Einkaufsstraße

Tibarg ist besser besucht als der Neue Wall

Reder Wullenweber,
Nina Häder und der
SPD-Abgeordnete
Marc Schemmel
(v. l.) vor der
Wochenmarktfläche
am Tibarg

Reder Wullenweber, Nina Häder und der SPD-Abgeordnete Marc Schemmel (v. l.) vor der Wochenmarktfläche am Tibarg

Foto: Klaus Bodig

Jetzt soll die Niendorfer Einkaufsstraße weiter wachsen – mit Ladenflächen auf dem Gelände der Anna-Warburg-Schule.

Hamburg.  2588 Passanten sind im Schnitt pro Stunde am Tibarg in Niendorf unterwegs. Das sind laut einer Zählung aus dem Jahr 2014 deutlich mehr als am Neuen Wall (1635 Passanten pro Stunde). Doch östlich der Niendorfer Fußgängerzone im Bereich des Kundenzentrums und der Wochenmarktfläche, die nur donnerstags und sonnabends genutzt wird, ist kaum etwas los. Diese Fläche liegt den größten Teil der Woche weitgehend im Dornröschenschlaf und wird nur als Parkplatz genutzt. Das soll sich ändern. Da die Anna-Warburg-Schule – die berufliche Schule für Sozialpädagogik – ihre Zweigstelle am Tibarg bis Ende 2015 aufgibt, wird ein 2800 Quadratmeter großes Filetgrundstück an zentraler Stelle frei.

„Da stellt sich die Frage, was mit der Fläche passiert“, sagt der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Marc Schemmel, der sich schon als Bezirksabgeordneter für die Weiterentwicklung des Tibargs eingesetzt hatte. „Das gesamte Gebiet – vom Ortsamt über das Kundenzentrum und die Marktfläche bis hin zum Schulgelände – bietet große Entwicklungspotenziale für den Tibarg, die hoffentlich gut genutzt werden, um den Standort langfristig so attraktiv zu halten wie bisher“, sagt Schemmel.

„Das Bezirksamt bereitet derzeit gemeinsam mit den Grundeigentümern ein Bürgerbeteiligungsverfahren vor, in dem erste Ideen und Nutzungsvorschläge für die Flächen des Ortsamtes, Kundenzentrums und Anna-Warburg-Schule sowie für die Parkplatzfläche/Marktfläche ermittelt werden sollen“, bestätigt Antje Haller, Sprecherin des Bezirksamts Eimsbüttel.

Denkverbote soll es dabei nicht geben, obwohl die Flächen unterschiedlichen Eigentümern gehören, was die Angelegenheit verkomplizieren dürfte. Das ehemalige Ortsamt gehört nach Angaben von Marc Schemmel einem französischen Immobilienfonds; die Stadt habe einen Mietvertrag bis 2021. Das Kundenzentrum gehört der Saga-GWG und die Schulfläche der Stadt.

„Der Ball liegt jetzt bei der Stadtplanungabteilung des Bezirks“, sagt Reder Wullenweber, Sprecher des BID (Business Improvement District) Tibarg, der seit November 2010 bereits 1,75 Millionen Euro investiert hat, und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Tibarg e. V. Der BID habe seine Vorstellungen beim Bezirk bereits darlegen können, „wir hatten ein gutes Gespräch“, sagt er. Wünschenswert sei aus Sicht des BID eine Optimierung der Wochenmarktfläche unter Beibehaltung des Kundenzentrums. Für den betreffenden Bereich muss nach Angaben von Bezirkssprecherin Haller ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. „Die konkrete Dauer des Verfahrens ist abhängig von der Komplexität der unterschiedlichen Belange und deren Abwägung. Im Durchschnitt dauert ein normales Bebauungsplanverfahren etwa zwei Jahre.“

Eine aktuelle Standortanalyse, die der BID beauftragt hatte, bescheinige dem Tibarg eine hohe Attraktivität bei den Kunden und einen guten Branchenmix, sagt BID-Sprecher Wullenweber. „Wir haben noch ein dörfliches Gefühl hier, trotzdem ein großes Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot, es gibt keinen Leerstand, aber es fehlen größere Ladenflächen. Die Flächengrößen sind teils nicht mehr marktgerecht. Uns fehlt ein Magnetbetrieb“.

Ein möglicher Magnet könnte das Modeunternehmen Tom Tailor sein, das in Sichtweite am Garstedter Weg liegt und seine Betriebsfläche dringend erweitern möchte. Das Unternehmen hatte kürzlich angekündigt, man wolle bis Ende des Jahres entscheiden, ob man bleiben oder wegziehen werde. Der Quartiersmanagerin des Tibargs, Nina Häder, wäre das Näherrücken von Tom Tailor an den Tibarg sehr willkommen. „Sie könnten ihren Outletstore ausweiten, indem sie ihn auf dem Tibarg eröffnen und zudem ihre Büroflächen erweitern“, sagt Häder.

Nach Angaben von Schemmel unterstützt die Wirtschaftsbehörde den Modekonzern, um eine Erweiterung am Standort Niendorf zu ermöglichen. Der SPD-Politiker beruft sich auf eine Stellungnahme der Behörde an das Bezirksamt Eimsbüttel. Allerdings gehört das Grundstück neben dem Unternehmen, die Hinschwiese, der Pensionskasse der Hochbahn, die dort gerne Wohnungen bauen möchte. Aber das aktuelle Planrecht schließe sowohl Wohnbebauung als auch Einzelhandel dort aus. „Wir vom BID sind auch hochgradig interessiert, dass Tom Tailor bleibt. Das ist ein großer Arbeitgeber und für den Tibarg sehr wichtig“, sagt Wullenweber. Er lässt allerdings auch keinen Zweifel daran, dass man einen größeren Tom-Tailor-Store nicht östlich des Garstedter Wegs haben möchte, wohl aber im Bereich des Tibargs.

Niendorf ist zwar mit der U-Bahnlinie U 2 und mit der Metrobuslinie 5 gut angebunden, aber den Verantwortlichen des BID reicht das nicht: „Wir arbeiten daran, eine StadtRad-Station zu bekommen“, sagt Wullenweber. Es gebe Überlegungen, sich etwa mit dem Unternehmen Tesa, das sich in Norderstedt angesiedelt hat und mit dem Flughafen zusammen zu tun und sich an den Kosten für die StadtRad-Station zu beteiligen. „Nach geltenden Kriterien ist Niendorf zu weit draußen“, sagt Schemmel, aber wenn es Interesse gebe, sei man offen.