Hamburgs bester Stadtteil

Elbvorort Rissen: Wunderbare Feuchtgebiete und ein "Canyon"

Der Leuchtturm Wittenbergen am Elbufer in Rissen bildet seit 1900 zusammen mit dem Leuchtturm Tinsdal die Richtfeuerlinie Wittenbergen–Tinsdal für elbabwärts fahrende Schiffe.

Der Leuchtturm Wittenbergen am Elbufer in Rissen bildet seit 1900 zusammen mit dem Leuchtturm Tinsdal die Richtfeuerlinie Wittenbergen–Tinsdal für elbabwärts fahrende Schiffe.

Foto: Thorsten Ahlf

Wo ist es in der Stadt am schönsten? 50 leidenschaftliche Plädoyers. Teil 3: Die erstaunliche Schöne am Rande Hamburgs.

Hamburg. Tief durchatmen. Geerdet sein. Ruhe finden. Wenn ich die Gründe benennen soll, die Rissen zu meinem liebsten Hamburger Stadtteil adeln, dann fallen mir diese drei Argumente ein, die alle ein ähnliches Lebensgefühl umschreiben. Rissen bedeutet für mich Blick auf die Elbe, Rissen ist vor allem Natur. Eher Erholung als Wohnort. Weil ich dort befreit ausschreiten und die Seele baumeln lassen kann.

Wo gibt es das sonst noch, dieses wunderbare Miteinander von Wasser und Wald? Er hat für mich etwas ganz Besonderes, dieser Stadtteil, der sich auf der einen Seite an die Elbe schmiegt und an dessen anderem Ende der riesige Forst Klövensteen mit seinen herrlichen Weiten zum Spazierengehen, Radfahren und Reiten einlädt. Ich liebe die Bewegung an der frischen Luft, den Duft von Wiesen.

Ich finde es traumhaft, mitzuerleben, wie im Frühling das Grün sprießt und allmählich zu satterer, dunklerer Farbe heranreift und wie im Herbst das Laub in allen Farben von Orange bis Bordeauxrot leuchtet. Und mit allem werde ich in Rissen reich bedient.

Elbe und Leuchtturm – Genuss bei jedem Wetter

Allerdings muss ich ehrlicherweise sagen: Ich wohne nicht in dem im äußersten Hamburger Westen gelegenen Stadtteil, sondern ganz kurz hinter der Landesgrenze, in Wedel, exakt gezählte 280 Schritte von Hamburg entfernt. Ein Katzensprung, der mich zumindest gefühlt zu einer Beinahe-Rissenerin macht. Das heißt, hier genieße ich die Landschaft, zu Fuß oder auf dem Fahrrad, im Wald und an der wunderschönen Elbe, über der der eindrucksvolle Wittenberger Leuchtturm thront.

Am Ufer des Stroms oder auf dem (zurzeit leider gesperrten) Höhenwanderweg entlangspazieren: ein Traum – egal ob das Wasser bei Sonnenlicht glitzert oder ob dicke Wolken wie mächtige graue Kissen fast den Fluss zu berühren scheinen. Elbe und Leuchtturm: Das geht immer!

Rissen: Das sind die Fakten

  • Einwohner: 15.763
  • Davon unter: 18 3023
  • Über 65: 4628
  • Durchschnittseinkommen: 65.855 € (2013)
  • Fläche: 16,7 km²
  • Anzahl Kitas: 7
  • Anzahl Schulen: 2 Grundschulen, 1 Gymnasium, 1 Stadtteilschule
  • Wohngebäude: 3800
  • Wohnungen: 7714
  • Niedergelassene Ärzte: 33
  • Straftaten im Jahr 2018: 851 erfasst, 244 aufgeklärt

Als würden hier Kobolde und Nixen hausen

Mein absoluter Favorit ist allerdings das Schnaakenmoor im Klövensteen. Das Licht und die Vielfalt dieses Naturschutzgebiets, das moorige Feuchtgebiete umfasst und in anderen Regionen an die Lüneburger Heide erinnert, hätten Monet zu zahlreichen wundervollen Gemälden inspirieren können – vor allem im Frühling, wenn das weiß blühende Wollgras der Landschaft helle Akzente auftupft. Weiter geht es von dort aus, vorbei an satten Weiden mit Kühen und tiefer in den Forst, über zig Kilometer, wenn man möchte.

Und wer Glück hat, entdeckt einen malerischen kleinen Teich, übersät mit Wasserpflanzen und beschattet von den tief hängenden Ästen riesiger Bäume. Wer einmal so einen idyllischen Lieblingsplatz gefunden hat, kommt immer wieder gern dorthin, nimmt auf einer Bank Platz und schaut gedankenverloren aufs Wasser. Viel dunkler wirkt es als das des Elbstroms und verwunschener – als würden dort Kobolde und Nixen hausen. Dabei sind es nur Enten und Frösche. Aber man darf ein bisschen träumen. Fast ebenso malerisch sind die „Fischteiche“, vom Sandmoorweg nur wenige Schritte entfernt.

Und wer keinen Picknickkorb dabei hat, aber Durst und Hunger verspürt, kann in der mitten im Wald gelegenen Ponywaldschänke oder in der Kleinen Waldschänke am Wildgehege einkehren. Überhaupt das Wildgehege: Hier kann man unter anderem Wildschweine, Damwild, Eulen, Waschbären und Nerze beobachten, alles bei einem schönen Spaziergang und ohne Eintritt zahlen zu müssen.

In der Nähe des „Canyon“ lockt ein Skaterpark

Als mein Sohn klein war, sind wir oft dort unterwegs gewesen, er erst im Buggy, später auf dem Laufrad oder zu Fuß. Und der vor dem Eingang des Wildgeheges gelegene Spielplatz ist für kleinere Kinder ein toller Ort zum Toben, Rutschen, Schaukeln und Balancieren. Und Richtung Elbe, jenseits der irreführenderweise als „Canyon“ bezeichneten Schnellstraße, die den Stadtteil durchschneidet, lockt ein Skaterpark.

Bei so viel reizvollen Freizeitmöglichkeiten im Freien nehme ich die Engpässe in anderen Belangen gern in Kauf: dass das Angebot an Cafés und Restaurants übersichtlich ist. Dass, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Bürgersteige in Downtown-Rissen um 18 Uhr hochgeklappt werden. Vor allem die S-Bahn-Anbindung ist im wahrsten Sinne des Wortes ausbaufähig, um nicht zu sagen ausbaubedürftig. Denn außer während der Rushhour fahren die Linien von und nach Rissen nur im 20-Minuten-Takt. Ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr sieht anders aus.

Und noch ein Wermutstropfen: In Rissen zu wohnen ist nichts für den kleinen Geldbeutel. Das Prädikat „Elbvorort“ hat seinen Preis, besonders in den Straßen mit Blick auf die Elbe und in der Nähe des wunderschön angelegten Golfclubs Falkenstein, am Klövensteen oder im begehrten „Nibelungenviertel“, in dem alle Straßen nach Wagner-Opern benannt sind.

Hamburgs Elbvorort Rissen: Geheimtipps

Noch ein paar Insidertipps? In Rissen gibt es einen wunderbaren Fischfeinkostladen, in dem neben herrlich frischem Fisch für eine Hauptmahlzeit tolle Salate zu haben sind. In dem Stadtteil ist mein Lieblings-Obst-und-Gemüse-Geschäft, das auch fabelhaft schmackhafte Antipasti und Brotaufstriche anbietet.

Und mein absolutes Highlight: der Teeladen von Wiebke Strelow an der Wedeler Landstraße. Hier gibt es schöne Accessoires rund um den Tee – und natürlich vor allem: Dutzende Sorten Tee, egal ob Früchte, mit besonderen Aromen, grün oder schwarz. Ich bin, ich muss es zugeben, einigen Sorten aus ihrem Angebot verfallen. Genauso geht es vielen andere Kunden. Manche lassen sich ihre Tees aus Rissen sogar bis nach Südamerika oder sonst wo in der weiten Welt nachschicken. Aus gutem Grund.

Rissen: Das sind die Highlights

Der Leuchtturm

Rissen Leuchtturm

Der Leuchtturm Wittenbergen am Rissener Ufer ist wunderbar bei einem Strandspaziergang zu besichtigen. Er bildet seit 1900 zusammen mit dem Leuchtturm Tinsdal die Richtfeuerlinie Wittenbergen–Tinsdal. Seit 2004 steht er unter Denkmalschutz.

Skatepark Rissen

Rissen Skatepark

Der Skatepark mit Rampen und Wall (Sülldorfer Landstraße 325A) ist rund um die Uhr geöffnet.

Der Forst Klövensteen

Rissen Naturschutzgebiet

Dieses Waldgebiet mit Wildgehege wurde schon etwa 1910 als lohnendes Ausflugsziel erwähnt. Um sich im Wildgehege (Sandmoorweg 160) Wildschweine, Uhus und Damwild ansehen zu können, muss kein Eintritt bezahlt werden.