Sewigs Tierwelt

Vorzüge von Erpel Eike lernen viele Menschen im Schlaf kennen

"Die Eiderenten sind die lautesten, dicksten und schwersten Enten auf dem Teich", sagt Walter Wolters, Vogelkurator im Tierpark Hagenbeck.

Hamburg. Das Kleid, in das er sich wandet, gehört "zum Feinsten, was es nur gibt", sagt Walter Wolters. Und der muss es wissen. Hat der Vogelkurator im Tierpark Hagenbeck doch schon so manches Federvieh in den Händen gehabt. "Doch nichts ist mit der Eiderdaune vergleichbar!", schwärmt Wolters. Und so wärmen die Daunen nicht nur seit Jahrhunderten bevorzugt in Bettdecken Menschen, die sich das leisten können. Sondern vor allem auch Eike und seine Artgenossen - die Eiderenten vom Tierpark-Vogelteich.

Die drei Paare der auffälligen Meeresenten stechen aus der großen Entenschar gut heraus: "Die Eiderenten sind die lautesten, dicksten und schwersten Enten auf dem Teich", sagt Wolters und lacht. Und schiebt schnell hinterher, dass die Vögel auch ganz besonders hübsch seien: "Die Pastelltöne der Männchen sind einfach toll."

Eiderenten (Somateria mollissima, übersetzt etwa: "die Weiche mit dem schwarzen Körper") besiedeln die arktischen Küsten des Atlantiks und des Pazifiks. In Europa kommen sie vor allem in Skandinavien vor, doch auch mit einer kleinen Brutpopulation an der Nordseeküste und rastend im Wattenmeer. Die Tiere werden etwas größer als eine Stockente und etwa 2,2 Kilogramm schwer - doch durch ihre Kopfform wirken sie noch massiver: Die hohe Schnabelwurzel geht direkt in die Stirn über, dadurch ist der Kopf keilförmig. In jeder Polizeikartei würde sie damit herausstechen: Dieses Profil gibt es so nur einmal unter den Entenvögeln.

Farblich putzen sich Eike und die beiden anderen Eiderenten-Erpel in der Brutsaison ordentlich heraus: Während die Weibchen ein fast einfarbig braunes Federkleid tragen, zeigen sich die Männchen in Schwarz-Weiß, wobei die Brust pastellig rosa und der Nacken pastellig grün angehaucht sind.

Die Brutsaison ist jedoch gerade vorüber, die Enten beginnen bereits mit der Mauser, sagt Roy Schulz, Reviertierleiter im Vogelrevier: "Leider waren in diesem Jahr alle Eier unserer Eiderenten unbefruchtet." Damit es überhaupt Entenjunge bei Hagenbeck gibt, sammeln die Tierpfleger jedes Jahr die Eier aus den Gelegen ein und brüten sie in einem Brutschrank aus. "Bei 500 Möwen auf eine Ente hätten Eier und Jungvögel sonst keine Chance", erklärt Wolters. Denn leider fliegt Hamburgs wilde Möwenschar auf die guten Futterbedingungen im Tierpark.

Auf Island, wo mit rund 450 000 Paaren weltweit die meisten Eiderenten an einem Fleck brüten, fällt der Verlust durch die eine oder andere Möwe oder Krähe nicht so ins Gewicht. Dabei decken die Weibchen der Eiderenten ihre Gelege sogar liebevoll mit Daunenfedern zu, wenn sie sie einmal kurz verlassen müssen - hauptsächlich jedoch gegen den Wärmeverlust. 20 Gramm Daunen verbleiben nach der Brut im Nest, die seit dem 10. Jahrhundert "geerntet" werden und bis Mitte des 20. Jahrhunderts eines der wichtigsten Exportartikel Islands darstellten. Nach der Reinigung der Daunen bleiben noch 1,5 Gramm verwendbarer Federn übrig, womit klar wäre, warum das weiche Gut so wertvoll ist.

Bei Hagenbeck verzichtet man auf diese Nutzung, dafür müssen die Meeresenten auf ihre ursprüngliche Nahrung verzichten. Im Freiland tauchen sie nämlich Muscheln vom Meeresgrund hoch, deren Schalen erst im Muskelmagen der Vögel geknackt werden. "Bei uns bekommen sie spezielles Futter für Wassergeflügel, mit allen wichtigen Inhaltsstoffen - sogenannte Schwimmpellets", sagt Walter Wolters. Und Schwimmen ist nun einmal das, was Eike und seine Artgenossen besonders gut können. Wolters: "Die Enten führen ein Leben auf dem Meer - sie kommen nur zur Brut an Land."

Dort sind sie dann allerdings verdammt schlechte Fußgänger. Aber solange sie uns ihre Daunen dalassen, sehen wir darüber großzügig hinweg.

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