Hamburg

Aufregung um Lokstedts beliebten Drive-in Briefkasten

Ein Opfer der Busbeschleunigung: Die CDU setzt sich für das Briefeinwerfen aus dem Auto ein. Die Geschichte eines verrückten Briefkastens.

Lokstedt. Die amerikanische Restaurantkette McDonald‘s hat einen ihrer berühmtesten Hamburger Drive-ins an der Kollaustraße in Lokstedt. Hier fällt ein, wer über die Autobahn aus Norden nach Hamburg gebrettert kommt und hinter der Shell-Tankstelle den Duft von Frittenfett in der Nase spürt.

Und nicht weit von diesem Drive-in gibt es einen beliebten „Drive-by“ der Post, einen Briefkasten, in den man seine frankierten Briefe werfen kann, ohne die Verkehrsregeln zu beugen und ohne aus dem Auto aussteigen zu müssen.

Gab es, um genau zu sein. Und hier geht der Streit los. Es geht um Busbeschleunigung, enttäuschte Postkunden und einen von Hamburgs gelben Kasten mit Vorfahrqualität. Denn der Drive-in (Reinfahren) oder Drive-by (Vorbeifahren) am Siemersplatz ist Geschichte. Im Zuge des Kreuzungs-Massakers wurde auch die Parkspur an der Post neu gepflastert.

Zunächst nur provisorisch, dann endgültig entfernt wurde der Briefkasten am Ende der Parkstraße. Hier konnten Fahrer, auch Senioren mit wenig Neigung zu automobilem Geschick, vorbeifahren, das Fahrerfenster heruntersummen lassen, die Klappe anheben und Briefe einwerfen.

Das war bequem. Es schonte die Nerven aller Verkehrsteilnehmer, denn niemand musste am vorderen Teil der Parkbucht am Briefkasten am Posteingang halten. Und es schont die Umwelt. Denn wer erst einen Parkplatz sucht, verschwendet Sprit und belastet die Lokstedter Luft. Und den Motor laufen lassen, einen Stau direkt vor der Post provozieren, nur um schnell einen Brief einzuwerfen? Das geht gar nicht!

Nun hat der CDU-Mann Carsten Ovens den Briefkasten als politisches Projekt angenommen. "Der Siemersplatz bleibt im Mittelpunkt der Diskussion. Nachdem die Lokstedter Kreuzung im vergangenen Jahr über Monate im Rahmen der Busbeschleunigung umgebaut wurde, rollten in diesem Frühjahr wieder die Bagger an. Ziel war dieses Mal die Aufwertung der Nebenfahrbahn vor den Geschäften. Dabei haben die Planer leider ein wichtiges Detail übersehen“, so Ovens. Der „Briefkasten für Autofahrer“ müsse zurück.

Das Bezirksamt schiebe es auf die Post. Es liege kein entsprechender Antrag vor. Und die Post? Ovens: „Laut Stellungnahme der Deutschen Post AG gibt es dagegen weder die Möglichkeit noch die Genehmigung zur Aufstellung eines Postkastens für Autofahrer nach dem Umbau.“

Ovens hat mit der CDU-Bezirksfraktion im Regionalausschuss Lokstedt einen Antrag zur Neuaufstellung des Briefkastens gestellt. Die Abgeordneten waren einstimmig dafür. Nun muss sich die Vorsitzende der Bezirksversammlung mit der Post in Verbindung setzen. Die Bezirksversammlung muss ebenfalls noch zustimmen.

Aber kurz vor der Bürgerschaftswahl, hoffen die Lokstedter, ist der Briefkasten sicher wieder da. Und wenn nicht? Gut möglich, dass der Hamburger CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich das zur Chefsache macht. Sein Elternhaus steht nicht weit vom Siemersplatz.