Schlump

Anwohner machen mobil gegen geplanten Switchh-Punkt

Initiative schickt Brandbrief mit 80 Unterschriften an Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke. Sie befürchten Lärm und den Verlust öffentlicher Parkplätze. Außerdem soll der Wochenmarkt umziehen.

Hamburg. Eigentlich könnten die Macher des Mobilitätsangebots Switchh zufrieden sein. Bis zum Jahresende wird es in allen Bezirken eine Mobilitätsstation geben, an der Fahrgäste einfach von Bussen und Bahnen auf Carsharing-Angebote, Leihräder oder Mietwagen umsteigen können. In allen, bis auf einen. Im Bezirk Eimsbüttel gibt es Krach um den geplanten Standort am U-Bahnhof Schlump. Am kommenden Montag sollen die Pläne im Kerngebietsausschuss des Bezirks präsentiert werden. Dort könnte eine erste Entscheidung fallen.

Bereits Ende vergangenen Jahres hat sich eine Anwohnerinitiative in der Gutstav-Falke-Straße gegründet, die gegen den Switchh-Punkt mobil macht. Gerade haben sie erneut in einem Brandbrief an Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) gegen die Planungen protestiert. 82 Nachbarn haben das Schreiben unterzeichnet.

Befürchtet werden eine höhere Lärmbelastung an dem auch jetzt schon stark frequentierten Umsteigepunkt. Die Anwohner kritisieren auch, dass erneut öffentliche Parkplätze in dem Wohngebiet wegfallen. Ein weiteres Ärgernis: Der kleine Wochenmarkt, der montags und donnerstags in der Gustav-Falke-Straße stattfindet, müsste ein Stück weiter Richtung Bundesstraße ziehen. Das lehnen Markthändler und auch viele Kunden ab.

„Wir sind nicht gegen das Mobilitätsangebot, aber wir halten den Standort für wenig durchdacht“, sagte Sprecherin der Anwohner-Initiative der Gustav-Falke -Straße, Hiltrud Voß. Unter anderem schlagen die Nachbarn deshalb den Parkplatz des gegenüberliegenden Haus des Sports als switchh-Punkt vor. Außerdem kritisieren sie mangelnde Informationen an die betroffenen Anrainer.

Der Sprecher der Hamburger Hochbahn, Christoph Kreienbaum, hält dagegen. „Die U-Bahnstation Schlump ist der ideale Ort im Bezirk.“ An dem Verkehrsknotenpunkt fahren U2 und U3, zu dem zahlreiche Buslinien. Darunter der stark frequentierte Metrobus 4. Geplant sind sieben Stellplätze für Car2go-Wagen und fünf für Mietwagen. In unmittelbarer Nähe ist eine StadtRad-Station und ein Taxen-Stand. In den vergangene Monaten seien verschiedene Flächen geprüft worden, so Kreienbaum. Auch die Parkplätze am Haus des Sports. „Aber dort ist zu wenig Platz“, sagt der Hochbahn-Sprecher.

Gemeinsam mit dem Carsharing-Anbieter Car2go und der Autovermietung Europcar steht die Hochbahn hinter dem Mobilitätsangebot. Seit Mai 2013 können sich Kunden über das Internet oder eine Smartphone-App Informationen über die beste Verbindung im Öffentlichen Nahverkehr der Stadt anzeigen lassen. Auch die Taxivermittlung myTaxi ist enthalten. Derzeit gibt es 2300 registrierte switchh-Kunden, die neben den allgemein zugänglichen Informationen auch Vergünstigungen erhalten.

Switchh-Punkte gibt es bislang am Berliner Tor, in Bergedorf, Harburg, Eppendorf und am Wandsbeker Markt. Bauarbeiten laufen derzeit außer an der Saarlandstraße noch am Bahnhof Altona. Nach Angaben der Verkehrsbehörde werden insgesamt 33 bislang öffentliche Parkplätze in grüne switchh-Flächen umgewandelt. Auch an der Goernestraße, wo erst Anfang Oktober ein Mobilitätspunkt eingerichtet wurde, gibt es Kritik.

„Entschieden ist noch nichts“, sagte Anne Schum, Sprecherin der SPD-Fraktion im Kerngebietsausschuss. Sie betonte, dass die Planungen nach den Anwohner-Protesten bereits verändert worden seien. „Die Flächen sind kleiner geworden und der Markt muss nicht so weit umziehen“, so die Sozialdemokratin, die Verständnis für die Argumente der Anwohner äußerte. Sie sagte aber auch, dass der Bezirk Eimsbüttel sehr daran interessiert sei, einen Mobilitätspunkt zu bekommen. „Der Standort passt gut zu dem neuen naturwissenschaftlichen Campus der Universität an der Bundesstraße, weil besonders junge Menschen die Carsharing-Angebote nutzen.“