Jahre lang das (dann doch nicht ganz vollendete) Sport- und Italienisch-Studium, dann seine Ausbildung an der Meridian Academy zum Fitnessmanager.

„Ich habe auch, bis ich 25 Jahre alt war, zu Hause gewohnt“, sagt er. La familia ganz nah. Mittlerweile trainiert sein Vater zweimal wöchentlich nach des Sohnes Anweisungen in der Kaifu.

Und dessen neustes Buch steht natürlich auch schon bei ihm im Regal.

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