Shopping-Guide

Das sind Hamburgs schönste Einkaufsstraßen

| Lesedauer: 22 Minuten
Yvonne Weiß

Sie glauben, Sie brauchen nichts? Das Abendblatt hat 20 Geschäfte in der Hamburger City besucht, in denen sich das ändern könnte. Auftakt einer Serie über Hamburgs schönste Einkaufsstraßen.

Hamburg. Können Preisschilder sprechen? Natürlich. Besonders laut hört man die, auf denen der Rotstift eine hohe durch eine niedrige Zahl ersetzt hat. „Kauf mich!“ ruft das Schild dem potenziellen Konsumenten zu. „Muss das sein?“ entgegnet dessen Kreditkarte, aber ihr IQ ist zu flach, um zu begreifen, dass Shoppen mehr bedeutet als nur Einkaufen.

Emanzipatorisch gesehen stellt es einen Akt der Demokratisierung dar. Früher wurde den Ständen verordnet, was sie zu tragen hatten, sogar die Absatzhöhe war vorgeschrieben. Heute können wir kaufen, was wir wollen. Aber wohin geht man bei der schier unendlichen Auswahl? Mit unserer neuen Serie über Hamburgs schönste Einkaufsstraßen wollen wir die Qual der Wahl ein wenig lindern. Wir stellen eine Auswahl der Lieblingsgeschäfte der Redaktion vor, in denen Sie vielleicht sogar etwas finden, von dem Sie gar nicht wussten, dass Sie danach suchten. Den Serienauftakt machen heute die Straßen in der Innenstadt.

Wer noch einen guten Grund für einen Einkaufsbummel an diesem verkaufsoffenen Sonntag (13 bis 18 Uhr) braucht: In Zeiten von Staatsanleihen-Massenankäufen gehört Konsum zur Bürgerpflicht! Und da es auf Erspartes derzeit ohnehin keine Zinsen gibt, sollte man es halten wie Carrie Bradshaw in der TV-Serie „Sex and the City“. Sie sagt: „Ich mag mein Geld dort, wo ich es sehen kann – hängend im Kleiderschrank.“

1. Ein Bollwerk gegen die Gleichmacherei der Einkaufsstraßen

In der Mönckebergstraße reiht sich eine große internationale Marke an die nächste, zwischendrin gibt es nur noch wenige inhabergeführte Geschäfte. Eines von ihnen ist die Company Colonial, in der seit 1979 feine Kaffeespezialitäten und Teesorten angeboten werden. Unter anderem Tee-Raritäten wie die Weißteesorte Silvery Pekoe, für den nur ausgewählte Knospen mit der Hand gepflückt werden. Im Geschäft riecht es herrlich nach Karies: von Schokolinsen über Marzipanrosen bis zu sauren Schlingel werden viele Süßwaren angeboten. In Erste-Hilfe-Apotheker-Fläschchen sind Liebeskümmerer gegen Herzschmerz, Trostpflaster gegen Krokodilstränen und Einschlafhilfen mit Schäfchen abgepackt. Kerzen mit dem Slogan „Lass und Durchbrennen“ eignen sich jederzeit als Geschenk für die Liebste, und die „Feuer und Flamme“-Aufschrift gefällt gewiss Olympia-Fans.

Company Colonial, Mönckebergstraße 7, Mo – Sa 10 – 20 Uhr

2. Dieser Kinderkram führt aufdie offene See hinaus

Die Erfolgsstory ist rasch erzählt: Modedesignerin mit Schneiderausbildung wird schwanger, findet keine schönen Sachen für ihren Sohn und nimmt die Sache(n) einfach selbst in die Hand. Seit Juni 2009 gibt es bei Hansekind im Levantehaus schöne Klamotten, Möbel und Geschenke für die Kleinsten. Die Entwürfe sind im maritimen Stil gehalten, beim Betreten des Ladens bekommt man das Gefühl, in See zu stechen. Viele Produkte können personalisiert werden: Kindergarten-Taschen, Puzzle, Kuschel-Kissen oder Lätzchen mit der Aufschrift „Captains’ Dinner“. Die Textilien sind frei von Schadstoffen, auch auf umweltfreundliche Transportwege achtet Gründerin Constanze Simon. Besonders niedlich ist die Baby-Erstausstattung – ein Motivationsschub für jeden Klapperstorch.

Hansekind, Mönckebergstraße 7 (im Levantehaus), Mo bis Sa 10 – 19 Uhr

3. Ein gutes Omen für Hamburger Modehersteller und -Liebhaber

Jedem Innenstadt-Besucher ist sicherlich schon das denkmalgeschützte „Hulbe-Haus“ aufgefallen, das 1908 bis 1911 neben der St. Petri-Kirche gebaut wurde. Ein Eyecatcher von außen, wird es drinnen noch sehenswerter. Auf sechs Etagen präsentiert das Hamburger Familien-Unternehmen Thomas-i-Punkt viele Marken, die Damen, Herren oder Kinder anziehend finden. Schlüsselanhänger und Rucksäcke, die einem gleich den Stempel „echter Trapper“ verleihen, sind ebenfalls am Start. Am wichtigsten ist aber die hauseigene Kollektion Omen, die in der eigenen Näherei in Rothenburgsort gefertigt wird. Die Schnitte sind zeitlos, die Verarbeitung exzellent und eines fernen Tages wird sich auch die Autorin endlich den Klassiker gönnen, das Kleid „Gesine“ für 749 Euro. Es wäre das i-Tüpfelchen im Kleiderschrank.

Thomas-i-Punkt, Mönckebergstraße 2 und Gänsemarkt 24, Mo – Sa 10 - 20 Uhr

4. Ein Geschäft, das dem Kunden gerne die Richtung vorgibt

Dank Smartphones mit GPS und Google-Maps-App muss sich niemand mehr in den Metropolen der Welt verirren. Wieso es aber manchmal doch eine gute Idee ist, eine echte Karte und einen richtigen Reiseführer ins Handgepäck zu legen, zeigt die Auswahl in „Deutschlands größter geographischer Fachbuchhandlung“. Wer will sich schon darauf verlassen, dass in Dharamsala das Handynetz funktioniert. Oder dass das Handy einem ähnlich gute Zusatz-Infos über Argentiniens Fußballszene verrät wie die Karte „Fútbol en Buenos Aires“. Genauso ist es im Regen von Feuerland besser, die reiß- und wasserfeste „Ushuaia Trekking Map“ dabeizuhaben als ein Mobiltelefon. Neben der Abteilung „Reiseführer & Karten“ gibt es auch noch „Historische Karten“ und ein Reisebüro, um das Kopfkino gleich in echte Erlebnisse umzusetzen.

Dr. Götze Land&Karte, Alstertor 14-18, Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr

5. Hanseatische Tradition trifft auf sexy 007-Hosenträger

Passiert ja selten, dass man sich fürs Einkaufen extra schick macht, aber wer „Ladage & Oelke“ betritt, fragt sich schon, warum er morgens nicht das Tweet-Kostüm angezogen hat. Dann würde er zwischen den eleganten Sachen, präsentiert in einem Rahmen aus Stuck, Kronleuchtern und viel Holz, nicht so herausstechen wie eine Lady Gaga im Country-Club. Doch die Mitarbeiter der 1845 gegründeten Maßschneiderei sind allesamt Profis und erkennen in jedem Kunden noch einen Funken Hoffnung auf Tradition und guten Geschmack. Schnell lernt man die Unterschiede zwischen den Kragenformen Kent, Cutaway, Tab und Button-Down. Die Auswahl ist ein Festival der Klassik: Einstecktücher, Ärmelhalter, Gehröcke, Aktenkoffer, Dufflecoats, Seidentücher, Schirme, rahmengenähte Schuhe – und Hosenträger, die schon James Bond im Film „Casino Royale“ trug. Selten so sexy Hosenträger gesehen.

Ladage & Oelke, Neuer Wall 11, Mo bis Fr 10 – 19 und Sa 10 – 18 Uhr

6. Wo Steine ins rechte Licht gerückt werden

Zugegeben, es gibt großartige Juweliere wie Wempe, Mahlberg, Bucherer, Wissmann usw. in der Innenstadt. Nur einen herauszupicken grenzt an schwere Ungerechtigkeit, aber Brahmfeld & Gutruf ist eben ein Geschäft, das man nicht nur wegen seiner Tradition und wegen des zeitlosen, klassischen Schmucks besucht, sondern auch wegen seiner Architektur. Die beiden Etagen stellen ein einziges Lichtkunstwerk aus 80.000 Leuchtdioden dar, die sich per iPad ansteuern lassen. Es wirkt, als hätte sich das Innere eines Raumschiffes in ein Kontorhaus verirrt. Die Lampen bringen die Steine zum Strahlen, die in der Hansestadt gerne von höchster Qualität sein dürfen. Dafür wird bei Verzierungen gespart; die Hamburger(innen) schätzen schlichte Formen. Wollte man den Schmuckgeschmack der Stadt auf einen simplen Nenner bringen, dann wäre dieser: viel Stein, kaum Design.

Brahmfeld & Gutruf, Neuer Wall 18, Mo – Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 – 18 Uhr

7. Für Damen mal eine etwas andere Einkaufs-Geschichte

Ist Ihnen bei den Öffnungszeiten der Shops auf diesen Seiten etwas aufgefallen? Genau: Die Hamburger Innenstadt wird um 19 Uhr fast überall dicht gemacht. Das macht den Neuzugang aus Stockholm gleich sympathisch: Selbst am Sonnabend kann die modebewusste Frau von heute hier noch bis 20 Uhr shoppen. Der Ableger von H&M bietet etwas höherwertigere und schicker präsentierte Ware als die Shops des Mutterunternehmens. Gleich gegenüber Tiffany’s, zwischen Cartier und Montblanc gibt’s Fashion, Accessoires, Beauty-Produkte und Lingerie auf zwei Stockwerken, und das alles noch zu erschwinglichen Preisen. Der Verkaufsraum mit seinem Betonboden, Kleiderständern auf Rollen und Werkbänken soll anmuten wie der Backstage-Bereich einer Modenschau. Da läuft frau gleich viel aufrechter.

&otherstories, Neuer Wall 20, Mo - Sa 10 - 20 Uhr

8. Wo man Flagge zeigt und sich einen Fantasiestaat malen kann

Am unteren Ende des Neuen Walls ist seit 2001 der Kostüm-, Flaggen- und Scherzartikel-Spezialist Fahnenfleck zu Hause. Die Verkäufer wissen nicht nur, was zu Karneval angesagt ist, sondern auch, was am St.-Patricks-Day, Halloween und zum Schlager Move getragen werden sollte. Außerdem faszinieren die ca. 230 Tischflaggen von fast allen Ländern der Erde. Neben diesen Dekoflaggen kaufen viele Hamburger Hissflaggen aus wetterbeständigem Polytex. Und wer schon immer mal seinen eigenen Zwergenstaat ausrufen wollte, kann hier eine Fantasieflagge anfertigen lassen, die dann in der Hauptstelle in der Kieler Straße gefertigt wird.

FahnenFleck, Am Neuen Wall 57, Mo - Fr 10-19 Uhr, Sa 10 - 18 Uhr

9. Farbenfroher Shop mit Geschenke-Finde-Garantie

Wer gerne in Museen geht, wird sich stundenlang im Cedon Designshop im Hanseviertel aufhalten können. Zwar gibt es hier keine Ausstellungen, aber hinter jedem Verkaufsgegenstand steckt eine kreative Idee und/oder ein bestimmter Künstler. Spülbürsten sind nicht einfach nur Spülbürsten, sondern kommen als afroamerikanische Tänzer daher, die so gleich ein bisschen Schwung in den Abwasch bringen sollen. Lineale haben die Form von Giraffen, Aktenmappen sind mit der passenden Arbeitsmoral beschriftet: „Nur immer fix, sonst kriegste nix.“ Die Sprüche von Wilhelm Busch und anderen klugen Köpfen zieren auch Karten und Servietten; genau wie die Lifestyle-Bücher, Jacobsen-Wecker oder Bojesen-Dackel wird alles nach Farben geordnet. Eine bunte Mischung mit eingebauter Geschenke-Finde-Garantie.

Cedon Designshop im Hanse-Viertel, Große Bleichen 30, Mo – Sa 10 bis 20 Uhr

10. Köstlich klug. Ein Roman oder ein Krimi zum Mittagessen

Jeder Gast des fantastisch sortierten Geschäfts stories! im Hanseviertel wird auf ein Buch stoßen, das er nicht vorhatte zu kaufen, das er jetzt aber unbedingt haben will. Annerose Beurich, die Inhaberin der Sortimentsbuchhandlung, wählt mit ihrem Team ständig neue Belletristik, Sachbücher, Bildbände und Kinderbücher aus, um sie in dem Lesesaal Stammkunden und vielen vorbeischlendernden Touristen schmackhaft zu machen. Erstaunlich, was sie sich alles ausgedacht hat: Viele Bücher werden frontal präsentiert, eine Wand versammelt Bücher aller Coleur, die sich nur in der Farbe der Titelseite gleichen, für Inhaber der Kundenkarte gibt es einen Gratis-Cappuccino. Manche Büroangestellte der Umgebung bringen sich sogar mal eine Stulle mit, um in der Mittagspause zu schmökern.

stories!, Große Bleichen 36, Mo-Sa 10-20 Uhr

11. Dieser Einkauf vergrößert die Chance, dass man Sie gut riechen kann

Wer genug hat von Chanel No.5 und anderer Industrieware, der besucht Harald Lubner, den Meister der Riech-Kunst. Lubner führt 1000 verschiedene Düfte in seinem kleinen Laden. Er kennt jeden davon und führt mit seinen Kunden stets eine kleine Duftreise durch, bei der man sich nach und nach zu seinem persönlichen Favoriten voran riecht. Am Ende ist man ganz benebelt, weiß aber endlich mal wieder, wozu man seine Nase hat. Die vertretenen Parfümeure würden nie in Kaufhäusern oder Ketten wie Douglas angeboten werden wollen, sondern verstehen sich als Künstler. Eine Trennung von Frauen- und Männerdüften findet Lubner unsinnig, denn heute kaufe ein echter Kerl plötzlich das süßeste Vanilleparfum, und eine Dame entscheide sich unerwartet für etwas Rauchiges, Erdiges. Nach Scheidungen oder anderen einschneidenden Erlebnisse ändere sich der Geschmack der Kunden häufig, kein Wunder, denn Liebe geht durch die Nase.

Parfümerie Harald Lubner, Große Bleichen 23, Mo bis Fr 10.30 – 19 Uhr, Sa 10.30 – 18 Uhr

12. Schränke und Stühle, auf denen man gerne nachsitzt

Wer Köttbullar als köstliches Dinner betrachtet, der geht eher woanders hin. Wer jedoch auf guten Geschmack nicht nur bei Essen und Kleidung, sondern auch bei seiner Einrichtung Wert legt, ist hier perfekt beraten. Fritz Hansen, Vitra, Cassina, Artemide, Thonet – selten so viele große Marken und internationale Designklassiker konzentriert an einem Ort erlebt. Seit der Umgestaltung der Kaisergalerie konnte sich Gärtner – zuvor umringt vom Ohnsorg Theater – auf 2600 Quadratmeter ausbreiten. Was das Möbel-Geschäft noch ausmacht: Vier Inneneinrichter, die aus vagen Kunden-Ideen klug durchdachte Büros, Wohn- oder Schlafzimmer zaubern. Da macht selbst Großraum wieder Spaß. Aber Achtung: Plötzlich mehren sich die Überstunden, weil der Arbeitsplatz zu schön ist, um ihn zu verlassen.

Gärtner Internationale Möbel, Große Bleichen 23, Mo – Fr 10 - 19 Uhr, Sa 10 - 18 Uhr

13. Man umgebe mich mit Luxus, auf alles Notwendige kann ich verzichten

Braucht man eine perlenüberzogene Handyhülle in Form einer Parfümflasche? Wer sich so eine Frage stellt, der wäre im Uzwei falsch, dem neuen Multi-Labelgeschäft in der Kaisergalerie. Uzwei, das bedeutet Shoppen für Fortgeschrittene, das ist ganz großes Tennis in der Damen-Einkaufs-Liga. Wer mitspielen will, sollte Namen wie Stella McCartney, Chloé, Marc Jacobs und Kenzo buchstabieren können. Wer das nicht kann, erfreut sich einfach an der schönsten Laden-Treppe in der Innenstadt, trinkt eine Limonade im angeschlossenen Deli oder gönnt sich eine Gesichtsbehandlung, die hier am Wochenende ebenfalls angeboten wird. Das Uzwei ist ein 1000 Quadratmeter großer Ableger des Hamburger Traditionshauses Unger, man kennt sich also aus seit Jahrzehnten aus mit Luxus, und über eine kleine Brücke in der oberen Etage des Uzwei (gleich rechts von den Turnschuhen, die für Sport viel zu schade sind) erreicht man nebenan den Herrenausstatter Braun, der ebenfalls zur Familie gehört. We are Fashion-Family...

Uzwei, Große Bleichen 23-27 (in der Kaisergalerie), Mo – Sa 10 – 19 Uhr

14. Die Wundertüte für Küche, Bad und Schlafzimmer

Meistens läuft es so: Erst ein Geschäft eröffnen, dann in den Online-Markt einsteigen. Die drei Brüder Max, Moritz und Axel Stürken haben es andersherum gemacht. Die Hamburger betrieben bereits erfolgreich einen Versandhandel im Internet, als sie 2008 den dazugehörigen Laden in den Großen Bleichen eröffneten. Und der funktioniert wie eine Wundertüte. Man ist jedes Mal überrascht, was für schöne, neue Dinge sich dort finden. Bei Torquato gibt es alles, was man sich am liebsten selbst gerne schenken würde: Vaux-Sekt, Bettwäsche mit stoffbezogenen Knöpfen, Handtücher, die auch den Trockner überleben, alte, amerikanische Düfte, die schon Präsident Kennedy und Cary Grant trugen, Earl Grey-Tee, den Prince Charles bevorzugt, und Besteck der Firma Sabre, das so bunt daherkommt wie die Angebotspalette. Sogar ein Mini-Piano für Kinder könnte man kaufen, aber wer erst mal sparsam vorgehen will, der ersteht die legendäre Pears-Seife für 2,95 Euro. Manche Hamburger kommen extra um sie zu kaufen zu Torquato – ein Laden, der sich gewaschen hat.

Torquato, Große Bleichen 36, Mo – Sa 10 – 20 Uhr

15. Streifenlose Coolness zum An- und Einziehen

Knallbunte Streifen waren das Markenzeichen des britischen Designers Paul Smith. Auf Hemden und Schals strahlten sie fröhlich vor sich hin. In dem vor einem Jahr eröffneten Flagshipstore in den Hohen Bleichen sind die weltbekannten Streifen aber gerade noch mal auf einer Gürtelschnalle oder im Design eines Sessels zu sehen. Stattdessen gibt es in dem bis ins Detail perfekt umgestalteten Biedermeierhaus von 1856 genauso perfekt geschnittene Anzüge in Top-Qualität. Dazu von Smith in Kooperation mit Möbeldesigner oder Künstlern gestaltete Sessel, Sofas oder Gitarren. Ein Besuch des Gebäudes lohnt sich allein schon wegen des in der Innenstadt einmaligen Blicks auf den hauseigenen Garten, in dem im Sommer Events stattfinden. Drinnen hängen zur Zeit Zeichnungen über Männer und Stil aus. Malerisch.

Paul Smith, Hohe Bleichen 15, Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr

16. Die kleine Kundin Nimmersatt findet hier sicher immer etwas

Echte Feinkost schmeckt nicht nur gut, sie wird auch hübsch präsentiert. Peter Oschätzchen hat seine Affinität zu allem, was köstlich ist, auf viele Regale und Tische verteilt und dort warten die Schätze darauf, ihre Geschichten erzählen zu dürfen. Vom handgerührten Eierlikör über Honig mit Ingwer und Bergapfelsaft aus Südtirol bis hin zu Lakritz, das genau wie früher in der Apotheke hergestellt wird; man könnte viel länger über die Produkte sprechen wie es dauert, sie zu verzehren. Wenn man denn wagt, die teilweise wunderschönen Verpackungen zu öffnen. Gerade bei schlechtem Wetter sorgt ein Blick auf Kekse, Salze, Öle, Saucen, Tee und Schokolade aus aller Herren Länder für ein bisschen Urlaubsgefühl. Hübsch verpackte Sonne, die gut schmeckt und meist viele Kalorien hat – davon kann man nie genug bekommen.

Oschätzchen, Hohe Bleichen 26 und im Alsterhaus, Mo – Sa 10 – 19 Uhr

17. Alles, was der Gentleman und sein Sohn brauchen

Eins vorweg: Ja, es gibt 180 Hackett-Läden weltweit. Es handelt sich also um eine Ladenkette. Trotzdem fühlt man sich bei Hackett Hamburg wie bei seinem persönlichen Herrenschneider. Liegt es an Verkäufern wie Karsten Stubbe, die selbst etwas Gentlemanhaftes ausstrahlen? Dem wunderschön gestalteten Schränken, getäfelten Wänden und der ausgestellten Kunst von Joseph Beuys & Co.? Egal, wer hier einen Made-to-measure-Anzug bestellt, bekommt nicht nur gute Stoffqualität zu anständigen Preisen, sondern das Flair der Saville Row gleich mit. Im Sommer soll noch ein eigener Barber Shop dazukommen. Dann kann man sich hier seinen Bart einölen oder die Koteletten stutzen lassen, während man überlegt, ob der schicke Salt-and-Pepper-Dreiteiler im Raum nebenan den Kauf wert wäre. Eine kleine Abteilung für Kinder und Jugendliche ergänzt das Angebot, so dass hier auch mal Vater und Sohn auftauchen, um sich einzukleiden.

Hackett, Hohe Bleichen 28, Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr

18. Ausgesuchte Mode in ausgesuchter Umgebung

Würde Besitzer Markus Lau nicht jeden Tag eine schwarze Tafel mit den geführten Marken auf die ABC-Straße stellen, käme kein Mensch die Treppe hoch in den ersten Stock. Es lohnt sich aber, den Eingang zu suchen, man spart sich nämlich danach viel Sucherei. Die hat Lau schon übernommen und Herren- und Damenmode von seinen Lieblingsmarken (u.a. Drykorn, Closed, Scoth&Soda und Colmar) eingesammelt. Präsentiert werden sie in einer schick designten Wohnung samt Kamin. Kleiner Tipp: Zum ABC-Shop gehört auch ein Lagerverkauf in der Poststraße 36. Und wenn man schon mal dort ist, sollte man schräg gegenüber einen Blick in den tollen Taschenladen „Property of...“ werfen.

The ABC Shop, Neue ABC-Str. 5, Mo-Sa 10.30-19 Uhr

19. Für Schleckermäuler und Nachwuchs-Bäcker

Unter Kuchen-Fans kursiert das Gerücht, dass es kein größeres Geschäft für Backzubehör in Deutschland gibt. 3.000 verschiedene Produkte verteilt auf 200 Quadratmeter, diese Auswahl sticht alles aus. Von Förmchen über 3-D-Backformen, Spezialfarben und Schürzen bis zur fertigen Grundmasse Fondant – allein der Blick auf die Regale macht hungrig und weckt das Bedürfnis, umgehend Cake-Lollis oder Cupcakes herzustellen. Wer das noch nie gemacht hat, kein Problem. KDTorten bietet vor Ort auch Backkurse an. Bei den männlichen Hobbybäckern derzeit sehr beliebt ist übrigens das Anfertigen von Macarons; junge Mädchen hingegen stehen auf die Barbie-Kuchenform, bei der man der Puppe ein Kleid backt. Echt süß.

KDTorten, Colonnaden 3, Mo – Sa 9.30 – 20 Uhr

20. Traditionshaus mit einer zündenden Idee

In dem 1880 von Ferdinand Tesch gegründetem Ladengeschäft gibt es Zigarren, Rum, Whiskey und natürlich Pfeifen. Über 2500 Stück sogar, von der alten Meerschaumpfeife bis zur modernen Design-Pfeife aus dem 3D-Drucker. Tradition wird großgeschrieben, so sind E-Zigaretten oder E-Pfeifen bei Tesch verpönt, dienen sie doch nicht dem Genuss, sondern der Sucht. Dafür wartet ein 18 Jahre alter Rum aus Panama auf Genießer, sowie edle Raumdüfte, abfüllbar in schicken Flakons, dazu ein Halter für 14 Pfeifen. Mehr Fachwissen über Rauchwaren findet sich – Helmut Schmidt mal ausgenommen – nirgends in Hamburg.

Pfeifen Tesch, Colonnaden 10, Mo Fr 9-18.30 Uhr, Sa 10-17 Uhr

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