Curslack

Dieser Mann hat eine Leidenschaft für lange Distanzen

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Lena Diekmann
Wolfgang Karl aus Curslack hat die Erinnerungen an seine Zeit als Wettkampf-Läufer aufbewahrt.

Wolfgang Karl aus Curslack hat die Erinnerungen an seine Zeit als Wettkampf-Läufer aufbewahrt.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Wolfgang Karl aus Curslack lief früher 50 bis 100 Kilometer. Heute möchte er die Jugend zum Laufen motivieren. Seine Gründe.

Hamburg.  An der braunen Korkpinnwand ist kein Plätzchen mehr frei. Medaillen, Wimpel und Startnummern sind dort feinsäuberlich aufgereiht und erinnern Wolfgang Karl an eine Zeit, an der das Laufen sein Leben bestimmte. Heute ist er 79 Jahre alt und passt noch immer in seine blaue Trainingsjacke aus Sweatstoff, auch wenn sie vielleicht ein wenig enger sitzt als vor gut 50 Jahren.

Damals schnürte Wolfgang Karl, der aus der Nähe von Flensburg stammt, jedes Wochenende die Laufschuhe. Langstrecken über 50 oder 100 Kilometer waren seine Distanzen. „Es war eine anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit“, sagt Karl, der seit fast 50 Jahre in Curslack lebt.

Durch einen Zufall zu seinem Sport gekommen

Dabei war er eher durch Zufall zu seinem Sport gekommen: Seine Frau hatte an jenem Tag einige Damen aus der Nachbarschaft nach Hause eingeladen. Um dem Frauennachmittag zu entfliehen, fuhr er in die Marienhölzung. In dem Forst westlich von Flensburg fand ein Volkslauf statt. „Und das wollte ich mir mal angucken“, erinnert sich der 79-Jährige.

Doch beim Zuschauen blieb es nicht: Direkt im Anschluss schlüpfte auch Wolfgang Karl in die Laufschuhe. Und aus Intervallläufen über 10 oder 20 Kilometer wurden bald Distanzen von 50 oder gar 100 Kilometern, die er in 18 Stunden oder mehreren Tagesetappen zurücklegte.

Höchste Auszeichnung: "Vergoldete Bronzekreuz am Bande"

In den Jahren von 1970 bis 1974 bestimmte das Laufen so sein Leben: Mindestens dreimal pro Woche trainierte Wolfgang Karl, der damals als Bahn-Angestellter zwischen Flensburg und seinem Einsatzort bei der Güteraufsicht in Billwerder-Moorfleet pendelte. Zog er dann im Hausflur die Laufschuhe an, wurde „Blacky“ schon ganz wild. Der schwarze Zwergpudel folgte seinem Herrchen beim Laufen stets auf Schritt und Tritt.

So gut wie jedes Wochenende startete er bei Läufen, ob in Dänemark, in den Niederlanden, Bayern oder auf Fehmarn. Seine Frau, mit der er schließlich 1975 nach Curslack zog, begleitete ihn dabei. Viele gute Erinnerungen, aber auch Medaillen hat er in dieser Zeit gesammelt. Als höchste Auszeichnung erhielt er das „Vergoldete Bronzekreuz am Bande“, das ihm vom Königlich Niederländischen Bund für Leibeserziehung verliehen wurde.

Die Olympia-Segler von 1972 in Kiel an Land begleitet

„Das war schon etwas Besonderes“, sagt Wolfgang Karl, der sich gern an einen 20-Kilometer-Lauf in Kiel im Jahr 1972 zurückerinnert. Damals wurden die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele auf der Förde ausgetragen, und die Läufer begleiteten die Segelboote dabei an Land.

Zwei Jahre später dann das jähe Ende: Bei einem 100-Kilometer-Lauf brach Wolfgang Karl nach 76 Kilometern zusammen – Zuckerschock. Statt über die Ziellinie zu laufen, ging es mit einem Krankenwagen in die Klinik. „Das war bitter“, erinnert er sich, denn es zog eine dreijährige internationale Sperre mit sich und beendete das Wettkampf-Laufen.

Trotzdem ist die Leidenschaft für das Laufen geblieben. Heutzutage wünscht sich der 79-Jährige, dass auch Kinder und Jugendliche wieder mehr Freude daran finden: „Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Es kräftigt die Lunge, den Herzmuskel und das Knochensystem“, ist Wolfgang Karl überzeugt.

  • Laufen macht glücklich:

Joggen ist gut für den Geist – besonders, wenn man sich dabei nicht allzu sehr verausgabt. „Die positiven mentalen Effekte kommen vor allem beim moderaten Laufen – im sogenannten aeroben Bereich, wo die Muskulatur noch genug Sauerstoff hat“, sagt Daniela Dihsmaier, Sport-Mental-Coach aus München. Aerob bedeutet: ungefähr bei 60 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit laufen. Die meisten Menschen seien zu schnell unterwegs, beobachtet Dihsmaier. „Mein Rat ist: Wenn es sich anstrengend anfühlt, nimmt man ein bisschen Tempo raus. Fast so, dass man sich etwas unterfordert fühlt. Was passiert dabei im Körper?

„Im aeroben Bereich wissen wir, dass der Cortisolspiegel im Körper sinkt – die Belastung ist noch im Rahmen und angenehm, sodass die Gedanken wandern können. Das sorgt für Stressabbau“, erklärt Dihsmaier. Das habe auch positive Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit. „Es bilden sich neue Nervenzellen, was gut für die Erinnerungsfähigkeit ist.“ Beim Laufen in diesem Bereich kurble man auch seinen Stoffwechsel an. So stärke man sein Immunsystem. „Außerdem schüttet der Körper Glückshormone aus. Auf mentaler Ebene entsteht dadurch ein Genussmoment,“ so Dihsmaier.