Handwerk in Hamburg

Die Politiker und die Sorgen des Handwerks

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Thomas Heyen
Diskutierten während des 26. Handwerkerforum: Stephan Jersch (Die Linke), Katharina Beck (Grüne), Metin Hakverdi (SPD), Jörg Ungerer (Moderator), Sonja Jacobsen (FDP, Uwe Schneider (CDU), Olga Petersen (AfD).

Diskutierten während des 26. Handwerkerforum: Stephan Jersch (Die Linke), Katharina Beck (Grüne), Metin Hakverdi (SPD), Jörg Ungerer (Moderator), Sonja Jacobsen (FDP, Uwe Schneider (CDU), Olga Petersen (AfD).

Foto: Thomas Heyen

Wortreich haben die Bundestagskandidaten versucht, die Sorgen der Handwerker im Bezirk Bergedorf zu zerstreuen.

Hamburg. Das Handwerk ist von Problemen geplagt: Neben gestiegenen Materialpreisen und Fachkräftemangel bereiten der Wandel in der Energie- und Klimapolitik sowie – als direkte Folgeerscheinung – die geplante Verkehrswende den Handwerkern große Sorgen. Beim 26. Handwerkerforum im Alt-Lohbrügger Hof wollten die Handwerker wissen, was sie von den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu erwarten haben.

„Wir brauchen große Schritte“, sagte Stephan Jersch (Die Linke). Den Menschen in Handwerk und Gewerbe müsse die Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes bei klimaneutraler Wirtschaftsweise genommen werden. „Für die Planungssicherheit muss die öffentliche Hand enorm investieren“, sagte Metin Hakverdi (SPD). Ohne das Handwerk sei kein Klimawandel machbar, betonte Sonja Jacobsen (FDP): „Irgendwer muss die Solarmodule ja aufs Dach schrauben.“

Handwerk in Hamburg: Politiker mit zahlreichen Fragen konfrontiert

„Die Regierung kommt mit Verboten. Auf die Glühbirne wird der Verbrennungsmotor folgen. Ich lehne Verbote als Erziehungsmaßnahme ab“, sagte Olga Petersen (AfD) – woraufhin Katharina Beck von Bündnis 90/Die Grünen entgegnete, dass das Verbot von FCKW von der Bevölkerung akzeptiert worden sei.

Die Ausbildung, da waren sich die Politiker einig, müsse attraktiver gestaltet werden, zumal es „in einigen Bereichen mehr Jobs“ geben wird, betonte Katharina Beck. Das duale Ausbildungssystem sei ein Erfolgsmodell, das aber modernisiert werden müsse, so Sonja Jacobsen.

Zu wenig Manpower, um die Gebäude zu sanieren

Bezirkshandwerksmeister Christian Hamburg geht davon aus, dass für die energetischen Sanierungen etlicher alter Gebäude in Hamburg, die nun anstehen, in den beteiligten Gewerken bis zu viermal mehr Manpower benötigt wird, als derzeit zur Verfügung steht. „Diese Arbeiten sind viel aufwendiger als das Errichten von Neubauten.“

Nicht nur die knapp 30 Besucher im Saal, sondern auch Interessierte, die das Forum live im Internet verfolgten, stellten Fragen. Sie wollten etwa wissen, wie die Energiewende bei steigenden Materialpreisen umzusetzen sei. Ein Malermeister fragte, was die Politiker täten, um das Handwerk zu fördern?

Von den Milliardensubventionen in den Klimaschutz profitiert auch das Handwerk

Die Vertreter von Grünen, SPD und CDU berichteten von Subventionen in Milliardenhöhe, die in den klimabedingten Strukturwandel, auch in neue Verkehrskonzepte, investiert werden. Auch das Handwerk müsse subventioniert werden.

„Wir brauchen eine Renovierung der Infrastruktur“, sagte Katharina Beck. „Wir müssen endlich die sozial-ökologische Transformation zusammen mit dem Handwerk in die Hand nehmen.“ Olga Petersen forderte „mehr Meister statt Master“. Uwe Schneider (CDU) will sich dafür einsetzen, dass das Handwerk nicht „kaputtreguliert“ werde.

Politiker wollen die Bürokratie abbauen

Sonja Jacobsen forderte ein Bafög für Auszubildende und Meisterschüler. „Wir brauchen eine Förderung wie beim Studium.“ Außerdem müssten „ortsnahe Flächen, die bezahlbar bleiben“ für die Ansiedlung von Handwerkern ausgewiesen werden. Hakverdi versuchte, den Anwesenden Mut zu machen: „Es wird ohne Ende investiert werden, die Auftragslage wird großartig sein“, meinte er mit Blick auf neue Technologieprojekte, aber auch auf Brückensanierungen.

„Die Verbesserung von Klimazielen ist für das Handwerk immer eine gute Nachricht.“ Der Genosse will auch die „Bürokratie funktionaler gestalten“. Jersch fordert „einen Abschied von der Schuldenbremse“, da es sich wie bei Corona um eine Notlage handle. „Die Milliarden für den Klimaschutz müssen schließlich irgendwo herkommen.“

Online ist das Handwerkerforum abrufbar

Das 26. Handwerkerforum kann in voller Länge im Internet abgerufen werden: Auf der Seite der Handwerkskammer (hwk-hamburg.de) findet sich ein Link. Demnächst soll der Abend auch in einer gekürzten Version abrufbar sein.