US-Generalkonsulat

Ist das Alsterufer in Rotherbaum bald wieder befahrbar?

Noch residiert das US-Generalkonsulat im „kleinen Weißen Haus“. Doch Makler suchen schon neuen Standort. Die Straße ist seit 2001 mit Pollern gesperrt. Räumlichkeiten sind zu groß geworden.

Hamburg. Das US-Generalkonsulat an der Alster sucht nach Abendblatt-Informationen einen neuen Standort. Auf Anfrage bestätigte US-Generalkonsulin Nancy Corbett: „Das US-Generalkonsulat erwägt einen Umzug in neue, zweckmäßigere Räumlichkeiten. Ein Umzug hätte gegebenenfalls den Verkauf des derzeitigen Konsulargebäudes Am Alsterufer zur Folge, das sich seit 1950 im Besitz der US-Regierung befindet.“

Allerdings betonte die Generalkonsulin auch: „Der Entscheidungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.“ Aber eines steht fest: „Das US-Generalkonsulat wird weiterhin in Hamburg bestehen bleiben“, sagt Corbett.

Es gibt bereits seit Längerem Gerüchte über einen möglichen Umzug des US-Generalkonsulats. Nach Abendblatt-Informationen wurde ein international tätiges Maklerunternehmen beauftragt, nach möglichen Standorten in Hamburg zu suchen. Es gab offenbar auch schon mehrere Vorschläge. Wegen der Sicherheitsauflagen gibt es entsprechend hohe Anforderungen an eine neue Immobilie. Auch die Stadt weiß von den Umzugsplänen des US-Generalkonsulats.

Grund für die Pläne ist, dass die repräsentativen Räumlichkeiten zu groß geworden sind. Es arbeiten immer weniger Mitarbeiter an diesem Standort, und deshalb ist auch der Flächenbedarf gesunken. Das Hamburger US-Konsulat hat nicht mehr eine so große Bedeutung wie in der Nachkriegszeit.

Nach Abendblatt-Informationen haben auch schon Spezialisten der US-Regierung die Immobilie bewertet. Das „kleine Weiße Haus“ in bester Lage mit Alsterblick gilt als Top-Objekt. Neben einer Büronutzung wäre hier auch ein Umbau zum Hotel oder zu Luxuswohnungen möglich. Bei einem Verkauf dürfte ein höherer zweistelliger Millionenbetrag erzielt werden. Die beiden imposanten Häuser sind klassische Beispiele exklusiver hanseatischer Architektur des 19. Jahrhunderts. Sie wurden vom Rathaus-Architekten Martin Haller entworfen. In der NS-Zeit dienten sie der NS-Gauleitung als Hauptquartier. Die Amerikaner hatten die repräsentativen Villen im Jahr 1950 erworben. Das Generalkonsulat bezog die Räume im Oktober 1951.

Zu einer Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen führten die Terroranschläge vom 11. September 2001. Daraufhin wurde das Konsulat praktisch zur Festung ausgebaut, die rund um die Uhr von Dutzenden Polizisten bewacht wird. Das Alsterufer ist auf diesem Abschnitt mit Pollern, Panzersperren und Leitplanken abgeschottet. Zwei Millionen Euro wurden investiert, um das Konsulat unter anderem mit einem zusätzlichen 400Meter langen und 1,40 Meter hohen Zaun zu sichern. Sollte die US-Regierung den Standort verlassen, dürfte das „Weiße Haus“ an der Alster wieder zu einer stark frequentierten Touristenattraktion werden. Auch die Verkehrssituation dürfte sich in diesem Bereich wieder entspannen.

Hamburg spielte in der Geschichte der amerikanischen Konsulate eine besondere Rolle. Die Hamburger Repräsentanz war bereits im Jahr 1790 eröffnet worden – als eines der ersten amerikanischen Konsulate überhaupt. Seitdem mussten die Diplomaten samt Personal häufiger umziehen. Die repräsentative Alstervilla ist mindestens die 30.Adresse des US-amerikanischen Konsulats in der Elbmetropole. Und voraussichtlich nicht die letzte.