Rotherbaum

Großfeuer im Schröderstift: Sieben Personen ohne Wohnung

Flammen vernichten mehrere Wohnungen. Zwei Menschen verletzt, zwei Wohnungslose noch im Urlaub. Brandermittler suchen nach der Ursache.

Hamburg. Im Schröderstift ist am Montag ein Feuer ausgebrochen. Drei Wohnungen wurden ein Raub der Flammen, insgesamt acht Wohnungen sind unbewohnbar. Ein Bewohner und eine Feuerwehrfrau wurden verletzt. Über 90 Feuerwehrleute kämpften bis zum Mittag gegen die Flammen. Die Ursache des Brandes an der Schröder­stiftstraße 34 in Rotherbaum ist unklar. Zunächst hatten Statiker das Gebäude untersucht. Mittags sollten die Brandermittler ihre Arbeit aufnehmen.

Es ist Montagfrüh, kurz nach fünf Uhr. Eine riesige Rauchsäule steht über dem Schröderstift. Scheiben klirren, Flammen schlagen aus dem offenen Dach gen Himmel. Als die Feuerwehr eintrifft, brennen eine Wohnung im Obergeschoss und Teile des Treppenhauses lichterloh. Feuerwehrleute bahnen sich den engen Weg zur Rückseite des Gebäudes. Mit angestellten Leitern dringen sie von dort zum brennenden Dachstuhl vor. In der darunterliegenden Wohnung, im ersten Stock von Haus 11, war das Feuer gegen fünf Uhr ausgebrochen, bevor es auf Haus 10 übergriff. Der Bewohner habe wohl noch versucht, die Flammen zu löschen, heißt es. Vergeblich: Der Mann wird von Feuerwehrleuten gerettet. Er kommt mit einer leichten Rauchvergiftung und Verbrennungen in ein Krankenhaus, ebenso eine Feuerwehrfrau, die sich am Fuß verletzt hat. Ein Mann aus der darüberliegenden Wohnung rettet sich über das Dach.

Die Bewohner des Schröderstifts können sich glücklicherweise in Sicherheit bringen. Einige stehen schweigend auf der Wiese vor dem brennenden Haus, die meisten haben sich am Seitenflügelgebäude versammelt. Nachdenklich beobachten sie die Löscharbeiten.

Berufsverkehr kommt zum Erliegen

Unterdessen wird das Feuer auch von der Vorderseite des Gebäudes bekämpft: Von einer Drehleiter aus spritzen Feuerwehrleute immer wieder gewaltige Mengen Wasser von oben auf die Brandstelle. Eine mächtige gelbweiße Rauchwolke steht über dem Gebäudeensemble.

Auf der Schröderstiftstraße geht zeitweise nichts mehr. Der Berufsverkehr rund um den Schlump kommt zum Erliegen. Wegen des Feuers ist bis zur Bundesstraße die Straße Beim Schlump voll gesperrt. Auf der Schröderstiftstraße quält sich der Verkehr stadtauswärts über eine einzige Fahrspur. Bereits ab Sechslingspforte über Kennedybrücke und Edmund-Siemers-Allee bis zum Schröderstift bahnt sich eine endlose Blechlawine im Schritttempo den Weg durch die Innenstadt. Wer von Eimsbüttel aus mit dem Auto auf die Schröderstiftstraße einbiegen will, hat ebenfalls schlechte Karten. An der Situation ändert sich bis zum Mittag nur wenig. Tausende Hamburger stehen stundenlang im Stau.

Polizeihubschrauber „Libelle“ kreist derweil über der Unglücksstelle. Neben der Berufsfeuerwehr unterstützen vier freiwillige Wehren aus Pöseldorf, Lokstedt, Stellingen und Eimsbüttel die Löscharbeiten. Auch die Höhenretter und der Umweltdienst sind mit dabei. Die Löscharbeiten gestalten sich allerdings zunehmend schwierig und langwierig: Wegen der Holzbalkendecken können die Feuerwehrleute nicht direkt in das historische Gebäude vordringen. „Es ist ein so tolles Gebäude, aber für uns ergibt sich wegen der hölzernen Decken eine besonders komplexe Einsatzlage“, erklärt Einsatzleiter Andreas Thon. Glutnester lodern immer wieder auf. „Sie sind vom Dach aus von uns nur schwer zu erreichen.“

„Im Gebäude steckt sehr viel Herzblut“

Vor dem Flügelgebäude trinken Bewohner auf den Treppenstufen Kaffee. Sie reden über den Moment, als das Feuer ausbrach. „Ich wurde wach, ging in den Flur und sah einen riesigen Feuerschwall“, sagt einer. „Ich dachte, Mensch, ich muss verduften.“ Ein anderer findet, die Feuerwehr habe zu lange gebraucht, bis sie ihre Schläuche ausgerollt hatte.

„In dem Gebäude steckt sehr viel Herzblut. Und nun kokelt alles weg“, sagt Robert Merges, 60, Bewohner der ersten Stunde des selbst verwalteten Wohnzentrums, in dem etwa 100 Menschen im Alter von drei bis 72 Jahren leben. 1981 hatte die Stadt Hamburg den Gebäudekomplex der Mieterselbstverwaltung Schröderstift überlassen. Plus 869.000 Mark Startkapital, was der Höhe der geschätzten Abrisskosten entsprach. Die Bewohner haben ihre Wohnungen daraufhin selbst instand gesetzt. Der Bereich, in dem es jetzt brannte, war erst vor fünf Jahren unter Berücksichtigung ökologischer Standards erneut saniert worden.

Bis in die Abendstunden war die Feuerwehr weiter damit beschäftigt, aufflammende Glutnester zu löschen. Sieben Bewohner – darunter zwei Frauen – sind vom Brand direkt betroffen und stehen jetzt erst mal ohne Wohnung da. Zwei von ihnen kommen am Dienstag aus dem Urlaub. Vier Bewohner sind bei Freunden untergekommen, den anderen hat der Bezirk Eimsbüttel Hotelzimmer angeboten. Überraschend: Das Schröderstiftfest am 10./11. Juli mit der Gruppe Guru Guru soll wie geplant stattfinden.